Himmelhunde

 

Es war ein wunder schöner Juni Tag, Ich kam mit dem Auto aus Richtung Erfurt. Es war sehr heiß im inneren des Wagens, und ich beschloss eine Pause einzulegen. Der Tag war noch jung und ich hatte mein Geschäft in Erfurt schon lange unter Dach und Fach gebracht. Also beschloss ich die A4 bei der Anschlussstelle Mühlberg Wandersleben zu verlassen. Ich hielt am Gasthaus Freudental um etwas Kühles zu trinken, Da sah ich einen Mann, den ich sofort als meinen alten Spielgefährten Günter Ambrosius aus Wandersleben ausmachte. Sei mir gegrüßt Günter, sagte ich und setzte mich mit an seinen Tisch. Er sah mich von Kopf bis Fuß an und sagte, man Winny bist du das? Ja, Günter, erwiderte ich darauf. Wir sahen uns lange an, bis Günter sagte, wie lange haben wir uns nicht gesehen? Wie geht es dir. Ich antwortete auf die Frage, oh ich habe das Dorf 1976 Verlassen und jetzt haben wir das Jahr 2007, das sind nach Adam Riese 31 Jahre. Wir haben uns schon seit unseren letzten Treffen verändert. Günter war als kleiner Junge etwas Korpulent und ich war rassel dürre. Jetzt sitzt er mit einer normalen Figur vor mir und ich habe 72 Kg. Übergewicht. Kein Wunder das er mich nicht sofort

 

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Erkannt hatte. Wir haben unsere Jugend zusammen verbracht, den Lieben langen Tag war spielen im Witschen angesagt.Ein jeder von uns erzählte wie es ihnen in den letzten Jahren ergangen ist. Günter hatte einen ausgedehnten Waldspaziergang hinter sich und labte sich gerade an einem kühlen Getränk. Am anderen Ende der freien Terrasse saßen zwei Kinder und beschäftigten sich mit ihren Gameboy, still sahen wir den zwei Lausbuben zu, bis Günter sagte, weißt du noch wie wir damals im Witschen gespielt haben, und wer da alles mit dabei war? Es waren schöne Kindheitserinnerungen. Ich erinnere mich noch daran, als sei es erst Gestern gewesen. Es war auch mitten im Sommer, alle hatten große Ferien

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Und wir gingen in den kleinen Flüsschen Apfelstädt das durch unseren Ort floss, baden. Im Witschen hatte die Apfelstädt ein natürliches Wehr mit einem kleinen Wasserfall und eine tiefe Stelle dahinter. Das nannten sie im gesamten Dorf nur das Badeloch. Wir stauten die Stelle immer mit Steinen, Ästen und Rasenstücken ab, so das die Badestelle noch einen halben Meter tiefer wurde. Hier tobte das leben, die Jugend aus dem Unter, und Mitteldorf traf sich dort fast Täglich zum Spielen und baden. Günter, der damals der älteste und klügste von allen war, hatte auch die besten Ideen was und womit wir spielen konnten. Da wir sowieso immer ein kleines Lagerfeuer brennen hatten, Kam Günter eines Tages auf die Idee,

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Auf dem Lagerfeuer das Mittagessen zu kochen. So mussten wir nicht immer erst zum Essen nach hause gehen und hatten mehr Freizeit. Wir versammelten uns um das Lagerfeuer und schmiedeten unseren Plan. Ich besorgte wieder ein paar Kochtöpfe, die hatte ich noch vom letzten Abenteuer in unseren Schuppen. Sie waren schon von außen rußgeschwärzt so dass sie meine Mutter nicht mehr zum Kochen nehmen wollte und sich neue gekauft hatte von meinem Taschengeld. Das ersparte mir wenigsten die Tracht Prügel die normalerweise fällig gewesen wäre.Weiterhin konnte ich noch Zwiebeln und Kartoffeln besorgen. Gerd Frank, von allen nur Mücke genannt, weil er einer der kleinsten damals von uns war, brachte Eier und Speck. Horst Geißler, der neben Mücke wohnte war auch mit seinen Geschwistern immer mit von der Party und ein jeder schleppte an was er nur organisieren konnte. Andere Jungs wurden zum Holz sammeln eingeteilt und Günter übernahm wie immer die Rolle des Kochs.Wir schleppten das Wasser von unseren Brunnen bis zum Badeloch, denn mit Apfelstädtwasser wollten wir nicht unbedingt kochen, ob wohl sie damals noch sehr sauber war. Herbert Block, von uns nur Blocki genannt, schälte die Kartoffel, Thomas Held, den sie Münzer nannten, ( nach Thomas Münzer) machte sich mit Wolfgang Fittika am Ufer der Apfelstädt zuschaffen, sie hatten den Auftrag erhalten ein paar Forellen für eine Fischsuppe zu fangen. Doch so sehr sie sich auch abmühten, bissen immer nur die kleinen

 

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Köterfische an, aber davon hatten sie bereits einen ganzen Eimer voll. Günter schlachtete sie und kochte eine leckere Fischsuppe daraus. Blocki brachte etwas frisches Fleisch mit, denn seine Eltern hatten gerade hausgeschlachtet. Es war damals auf dem Dorf noch normal, das die meisten Schweine für die Schlachtung hielten, um eine Wintervorrat anzulegen, oder Obst und Gemüse einzuwecken um in der Kaken Jahreszeit den Lebensstandard der Familie etwas anzuheben. Wir Kinder bedienten uns gerne unbemerkt an diesen Vorräten, die wir uns im Witschen regelmäßig teilten. Es kam öfters einmal irgendein Elternteil von uns in das Witschen und sagte. Na ihr Himmelhunde, wie

 

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Haben die Kirchen geschmeckt! Oder was wir gerade wieder verputzt hatten. Ich glaube damals hat auch Günter sein Spitznahme wegbekommen. Da er Ambrosius mit dem Nachnahmen hieß und seine Zähne öfters und gerne in ein gut belegtes Wurstbrot schlug, verpassten sie ihnen den Nahmen Brotzahn, da er als Kind etwas übergewichtig war. Passte der Spitznahme wie die Faust auf das Auge, und er sollte diesen Nahmen sein leben lang nicht mehr losbekommen und wird noch heute von seinen Freunden scherzhaft so genannt. Wir gingen in der Zwischenzeit immer wieder baden, nur Günter musste am Feuer bleiben, damit ihn nichts anbrennen würde. Für seine Zehn Jahre war er bereits ein ganz passabler Koch der sich sehen lassen konnte, Seine Mahlzeiten waren immer lecker und sehr gut gewürzt. Doch soviel mühe er sich auch gab, es reichte nie um uns alle satt zubekommen, und so gingen die meisten von uns doch noch zu den Mahlzeiten nach hause um das Magenknurren zu beenden. Gelegentlich schauten immer einmal ein paar Erwachsene vorbei, ob bei uns alles in Ordnung ist, oder ob wir irgendetwas brauchten. Denn die meisten von uns schliefen mit einem Zelt im Witschen und hatten sich regelrecht eingenistet. Die Zelte dafür haben wir uns immer vom DRK (Deutsches Rotes Kreuz) ausgeliehen oder zum teil auch aus Decken und alten Lumpen selber gebaut. Gegen Abend, als die Dämmerung einsetzte kamen die Erwachsenen um auch ein Bad zu nehmen. Wir als Kinder versteckten uns in den angrenzenden

 

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Weisdornbüschen und schauten zu, denn es kam vor das manche keine Badesachen dabei hatten und sich schämten. So fühlten sie sich unbeobachtet und wir Kinder hatten etwas zum beobachten, so fern es die Dunkelheit zuließ. Als wir müde genug waren, krochen wir in unsere Zelte und schliefen bis uns die heiße Morgensonne wieder aus dem Zelt trieb. So begann der neue Tag mit einen ausgiebigen Morgenbad und einen Frühstück, was wir in den meisten Fällen erst wieder neu besorgen mussten. Wir Kinder waren immer hungrig und hatten bis zum Abend alles ratzekahl aufgefressen was unsere Eltern für uns eingepackt hatten. So liefen wir wieder nach hause und füllten unsere Vorräte auf. Günter hatte wie immer die Rollen gut verteilt, und so klappte alles wie am Schnürchen. Er kochte wieder wie ein Weltmeister und wir machten die Hilfsarbeiten. Das machte einen riesen Spaß

 

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Und die Zeit verging in Flug. Regelmäßig trafen sich die Kinder und jugendlichen am Badeloch und sie breiteten ihre Decken aus. Einige von ihnen waren zu faul mittags zum essen nach hause zu gehen, und darum bettelten sie lieber uns etwas ab, denn das war einfacher und bequemer. Nur hatten wir keine Lust die ganze Arbeit zu machen, und die kamen nur zum Essen! Aus diesem Grund haben wir uns eine andere Kochstelle gesucht die weit genug weg war von ihnen und sie nicht mehr von dem vorzüglichen Essensduft angelockt wurden. Nun hatten wir unser Lager in dichten Schlehenbüschen eingerichtet, gleich neben einer kleinen alten Kiesgrube, wo die Leute vom Unterdorf ihren Sperrmüll entsorgten. So konnten wir uns aus alten Möbelteilen unser Lager einrichten und fanden noch so manches dort, womit wie spielen Konnten. Wir bauten uns Laubhütten und planten den Bau eines Erdbunkers. Im Sperrmüll lagen noch alte Rollen mit Dachpappresten, womit wir die Dächer der Hütten Wasserdicht machen konnten. Da Günter unser Anführer war, nannten sie uns im Dorf nur noch die Brotzahnbande. Unser Revier war das Witschen auf der Südseite des Badelochs, und wir duldeten keinen anderen in unser Bereich. Auf der anderen Seite der Apfelstädt, hatte die Rotsbande ihren Bereich. Sie wurde auch nach den ältesten der gruppe benannt, Reiner Rot. Als weitere Mitglieder Waren es die Jungs die auf der anderen Seite mit ihnen zusammen in dem selben viertel wohnten, was alle nur das Negerdörfchen nannten. Der eine his Holger Minning, der andere Frank Trott oder Klaus Dieter Haselstein und Rolandoder Bernd Ruge usw. Wo immer die Banden aufeinander trafen bekämpften sie sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, von der Steinschleuder bis hin zu Pfeil und Bogen oder Blasrohren die mit Erbsen betrieben wurden. Das Gebiet

 

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Um das Badeloch, war aber befriedetes Gebiet, wo eine jede Partei in aller Ruhe baden gehen konnte. Unsere Kämpfe waren sowieso nur spielerischer Natur wo es nach jeden Kampf einen Tagessieger gab. Und das war meisten die Brotzahnbande. In der Schule trafen sie schon für den Nachmittag die Verabredungen für den Nachmittag und legten fest, welche Bande den Angriff führen sollte. So hatte ein jeder einmal den Überraschungseffekt auf seiner Seite. Öfters gelang es uns aus den gegnerischen Reihen Gefangene zu machen, die wir dann fesselten und mit in unser Lager Namen, wo sie am Marterpfahl standen oder irgendwelche Frondienste bis zum Abend ableisten mussten, so wie Feuerholz sammeln oder Fische fangen usw. Wenn die Rotsbande keine Lust oder Zeit hatte mit uns zu Kämpfen, teilten wir die Bande auf und kämpften

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dann gegen einander. Schwer bewaffnet mit Zündplätchenpistolen und handeschnitzten Karabinern Legten wir uns in dem Beigraben, der das Wasser für das Mühlrad regulierte auf die Lauer oder versteckten uns mit unseren Holzhandgranaten in den Büschen, bis wir wider einen Feind ausschalten konnten. Wer getroffen war, war als tot eingestuft und durfte am heutigen Kriegsspiel nicht mehr teilnehmen und musste zusehen oder konnte zum baden abrücken. Günter hielt nach wie vor alle Fäden in der Hand und kommandierte die Bandenteile vom Kochtopf aus und schlichtete des Öfteren den Streit zischen den Schützen. Denn unser Prinzip war so, wenn jemand mit seinen Holzgewehr auf einen anderen geschossen hatte, und war sich auch sicher, das es ein Treffer war. So schrie er, Gerd du bist tot, fall um! Mitunter ärgerte sich Gerd, weil es für

 

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Ihnen für heute vorbei war und er aber noch mitspielen wollte, und rief zurück. Stimmt ja gar nischt, du hast vorbei geschossen. In so einen Fall wurde die Situation noch einmal nachgestellt und Günter traf die gerechte Entscheidung.    Es war schon eine schöne Kindheit die wir zusammen verbracht haben. Heute, wie es der Zufall wollte sitzen wir uns beide als Großväter gegenüber und würden uns darüber freuen wenn unsere Enkelkinder auch so schön mit der Natur in der Natur spielen würden, wie wir es einst taten. Das kommt nicht mehr, sagte Günter zu mir und wir sahen die zwei kleinen mit ihren Gameboy’s dabei an. Ja die heutige Jugend kennt nur noch elektronisches Spielzeug. In unserer Kindheit, waren wir schon froh, wenn wir eine Zündplätchenpistolen hatten und damit im Witschen Spielen konnten. Ja das war schon was unser Witschen, eigentlich war es ein Weiden und Pappelwald der von vielen Büschen durchdrungen war. Früher holten die Korbflechter ihre Weidenäste dort und da kam auch der Name her Witschen, wurde von Weide abgeleitet. Es war ein Kosename, weil der Weidenwald nicht all so groß war. Die Kellnerin kam zu uns an den Tisch, und Günter bestellte uns noch jeden ein Kännchen Kaffee. Weist du noch, wie wir den Bunker gebaut haben? Fragte er mich! Natürlich weis ich es noch genau, denn es kommt mir vor als sei es erst gestern gewesen. Wir hatten schon seit langen den Plan geschmiedet, uns in einer geheimen Kommandosache heimlich einen Bunker in einem dichten Gebüsch anzulegen, wo die Erwachsenen nicht hinein kamen, weil die Dornenbüsche den Weg versperrten. Heimlich besorgten wir uns das benötigte Werkzeug und versteckten es im Witschen. Damals stellte das einfachste Werkzeug noch für unsere Eltern eine Kostbarkeit dar und

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Sie hüteten es wie ihre Augäpfel. Immer wenn etwas fehlte, kamen wir sofort in den Verdacht es zu haben und sie machten uns die Hölle so lange heiß, bis es wieder an Ort und Stelle hing. Aus diesen Grund mussten wir es morgens unbemerkt in das Witschen schaffen und am Nachmittag wieder nach hause, damit es an seinen angestammten Platz hing wenn unsere Eltern von der Arbeit kamen. Damals bewirtschafteten noch fast alle einen kleinen Gemüsegarten, und dazu benötigten sie das eine oder andere Arbeitsgerät selber. Aber Nägel, Schrauben und Seile und andere Materialien die sie nur selten oder nie brauchten, bekamen heimlich Beine und marschierten in das Witschen. Wir waren auf dem Bauch in das große Gebüsch neben der Sperrmülldeponie gekrochen und haben uns zuerst mit einer kleinen Baumsäge und einer Rosenschere Ast für Ast einen Platz geschaffen, wo wir aufrecht stehen Konnten

 

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und erweiterten den Platz darinnen Stück für Stück, bis er die richtige Größe für uns hatte. Nun legten wir einen schmalen Weg an, der aber nur bis kurz vor die letzten Büsche ging, und von dort aus mussten wir dann wieder auf dem Bach kriechen. Blocki war mit seinen Hemd an einen Ast hängen geblieben und hatte eine Dreiangel hinein gerissen, so das er sich nicht nach hause traute. Münzer bekam den Auftrag etwas Nähzeug zu beschaffen, damit Günter das Hemd wieder zusammen flicken konnte. Bis dahin musste Blocki mit freiem Oberkörper weiter arbeiten. Die Arbeit stellte sich als Knochenjob heraus, denn hier war alles voller Wurzeln und der Boden war Knüppel hart von oben, die Deckschicht bestand aus einen Kies Lehm Gemisch und das war fest wie Beton. Da die ganzen Mädchen und andere unwillkommene Personen am Badeloch ihr Unwesen trieben, konnten wir keinen Lärm machen ohne aufzufallen. Stück für Stück, kratzten wir mit einem Schraubenzieher den Boden auf bis wir wieder eine Wurzel freigelegt hatten die wir heraussägen konnten. Wir mühten uns alle ab und kamen doch nicht voran, bis Günter sagte, wir machen Nachtschicht. Wir stellten die Arbeiten am Bunker ein und Bauten unser Zeltlager wieder am Badeloch auf, wo wir mit dem Mädchen herumalberten um ihnen heimlich die Kekse weg zu fressen, oder gingen Baden. Abends legten wir uns bei Zeiten hin, und am frühen Morgen, als es langsam hell wurde. Stellte Günter die kleinsten und schwächsten von uns als Wache auf, und die größeren von uns mussten mit der Spitzhacke, Spaten und schaufel Stück für Stück die Grube für den Bunker ausheben. Nach tage langer Knochenarbeit hatten wir endlich die Lehmdecke mit dem Wurzelwerk durchbrochen und kamen auf eine dicke Kiesschicht, die sich leicht herausschaufeln ließ. So

 

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Konnten wir immer bis Ca. zehn Uhr arbeiten ohne aufzufallen. Denn ab zehn Uhr füllten sich immer die Liegeplätze am Badeloch. An besonders heißen Tagen kamen die Schulkinder die an den Ferienspielen teilnahmen mit den Lehrern zum Baden, und belagerten die gesamte Gegend. Das waren die Tage die wir überhaupt nicht mochten, denn da konnten wir nicht an unseren Bunker arbeiten und waren zur Untätigkeit verdammt. Wir machten Feuer und Günter rührte wieder in seinen Töpfen, während wir wie üblich zu hause abstaubten was wir für unser Mittagessen brauchten. Gerhart Kressler hatte einen Beutel voll Kartoffeln und Eier mitgebracht, und Gerd Geißler brachte Speck und Zwiebeln. Da wir noch etwas Fett brauchten um die Bratkartoffeln zuzubereiten können, Muste Hans

 

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Dieter Volland noch einmal nach hause gehen um einen Würfel Margarine oder etwas Speiseöl zu besorgen. Ob wohl er ein lahmes Bein hatte, war er flink wie ei Wiesel unterwegs. Es sah nur immer etwas merkwürdig aus, denn er musste eine Schiene tragen, weil er die Kinderlähmung hatte. Aber an sonsten war er ein prima Kerl mit denen wir gerne spielten. Da ich den kürzesten Weg nach hause hatte, musste ich wie immer das Trinkwasser an unseren Brunnen holen, während die anderen die Kartoffeln schälten und kleinschnitten für die Bratkartoffeln. Gegen halb zwölf kam Hans-Dieter mit der benötigten Margarine zurück. Er hatte die Kalensky Brüder unterwegs getroffen und mitgebracht, sie gehörten ja zu unserer Bande, nur heute Vormittag mussten sie mit ihren Eltern nach Erfurt fahren, da sie neues Schuhwerk bekommen sollten. Tage vorher hatten wir eine Mutprobe gemacht, Wir stellten und an den Rand des Feuers um festzustellen wer die Hitze am längsten aushalten konnte. Doch Gerhart Kalensky hatte nicht bedacht, dass seine Schuhe Gummisolen hatten und dadurch feuer fingen. Wir hörten nur noch wie er schrie heiß, heiß und herumsprang wie ein angestochener, mit zwei brennen Fackeln an den Füßen, bis Günter ihn schnappte und in das Wasser warf. Ich glaube, das war seine Rettung, sonst würde der Trottel heute noch tanzen. Jetzt stand er vor uns mit neuen Sandalen und ein paar Binden um die Füße. Während wir im Badeloch schwammen, saß er am Ufer und kühlte seine

 

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Brandblasen. Gegen Eins Hatte Günter das Essen fertig und wir hauten wieder kräftig herein. Die Bratkartoffeln waren schön fettig mit Speck kross gebraten und jede Menge Eier darüber geschlagen, mit viel Zwiebel darin waren sie besonders lecker. Es war immer dasselbe, essen wollten alle, aber der Abwasch blieb einfach stehen bis einer von Günter dazu verdonnert wurden war. Das waren in aller Regel die jenigen, die nichts zum Essen beigesteuert hatten. Manche von uns hatten nicht die Möglichkeit am Tage nach hause zu gehen, da ihre Eltern auf der Arbeit waren und die Wohnung wurde Abgeschlossen. Sie hatten die Möglichkeit mit in die Ferienspiele zugehen die von der Schule aus

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Organisiert wurden. Da wären sie Mittags versorgt gewesen, aber sie trieben sich lieber mit im Witschen herum, weil es einfach mehr Spaß machte, und gegen das Magenknurren gab es im Notfall nach die Gärten am Rande des Witschens, oder sie aasen Obst oder Stachelbeeren, die gab es im Witschen massenhaft. Die Leute hatten öfters Büsche aus ihren Gärten herausgerissen und einfach achtlos in das Witschen geworfen, wo sie wieder einwurzelten und weiter Wuchsen. Wir sammelten Himbeeren oder Brombeeren, Pilze oder fingen Forellen und Eschen. Damals war die Apfelstädt noch klar und ein Fischreicher kleiner Flus, und so konnte mann ganz gut über die Runden kommen. Am Rande des Witschen wohnte die Familie Past, Artur der Mann arbeitete bei der Deutschen Reichsbahn in Erfurt als Oberinspektor und seine Frau Linda blieb als Hausfrau zu hause und versorgte das Vieh und arbeite im Garten. Bei ihr konnten wir uns immer sehr gut bedienen, da ihr Mann immer quer durch das Witschen ging, um den Weg zur Bahn abzukürzen, wussten wir genau wenn er nicht zu hause war. Nun mussten wir nur noch warten bis Linda aus dem Haus war, und dann konnten wir gnadenlos zuschlagen. In den frühen Morgenstunden, arbeiteten wir an unseren Bunker, und schaufelten den Kies aus der Grube. Wir schaufelten wie die Weltmeister, doch die Grube wurde nicht tiefer, sondern breiter, da die Wände immer wieder einstürzten weil der Kies so locker war und wir die Wände nicht stabilisiert hatten. Wir

 

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Waren alles kleine Jungs von sieben bis zehn Jahre und hatten vom Bunkerbau keine Ahnung, deshalb mussten wir erst unsere Erfahrungen sammeln bis wir auf die Idee kamen die Wände abzustützen und wir dadurch weiter in die Tiefe kamen. Jetzt war der Bunker dreimal so groß wie wir ihn geplant hatten, und dadurch mussten wir jetzt Stützpfeiler einbauen, weil die Dachbalken die wir besorgt hatten zu kurz Waren. Alles gut abgestützt, deckten wir die Bunkerdecke mit alten Brettern, Möbelplatten und der Dachpappe gut ab und schaufelten die Erde vorsichtig darüber, und bauten eine Leiter ein, damit wir den Bunker gut betreten konnten. Wir fertigten eine

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Klappe als Einstieg, wo wir Rasenstücke darauf banden um sie zu Tarnen. Nun wurde rundherum alles wieder aufgeräumt, was unsere Anwesenheit hätte verraten können, damit uns niemand finden konnte falls sie uns suchten. Wir schafften unser Brennholz in den Bunker und Günter richtete seine Feuerstelle ein, denn er Wollte einen Topf mit Nudelsuppe kochen. Wir trafen unsere Vorbereitungen und zündeten das Feuer an, doch was war das! Es qualmte wie verrückt in den Bunker, der Rauch konnte nicht abziehen. Wir hatten keinen Schornstein eingebaut, weil wir klaubten das die Einstiegsluke ausreichen würde um den Qualm abziehen zu lassen. So ein Mist, jetzt mussten wir die Bunkerdecke noch einmal aufbrechen um ein altes Ofenrohr, das wir in Windeseile aus dem Sperrmüll gefischt hatten einzubauen. Wir hatten wieder die ganze Arbeit an der Backe und Günter saß gemütlich im freien und kochte seine Nudelsuppe. Da der Betrieb am Badeloch Zusehens zunahm, stellten wir die Arbeiten am Bunker für den heutigen Tag wieder ein. Wir löffelten unsere Suppenration und vergnügten uns im Wasser bis in die späten Abendstunden, wo die Erwachsenen wieder baden gingen und wir sie heimlich beobachteten. Aus ihren Gesprächen konnten wir heraushören, das sie am kommenden Tage einmal wieder nach dem Rechten sehen wollten, denn im Witschen war es ihnen zu still und das konnte nichts Gutes bedeuten, denn sonnst spielten wir immer ziemlich Lautstark und jetzt die

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Geheimnistuerei machte sie misstrauig. In den kommenden Tagen, tobten wir wieder herum und hielten Lautstark unsere Kriegsspiele ab und machten soviel Lärm, dass es von den Anwohnern Beschwerten hagelte. Nun fanden unsere Eltern die Welt wieder in Ordnung und erkannten ihre Kinder wieder. Heimlich machten wir uns aber wieder im Bunker zuschaffen. Es musste uns nur noch gelingen den verdammten Qualm durch dem Ofenrohr nach draußen zu bekommen, denn der Qualm zog nach wie vor überall hin, nur nicht nach draußen. In der Sperrmülldeponie lag noch ein alter kleiner Küchenherd, den wollten wir in den Bunker bringen um das Problem zu lösen, doch er passte nicht durch

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Die Eingangsluke und so mussten wir die Bunkerdecke wieder aufreisen, bis der Herd durchpasste. Wir stellten gleich einen Tisch und ein paar alte Hocker und eine Bank mit hinein, bevor wir die Bunkerdecke wieder verschlossen. Nun qualmte es nicht mehr und Günter hatte einen Herd zum Kochen. Die Kellnerin kam wieder an den Tisch und servierte den Kaffee, darf es sonst noch etwas sein, fragte sie? Nein danke im Moment nicht, sagte ich. Wir tranken langsam und genüsslich unseren Kaffee und schauten immer wieder zu den Jungs, die sich noch immer mit ihren Gameboy beschäftigten. Die haben eine Ausdauer, sagte Günter und erzählte weiter. Eines schönen Tages, wir waren wieder beim baden und fingen nebenbei wieder Fische. Da kam Dietmar Zacher, ein etwas älterer Junge aus der Nachbarschaft mit einem Modellboot, was er selbst gebaut hatte. Er war ein leidenschaftlicher Bootsbauer und wir Kinder schauten immer ganz begeistert dabei zu, wenn er seine Modelle ausprobierte. Ins geheime haben wir ihnen immer um die Schiffe beneidet, denn er hatte das Werkzeug um so feine Arbeiten durchzuführen. Wenn wir uns Schiffe bauten, so waren es meist nur mit der Axt angespitzte Bretter mit irgendwelchen Holzklötzchen die darauf genagelt wurden und die aufbauten darstellen sollten. Halbe Flaschenkorken mit zwei Holzleckerstielen waren die Geschütze. Das ganze wurde mit irgendwelchen Farbresten die wir von der Deponie hatten bunt angemalt und sah gegen

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Dietmars Schiffe immer nur beschissen aus, dafür war der Verlust nicht so groß, wenn uns mahl eines davongeschwommen war. So veranstalteten wir manchmal richtige Seeschlachten bis die Boote alle mit Steinen zu Schrott geworfen waren. Als wir keine Lust mehr hatten, mit den Schiffen zu spielen, liefen wir in der Apfelstädt entlang und fanden einen Karabiner aus dem zweiten Weltkrieg, er war verrostet und besaß kein Schloss mehr, doch zum Spielen war er noch gut genug. So kam es, das wir noch weiter suchten, und auch noch weitere Waffen und Stahlhelme fanden. Wir sammelten alles ein und brachten es in unseren Bunker, wo wir am kommenden Tag alles mit einer Drahtbürste und

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Schmiergelpapier wieder blank machten und mit Öl auf polierten oder mit Reparaturdock alles neu anstrichen. So hatten wir die herrlichsten Spielzeuge die auch noch echt waren. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mit einen alten Stahlhelm durch das Witschen gelaufen bin. Der Helm besaß kein Innenfutter oder Spanngurt mehr, und immer wenn ich rannte sprang er auf meinen Kopf herum und verursachte damit die herrlichsten Beulen auf meinen Kopf. Und außerdem war das verdammte Ding verdammt schwer und ich war froh, wo ich ihn gegen ein altes HJ Messer eingetauscht hatte. Wenn wir Soldaten Spielten und einen Krieg führten, brauchten wir auch Uniformen. Die wir überall her besorgt hatten. Einer hatte eine alter Jacke der Feuerwehr an und ein anderer eine Bahnerjacke oder was von der Deutschen Wehrmacht noch so alles im Umlauf war. Ich kam auf die Idee aus einer alten kaputten Tarnplane ein Käppi zu schneidern. Man sah das Ding beschissen aus, aber es war ein Käppi. Den anderen gefiel es und Günter gab mir den Befehl für alle Bandenmitglieder Käppis zu schneidern. Nach ein paar Tagen war ich fertig damit und hatte außer zerstochene Finger nichts weiter dafür bekommen. Und dabei hatte Günter mir einen höheren Offiziersrang in Aussicht gestellte und ich freute mich schon im geheimen auf den Rang eines Hauptmanns. Und so blieb ich wieder nur ein Feldwebel. So spielten wir Tag für Tag und stellten irgendwelche Kampfeinsätze nach, die wir im Kino

 

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Gesehen hatten, denn da liefen zu der Zeit sowieso immer nur Russenfilme die von Krieg handelten. Das Deutschland den Krieg verloren hatte, bekamen wir ja noch zwanzig Jahre nach dem Krieg von den Russen auf das Brot geschmiert. Eines Tages, lag Rudi Grossmann am Badeloch und sonnte sich. Er hatte sich ein paar Flaschen Bier mitgebracht und kühlte sie in der Apfelstädt. Es kam öfters vor, dass die Erwachsenen sich Bier mit brachten und dort tranken. Doch diesmal sollte alles anders sein, Rudi hatte mehr als er trinken konnte. Er wartete auf seinen Freund, doch der kam nicht. Als Rudi den Kanal voll hatte, wollte er nach hause

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Gehen. Das Bier aber ließ er in der Apfelstädt liegen und beim ausschütteln seiner Decke, merke er nicht, das seine Zigaretten im hohen Bogen davon flogen. Er verstaute seine Sachen in einen Stoffbeutel und ging langsam nach hause. Das Bier aber haben wir sofort sichergestellt und die Zigaretten unter uns aufgeteilt. Feuer hatten wir immer in unseren Bunker und so gingen wir hinein und jeder trank eine halbe Flasche Bier und wir rauchten unsere erste Zigarette dazu. Man war das damals eine Husterei im Bunker, mir wurde ganz übel, Fittika der eigentlich eine sehr dunkle Hautfarbe hatte, wurde ganz bleich und hinter einen Weisdornbusch kotzten wir um die Wette. Der kleinste von den Geißlerskindern stand breitbeinig da und traute sich keinen Schritt mehr zu laufen. Nach der dritten Caro war ihm so übel das alles in die Hose ging. Sein Bruder Gerd stellte ihn in die Apfelstädt bis er wieder sauber war und lies ihnen anschließend in der Nachmittagssonne trocknen. So schlecht wie es den meisten auch ging, haben sie in ferner Zukunft doch immer wieder, wenn sich die Gelegenheit ergab Zigaretten Geraucht. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Es war an einen Montagmorgen, meine Mutter hatte mir fünf Mark mit in die Schule gegeben, davon sollte ich mein Essengeld bezahlen, denn damals gab es noch eine Schulspeisung. Den Rest davon sollte ich verwenden um mir Sparmarken zu kaufen. In der Schule konnte mann damals Marken kaufen, und sie in ein Heft einkleben.

 

 

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Das war, das so genannte Schülersparbuch. Wenn man Geld benötigte, ging man damit zur Sparkasse von Herrn Schmidt und lies sich was von seinen Guthaben auszahlen. So sollten wir Kinder den frühen Umgang mit dem Geld erlernen. Ich beschloss aber, weder noch zu machen und ging nach der Schule in das Gasthaus Kulturhaus und sagte zu Herrn Weidemüller, was der Gastwirt war, ich soll für meinen Vater Zigaretten holen. Er sah mich an und fragte welche Sorte. Ich wusste damals zwar noch nicht viel, aber das man von den billigen die meisten für sein Geld bekommt, hatte ich schon begriffen und entschied mich für Salem. Der Gastwirt sah mich mit großen Augen an, denn er konnte sich nicht vorstellen, dass mein Stiefvater so ein billiges Kraut rauchen würde. Doch er dachte

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Nicht lange nach und gab mir sechs kleine Schachteln mit zehn Stück Inhalt zu je achtzig Pfennig. Ich sagte noch zu ihm, um glaubwürdiger zu wirken, vom Rest des Geldes, darf ich eine Fassbrause trinken. Er schenkte mir eine ein und ich schüttete sie mit einem Zug mir durch den Hals. Ich machte mich stolz mit meinen Zigaretten auf den Weg in das Witschen und verstaute sie im Bunker. Da ich der erste war, ging ich zuerst einmal baden und ärgerte zwei Mädchen, denen ich die Sachen auf einen Busch geworfen hatte, und mich halb tot lachte, weil sie Angst vor den Dornen hatten. Dabei lag eine Stange vor ihnen, und es währe ein leichtes gewesen die Sachen wieder herunter zu bekommen. So machten wir ein Geschäft daraus, sie gaben mir ihre Essenmarken, und ich ihnen ihre Sachen zurück. So musste ich nicht die gesamte Woche Kohldampf schieben, sondern ich konnte sogar zweimal Täglich essen und hatte alles doppelt, bis sie mich verpetzten und unsere Nachbarn, Horst Ullrich und Herbert Osse mir die Hölle heiß machten und die Marken wieder abnahmen, denn es waren ihre Töchter Ramona und Viola, die ich um die Essenmarken gebracht hatte. Sie hatten sich oben drein noch bei meiner Oma beschwert, und das war das schlimmste was mir passieren konnte. Denn da gab es kein entrinnen mehr, sie schmiss mit dem Krückstock nach mir so das er sich zwischen meinen Beinen verfing und mich zu Fall bracht, und noch bevor ich in der Lage war wider aufzustehen, war sie

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Schon da und gerbte mir mahl wieder das Fell so richtig durch. Als ich nicht mehr wusste ob es gerade Tag oder Nacht war, sagte sie zu mir, du Himmelhund, ich hoffe das war dir eine Lehre und du lässt die Mädchen jetzt in Ruhe. Ich hatte mich jammernd wie ein gebügelter Hund in das Witschen zurückgezogen und kurierte meine Beulen in der Apfelstädt. Da waren sie wieder, die Petzenten Weiber. Wartet nur ab, Rache ist Blutwurst, dachte ich und schlich mich heimlich von hinten wieder an, und während sie badeten, schmiss ich wieder alle Sachen bis zur Spitze des Busches hinauf und Verschwant wieder unbemerkt. Da ich es nicht weit bis nach hause hatte, rannte ich schnell dorthin und

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Nahm meinen Schulranzen und schlich schnell bei Onkel Theo durch den Hof und kam auf der anderen Seite wieder heraus und ging langsam den Dammweg am Mühlgraben entlang, und machte lauten Krach, damit viele Leute mich bemerken mussten. An der Mühle angekommen, war der Müller gerade damit beschäftig Getreidesäcke abzuladen.Ich ging hin und entschuldigte mich für die Sache mit den Essenmarken, und er verzieh mir. Ich setzte mich auf einen der Säcke und holte mein Lesebuch heraus und tat so, als ich lernen würde. Der Müller fuhr mir mit seiner Hand durch das Haar und sagte dabei, Jawohl Winny, lern du nur fleißig, dann wird später auch einmal etwas aus dir. Im selben Augenblick, kam seine Tochter Ramona um die Ecke und flennte wie ein altes Waschweib. Der hat unsere Sachen schon wieder auf den Busch geworfen. Der müller sah seine Tochter an und sagte, das kann ja gar nicht sein, denn Winny war die ganze Zeit hier und vorher hat er da vorn einen krach veranstaltet, das die gesamte Straße rebellisch wurde. Sie schaute nur dumm und der Müller gab mir zwei Mark, mit der Bitte die Sachen vom Busch zu holen. Ich tat was er mir geheißen und grinste in mich hinein und war glücklich das mein Plan so gut aufgegangen war. Auserden hatte ich eine schnelle Verbindungsstrecke zwischen den Straßen gefunden, die ich jetzt öfters nutzte. Eines Tages hatte ich es wieder eilig, ich wollte zu Münzer auf den Dammweg und war gerade im Begriff, meine Abkürzung zu benutzen. Ich wollte gerade über das

 

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Hoftor klettern, als mich von drinnen jemand mit etwas auf die Pfoten schlug und rief, du Sauhund, außen geht der weg lang. Ich sprang herum und schüttelte mein Flossen, Onkel Theo hatte mich genau auf den Fingerspitzen erwischt. Ich jammerte und schrie, aber Onkel Theo, ich wollte dich doch gerade fragen ob ich durch gehen darf. Onkel Theo lachte und sagte zu mir, das nächste mahl, fragst du erst und kletterst dann rüber, da kann dir so etwas auch nicht passieren. Thomas der schon auf mich gewartet hatte, stand bereits in seiner neuen Lederhose vor dem Haus. Wir gingen in das Witschen und sahen meine Mutter wie sie mich zusammen mit meiner großen Schwester suchte. Die dürfen uns nicht finden, sagte

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Ich zu Münzer und wir versteckten uns im Unterholz bis sie wieder weg waren. Nun gingen wir zum Bunker, wo die anderen mittlerweile eingetroffen waren. Günter hatte in der Deponie eine alte Gasmaske gefunden, und die wollten wir auf ihre Funktionstüchtigkeit hin überprüfen. Wir setzten uns alle in den Bunker, und Günter setzte die Gasmaske auf. Wir machten mit den Salem Zigaretten den nötigen Qualm dazu. Damit ich so viel wie möglich Qualm erzeugen konnte, nahm ich immer drei bis vier Zigaretten in den Mund und paffte wie ein Schlot, bis jemand die Luke aufriss und sagte, hier steckt ihr also. Meine Mutter war draußen Und versuchte durch den Qualm etwas zu erkennen. Sagt einmahl, ihr Raucht wohl? Sie sah mich verwundert an, weil ich mit drei Zigaretten im Mund dasaß und bereits die Augen verdrehte. Drei Zigaretten mit einmahl, du musst doch spinnen, mann nimmt doch nur eine. Sie schüttelte den Kopf und ging wieder nach hause. Alle anderen hatten Angst, dass meine Mutter sie verpetzen würde, aber die sagte kein Wort. Günter setzte seine Kaffeetasse ab und sagte zu mir, stimmt. Damals hatten wir alle großen Bammel, wenn deine Mutter uns verraten hätte, dann hätte es aber zu hause was gesetzt. Aber jetzt im Nachhinein, können wir nur noch lachen über die Situation. Ich habe ja schon versucht meinen Kindern zu erzählen, was wir im Witschen alle erlebt haben, aber das interessiert ihnen nicht sonderlich. Wir waren die letzte Generation die in der Natur mit der

 

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Natur gespielt hat, aber ich denke immer wieder gerne daran zurück, wir waren zwar alle arm, was Spielzeug anbelangte, aber unsere Ideen und Improvisationskunst war unschlagbar, was das erfinden von Spielzeugen an ging. Ja sagte ich, ich kann mich noch gut daran erinnern, wo wir die zwei alten Handkurbelnähmaschinen im Sperrmüll gefunden haben. Wir hatten an den Kurbeln gedreht und die Maschinen ratterten los wie ein Maschinengewehr. Und schon war eine neue Wunderwaffe geboren. Wir bauten alte Wasserleitungsrohre daran, die den Lauf darstellen sollten, füllten ein paar alte Kartoffelsäcke mit Erde,

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Und schon war ein Mg – Nest fertig. Da unser Bunker jetzt von zwei Mg Ständen bewacht wurde, hatte die Rot’s Bande keine Chance mehr uns zu überfallen, was die sich sowieso nie getraut hätten, aber damals waren sie unser Feindbild. Wir hatten eine neue Spielidee, zwei Gruppen mussten immer versuchen die Mg Stellungen einzunehmen, um herauszufinden, wo die Schwachstellen lagen. Die im Mg Nest besaßen schwere Wehrmachtsstahlhelme und waren hinter den Sandsäcken in Stellung. Da mussten wir uns schon etwas einfallen lassen. Ich nahm alte lehre Konservendosen, wo einmal Kaffeesahne darin war, und baute Stiele daran. Wir strichen den Stiel schwarz an und fertig waren die Handgranaten. Um deren Wirkung noch zu erhöhen, füllten wir die Dosen mit Jauche an Osse’s Misthaufen. Wir schlichen langsam an die Mg Stellungen heran, und bei drei, pflasterten wir die Dinger hinein. Von der stinkenden Gülle bespritzt, suchten sie das Weite und die Schlacht war geschlagen. Mann musste schon ein verdammt harter Kerl sein, um es bei diesem Gestank noch aushalten zu können, außer Hans – Dieter konnte es keiner, denn der hatte Schnupfen und roch nichts mehr. Unser Bunker stank auch immer mehr, denn nun fingen die eingebauten Bretter langsam an zu verfaulen, und der Qualm tat das seinige dazu. Wenn mann da nur fünf Minuten unten war, stank man den gesamten langen Tag danach. Deshalb gaben wir den Bunker erst einmal für eine Zeit lang wieder auf und bauten

 

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wieder ein Zeltlager, was auch einen Riesen Spaß machte. Jürgen Spittel und Winfried Bunsel hatten sich mit dazugesellt und Zelteten mit uns. Jürgen Spittel brachte hausgeschlachtete Wurst mit und ein frisches Brot, was wir uns aufteilten. Es war an einen Sonnabend, der letzte Schultag war gerade vorüber, und wir hatten uns für den Nachmittag wieder verabredet. Spittel hatte wieder ein paar Würste besorgt, und Günter lieferte das Brot. Wir richteten unsere Schlafplätze im Zelt ein und gingen baden. Günter war damit beschäftigt, die Wurst und das Brot gerecht zu verteilen. Da es schnell Abend wurde, saßen wir vor dem Zelt am Lagerfeuer und verputzten unser Essen. Als wir gerade so schön beim essen waren,

 

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Kam unsere Katze und schmeichelte sich bei jedem ein um etwas ab zu bekommen. Wir fütterten sie mit kleinen Wurststückchen und den Schalen der Knackwürste. Den Rest aber taten wir in einen Beutel und den hängten wir in der Zeltmitte auf, dass kein Tier daran kommen konnte. Nachts machte sich Winfried Bunsel an den Vorräten zu schaffen und fraß alles ratzekahl leer, und lies uns nur noch etwas trockenes Brot übrig. Um die Schandtat zu vertuschen, wollte er es alles unserer Katze in die Schuhe schieben, doch die lag mit in meinem Nachtlager und schief. Als er bemerkte das die Situation für ihnen Bremisch wurde, suchte er schnell das Weite und wurde den ganzen Sommer lang nicht mehr im Witschen gesehen. Denn im Dorf grassierte das Gerücht, das ich ihnen für die Frechheit das Fell gerben wolle. Mein großer Bruder Ottfried, hatte mir aus seinen Betrieb einen gebrauchten Schlauch vom Vorderrad eines Traktors mitgebracht. Den nahmen wir als Schwimmreifen und ließen uns damit abwechselnd dem Fluss herunter treiben. Da der Reifen nicht für alle reichte, schwärmten die Kinder aus zu den Bauernhöfen und Betrieben, und wo es sonst noch alles Schläuche gab, wie in der LPG oder der MTS usw. bis alle einen Schlauch hatten. Wir banden sie zusammen und trieben damit der Apfelstädt herunter, bis zu dem großen Wehr. Hier verließen wir das Wasser und knoteten die Reifen auseinander, damit wir sie besser tragen konnten. Nun marschierten wir

 

 

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Im Gänsemarsch den schmalen Ratweg durch das Witschen wieder zum Ausgangspunkt zurück und wiederholten die Fahrt auf das neue. Das machte allen so viel Spaß, das sogar die Rot’s Bande mit fahren durfte ohne gefangen genommen zu werden. Wir hatten einen riesen großen Reifen eines Hinterrades besorgt und alberten damit herum. Da sich einige von uns beim Durchtauren am Ventile gekratzt hatten, Kamen wir auf die Idee aus der Deponie einen alten Einsatz eines Waschkessels zu holen, und stellten ihn hinein. Er passte genau, und nun konnte mann sogar fahren ohne dabei nass zu werden oder das die heraus stehenden Steine gegen den Hintern stießen. Das

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Gefiel Günter und er riss sich das Gefährt sofort unter dem Nagel. Ab sofort, konnte er mit seinen Sachen fahren. Aber am Wehr angekommen, wollte keiner seinen Kessel wieder mit nach oben tragen, denn wir hatten ja schon unsere reifen zu schleppen. Günter hatte die Kalensky Brüder so lange beschwatzt, bis sie ihn den Kessel, wieder nach oben getragen hatten. Als Gegenleistung wurden sie für den heutigen Tag in den Rang eines Oberleutnants erhoben. Dafür schleppten sie wie zwei Esel den ganzen Tag lang den Kessel durch das Witschen, bis ich ihnen sagte, sie sollen doch viel lieber einen Wagen nehmen. Sie besorgten einen und wir luden unsere Reifen auch noch mit auf und sie freuten sich, weil sie jetzt die Kommandogewalt hatten und den Zug anführen durften. So ging es den ganzen Tag lang, bis die beiden Kochleder gar waren und die Schnauze voll hatten. Nun gingen sie mit hängenden Ohren wie zwei Dackel nach hause, und waren sogar für ihr das Abendessen zu müde und gingen sofort schlafen. Müde waren wir auch alle, denn wir tobten den ganzen Tag wie die Wilden herum und konnten über Schlafmangel nicht klagen. Wir hockten uns vor unsere Zelte und zündeten wie gewöhnlich ein Lagerfeuer an. Diethelm Friedrich war mit seinen Bruder Wolfgang noch vorbeigekommen. Sie waren noch schwimmen und setzten sich dann auch noch mit an unser Lagerfeuer, wo wir gemeinsam Stockbrot und Speck in der Glut rösteten. Diethelm

 

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War etwas älter als wir, aber wir gingen öfters einmal zu ihm nach hause in die Gärtnerei um mit ihnen zu spielen. Er hatte immer wenig Zeit, denn er musste für sein alter, zusammen mit seinen Bruder schon mit richtig in der Gärtnerei mit anpacken. Die wenige Freizeit die ihnen blieb, verbrachten sie immer gerne mit uns im Witschen, doch das war leider viel zu selten. Sie hatten gerade ihr Stückchen Speck gegessen, da wurden sie auch schon wieder von ihrer Tante nach hause geholt. Rudi Großmann, hatte sich an unser Zeltlager herangeschlichen, und wollte uns durch irgendwelche Geräusche in Angst und Schrecken versetzen. Doch wir hatten ihn sofort bemerkt, und machten uns einen Spaß daraus, in dem

 

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Wir ihnen ein Theater vorspielten. Das Theater ging so lange bis wir keine Lust mehr hatten, und Günter rief in die Nacht, Rudi komm Morgen wieder, wir wollen schlafen. Da gab er sich zu erkennen und kam lachend hervor und setzte sich mit an unser Lagerfeuer und versuchte uns mit irgendwelchen Räuberpistolen in Angst zu versetzen. Er versuchte doch da wirklich uns einzureden, das es im Wichen Räuber gäbe, die nur nachts heraus kommen würden. Außer den Kalensky’s klaubte das sowieso keiner, und die waren nicht da. Am Himmel konnten wir ein Wetterleuchten beobachten. Wir lagen auf unsere Decke und sahen gegen den Himmel und bemerkten, dass ein Gewitter im Anzug war. Die Wolken zogen immer schneller vorüber und der Wind frischte etwas auf. Günter gab den Befehl, das wir unsere Habe in die Zeltsäcke verstauten und in der Zeltmitte an den Mittelpfahl banden, damit alles trocken bleiben würde. Denn mit Gewittern kannten wir uns schon gut aus. Es dauerte nicht mehr lange und ein Platzregen ging über dem Witschen herunter. Die Zelte wurden in Handumdrehen an allen Nähten undicht und das Wasser lief wie Biendfäden herunter. Es viel uns immer schwerer noch eine trockene Stelle zu finden. Draußen krachte es immer lauter, das Gewitter war bereits über uns und es goss wie aus Eimern, die Zelte, die in einer kleinen Senke standen, liefen voll mit Wasser. Rudi Großmann hatte sich auch bei uns untergestellt, denn er hatte auch keine

 

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Lust sich einen nassen Hintern zu holen. Der Verdammte Regen, wurde immer stärker und wir hatten das Gefühl, das, das Gewitter über uns stehen bleiben würde. Es knallte die halbe Nacht lang, und schüttete wie aus Eimern vom Himmel herunter. Gegen Morgen ließ es dann nach, da alles nass war, beschlossen wir nach hause zu gehen und uns am Vormittag wieder zu treffen. Die Sonne schien schon lange wieder heiß vom Himmel herunter, doch wir konnten nicht baden gehen, die Apfelstädt führte Hochwasser. Wir liefen am Ufer endlang und sammelten das noch brauchbare Treibgut ein. Günter fand eine silberne Schachtel, die er öffnete. Es befanden sich kleine runde Pillen im inneren der

 

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Schachtel. Er sagte, wer sich traut davon eine zu essen, der wird für heute Hauptmann. Ich nahm ein paar und schluckte sie herunter, während Günter die Schachtel vom Schmutz befreite und die Prägung im Blech lesen konnte. Da stand dass es ein Mittel gegen Schweinerotlaus war und wie die Pillen angewand werden mussten. Mir waren sie jedenfalls ganz gut bekommen und ich konnte die gesamte Truppe für den Rest des Tages herum kommandieren. Wir lachten jetzt wieder über die alten Geschichten, und bestellten uns bei der jungen Kellnerin noch etwas Kühles zu trinken. Günter öffnete seine Brieftasche und zeigte mir Bilder von seiner Familie und sagte, während er mit dem Finger auf ein Bild zeigte die haben mir schon so manche Freude gebracht. Ich sah die Bilder aufmerksam an und sagte, ich habe leider nichts dabei, ich muss mir auch einmal ein paar Bilder einstecken. Die Kellnerin teilte gerade die Speisekarten auf dem Tisch aus, als Günter sagte. Na wollen einmal sehen was es gutes gibt. Gute Idee, sagte ich und schaute auf die Uhr. Noch etwas zu früh zum Mittagessen, erwiderte Günter, und wir beschlossen, noch etwas zu warten. Günter musste wieder lachen, denn er hatte das Bild wieder vor sich, wie ich die Rotlauf Pillen geschluckt habe ohne nur einmal mit der Wimper zu zucken. Wir suchten damals das gesamte Ufer nach Treibgut ab, Da kamen irgendwelche Bälle die der Regen in die Apfelstädt gespült hatte angeschwommen und blieben schließlich irgendwo hängen. Da war ein richtiger

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Lederfußball dabei, Günter fischte ihn heraus und legte ihn zum trocknen in die Sonne. Jürgen Ritschel lief nach hause und besorgte von seinen Vater eine Dose mit Lederfett, womit Günter den Ball behandelte. Er sah wieder aus wie neu, und wir spielten in den nächsten Tagen Fußball, bis der Wasserstand in der Apfelstädt wieder normal war. Die Zelte waren alle wieder trocken und wir konnten sie wieder einräumen. Endlich konnten wir wieder campen, denn zuhause zu schlafen, machte nur den halben Spaß. Wir beobachteten die Frau Papst, wie sie ihre Ziegen zum grasen im Witschen anband und wieder nach hause ging. Günter streichelte sie und sagte dazu, fresst nur schön meine lieben, die Milch

 

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Brauchen wir heute Abend. Die Ziegen kamen gerade recht, denn Günter hatte schon seit langen ein paar Päckchen Puddingpulver in seiner Kochkiste. Wir lachten alle, weil der Spruch so lustig und locker über Günter’s Lippen kam. Ich erhielt sofort den Auftrag, den fehlenden Zucker von zuhause zu besorgen, und da ich keine zweihundert Meter weit weg wohnte, war es auch im Handumdrehen erledigt. Da der Pudding nicht ausreichte, dass wir alle davon satt werden könnten, beschlossen wir noch andere Dinge zu besorgen. Ein paar Jungs gingen nach hause und besorgten alles was wir sonst noch benötigten. Wir bereiteten die Feuerstelle zum Kochen vor und tummelten uns in den Fluten der Apfelstädt. Viola Hoffmann, ein Mädchen aus meiner Klasse, hatte eine Luftmatratze mitgebracht. Sie tummelte sich mit anderen Mädchen darauf und sie schwammen damit auf dem Badeloch hin und her. Das schien ihnen viel Spaß zu machen, so dass wir neidig wurden und ihr mit allen Mitteln die Luftmatratze abjagen wollten. Ich bestach sie mit ein paar Keksen und Wulf Walter, ein Junge aus dem Mitteldorf gab ihr ein paar Kirchen. Jetzt stritten wir uns um die Luftmatratze, bis Günter kam und sagte. Wenn zwei sich streiten, dann freut sich der dritte, er legte sich darauf und wir hatten das Nachsehen. Viola aber war es egal, wer darauf lag, sie hatte ja ihre Bezahlung schon verputzt. Langsam füllte sich wieder die beliebte Badestelle und es wurde so voll, das wir beschlossen uns an das Loch zurück zu ziehen. Das war eine Tiefe Stelle, die

 

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Bedeutend weiter unten lag und viel von den Kindern aus Apfelstädt benutzt wurde, obwohl sie noch auf der Wanderslebener Gemeindefläche lag. Aber wenn wir kamen, sahen sie immer gleich zu, damit sie Land gewinnen. Denn sie hatten da auch schon ihre Erfahrungen mit uns gemacht. Wir hatten sie schon des Öfteren gefangen genommen und zu irgendwelchen Arbeiten missbraucht. Einmal hatten wir an einen alten Stuhl, den wir aus dem Sperrmüll hatten ein paar Griffe angebaut, und sie mussten Günter den gesamten Nachmittag durch die Gegend schleppen wie ein paar Sänftenträger im Orient. Da es an diesen Tag sehr heiß, und Günter stark übergewichtig war, machte es ihnen doppelt so viel

 

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Spaß. Jetzt nahmen sie immer ihre Beine in die Hand, wenn sie uns nur vom weiten sahen. Da war der eine Junge, Bernhart Mundstock, an denen kann ich mich noch besonders gut erinnern. Er hatte immer eine große Klappe, wenn er etwas weiter weg war. Da wir das wussten, haben wir ihnen dem Weg abgeschnitten und ein paar Jungs von uns haben sich da versteckt, wo er vorbeikommen musste. Es war wie immer, als sie uns sahen, nahmen sie reis aus, und wo dann der nötige Zwischenraum geschaffen war, fing Mundstock wieder an mit seinen Schimpfkanonaden. Aber er hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht, er wurde gefangen und zu uns zurückgebracht. Damit er nicht wieder weglaufen konnte, habe ich ihn mit einem Strick gefesselt. Wir hatten schnell ein paar dicke Weitenäste abgeschnitten, die ich ihm kreuz und quer in den Rücken band, so das er jetzt wie ein Sägebock dastand und über seine Sünden nach dachte. Damit der Ärmste keinen Sonnenbrand bekommt, haben wir ihm mit allen Decken und Sachen eingewickelt die wir finden konnten. Er sah aus wie eine Vogelscheuche mit der Lederhose auf dem Kopf, bereits nach kurzer Zeit, schwitzte seine Bosheiten aus dem Leib, und um Buße zu tun, steckte ich ihm heimlich ein paar rote Armeisen in sein Genick und schüttelte ihn, bis sie tief im Hemd verschwunden waren. Nun kamen wir noch auf die Idee im an den Füßen zu kitzel bis er nicht mehr wusste ob er lachen oder schreien sollte. Da er immer noch die große Klappe hatte, trohde ich ihnen an, das

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Ich ihm am Scheiderhaufen grillen würde. Doch der war immer noch der Meinung, dass ich mir es nicht trauen würde. Stimmte sogar irgendwie, denn bei der Hitze hatte keiner von uns Lust Holz zu schleppen. Ein paar Zigaretten mussten es auch tun. Wir rauchten sie bis zur hälfte auf, und den Rest mit der Glut klemmte ich ihn zwischen seine Zehen, schon nach kurzer Zeit bereute er alles am Kreuz und strampelte mit dem Füßen, als ob er Fahrrad fahren wollte. Wir bekugelten uns vor lauter lachen über diesen Idioten, bis Günter kam und ihm eine Flasche Wasser über die Füße goss und ihn befreite. Günter der Spielverderber wollte ihn nach hause schicken, doch als er wieder weit genug entfernt war, begann er

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Wieder mit seiner Schimpferei und hatte die selbe große Klappe wie immer. Aber Günter kam auch nicht aus Dummsdorf und hatte diese Möglichkeit mit bedacht und vorsorglich wieder Posten eingeteilt, die ihm wieder zurück brachten. Nun bekam der die erforderlichen Backpfeifen die er brauchte um unseren Bandenchef gebührend zu respektieren, und wir bekamen die Erlaubnis ihm in den Hintern zu treten, bis er wieder auf Apfelstädter Gebiet war. In den kommenden Monaten, tat Bernhart alles dafür um mein Lieblingsfeind zu werden, was ich ihm auch mit dutzenden Schlägen, und Tritten vergalt. Wir tobten im Wasser herum und hatten wie immer unseren Spaß, bis der Hunger uns wieder einholte und zu unseren Zelten zurückführte. Kalensky bekam den Auftrag die Ziegen zu melken, da er scharf auf Pudding war, gab es auch keine Wiederrede. Er nahm den Eimer und seinen kleinen Bruder Mathias und sie machten sich gemeinsam auf den Weg. Sie Konnten ja nicht wissen, dass Papstens Linda die Ziegen vor ein paar Minuten bereits gemolken hatte, und nur noch der alte Ziegenbock im Witschen stand. Gerhart setzte sich daneben und wollte mit dem Melken beginnen, doch der Ziegenbock verdrehte die Augen und machte einen Satz nach vorn und riss dabei den Pfeiler aus der Erde, wo er daran befestigt war. Gerhart, der noch mehr als der Bock erschrocken war, viel auf den Hintern und sein kleiner Bruder lief schreiend davon. Der alte Ziegenbock aber drehte sich um und schaute ihn hufscharrend in die Augen,

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Bevor er wieder mit Volldampf auf Gerhart zurannte Und dabei bedrohlich laut aus seinen Nasenlöchern schnaubte. Gerhart rannte wie ein angestochener bei der Frau Papst quer durch das Gurkenfeld und kam dabei zu Fall. Doch der Ziegenbock war zum Glück nach hause in seinen Stall gerannt und knapperte jetzt friedlich an seinen Grünfutter. Gerhart hin gegen hatte ab sofort den Spitznamen Gurkenbock, den hatte er sich regelrecht verdient und er trug ihn mit Stolz. Es war zwar dumm den alten Ziegenbock in die Klöten zu packen, aber für uns hatte es einen sehr hohen Unterhaltungswert. Da es nun keinen Pudding gab, beschlossen wir noch etwas mit dem Ball zu spielen. Wir teilten die Jungs in zwei

 

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Mannschaften auf, dachten uns zwei Tore, und begannen mit dem Spiel. Wir tollten und tobten wie die Wilden durcheinander, bis ein paar große Jungs kamen und anfingen uns zu ärgern. Der eine hieß Reiner Brauer und war fast doppelt so groß und alt wie ich. Er wollte uns den Ball wegnehmen und ihn mit nach hause nehmen. Er hatte gehört, dass wir ihn bei dem Hochwasser gefunden haben, und nun behauptete er, es sei sein Ball. Da Günter der größte von uns war. Wollte er ihn verprügeln, er nahm ihn in den Schwitzkasten und legte sich mit seinen gesamten Gewicht auf Günter, so das er kaum noch Luft bekam und sagte Immer, wen ist der Ball. Das konnte ich nicht mit ansehen und riss den Torpfosten aus der Erde und schlug mit voller Wucht auf den Jungen ein. Ich erwischte ihn schon mit dem ersten Schlag so hart, das er Günter losließ und sich for lauter Schmerzen auf die Seite rollte und jammernd wie ein altes Marktweib liegen blieb. Der eine Schlag, war genug und ich konnte den Torpfosten wieder an seinen angestammten Platz stellen. Reiner hingegen suchte mit seinen Kumpels das Weite, und sie stützten ihn beim gehen, denn er jammerte noch immer wie ein geprügelter Hund. Günter hingegen hatte zu erst gar nicht mitbekommen, was vorgefallen war. Er saß da und bewunderte seine Faust und sagte, so hart habe ich doch gar nicht zugeschlagen. Brauer traute sich nicht einen Rachefeldzug gegen mich zu starten, denn mein Großer Bruder war ein Boxer der

 

 

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Schon so manche Meisterschaft gewonnen hatte und mit seinen Freund Wolfram Thron im Ort seit kurzen eine Boxschule leitete. Das flößte ihnen den nötigen Respekt ein, und außerdem wollte er doch bestimmt nicht noch einmal von meinen Knüppel kosten. Nach dem Zwischenfall, gingen wir wieder baden und ärgerten zwei Mädchen aus der Nachbarschaft, Marlis Klein und Christel Held. Die beiden hatten uns bei meiner Klassenlehrerin Frau Lenz verpetzt, weil wir geraucht hatten. Deswegen machten wir ihnen wieder einmal Hagebuttenhärchen in die Schlüpfer und lachten uns krumm und schief wie sie sich ständig zwischen den Beinen jucken mussten. Der

 

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Trick war zwar Uralt, kam aber immer wieder gut an. Sie wussten genau das es jemand von uns war, aber wer, das konnten sie zum Glück nie beweisen, als stempelten sie mich einfach zum Sündenbock ab und hatten ausnahmsweise auch einmal Recht damit. Im Witschen hatten sich die Großen Jungs wieder Eingenistet und ein großes Zelt aufgestellt, sie wollten eine Feier machen. Da standen bereits ein Fass mit Bier und ein Grill. Erich Block, was der große Bruder von Herbert war, den wir Blocki nannten, sammelte mit Rudi Großmann und Rolf Merten Brennholz für das Lagerfeuer. Wir wussten genau, wenn wir lange genug am Ball bleiben würden, dann würde wieder genug für uns mit abfallen. Die Jungs brachten immer mehr mit als sie essen oder trinken konnten. So belagerten wir sie, bis sie etwas heraus rückten. Da sie ihre Freundinnen für den Abend dort hin bestellte hatte, waren wir ihnen im Weg. Rudi und Erich gaben uns was wir nur wollten, die Hauptsache war, dass wir wieder verschwanden. Was wir nach Speis und Trank auch taten und uns in unsere eigenen Zelte wieder zurück zogen, bis uns am Morgen der Hunger wieder eingeholte hatte, und wir uns die Reste auch noch holten. Die Jungs waren alle in der Nacht nach hause gegangen und das Bierfass war noch halb voll. Also feierten wir für sie weiter und zum Mittagessen war das Fass leer und wir schliefen alle da wo wir gerade umgefallen waren. Als die großen am Nachmittag kamen und alles wieder abbauen wollten, lachten sie sich kaputt über uns, die

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Keinen Tropfen vertrugen. Ja so war das Damals. Günter lachte und schaute wieder aus seine goldene Tascheuhr, jetzt habe ich aber Hunger, sagte er und winkte nach der jungen Kellnerin. Wir bestellten uns eine Rinderroulade mit Rotkohl und echten Thüringer Klößen. Wir aasen in aller Ruhe und genossen das schöne Wetter, es war ein wunderschöner Tag und es tat verdammt gut mit einen alten Freund über unsere Kindheit zu reden. Ich denke noch daran, wie wir eine Seilbahn über die Apfelstädt gebaut haben. Günter hatte damals die Idee. Da er zu faul war sich jedes Mal die Schuhe auszuziehen, wenn wir über die Apfelstädt setzten wollte. Da war ja noch der alte Waschkesseleinsatz mit dem Traktorreifen. Da die Apfelstädt

 

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Niedrigwasser führte, war das Ding nutzlos, und wir kamen auf die Idee ein paar alte Reste eine Wäscheleine anzubinden. Günter setzte sich hinein und wir wollten ihn an das andere Ufer ziehen. Mit einen Ruck, zogen wir wie die Stiere, und der Kessel kippte um und Günter lag so lang er war mit seinen Sachen in der Apfelstädt. Wir konnten nicht mehr vor lauter lachen, Günter da gen war, wütend weil wir ihn noch auslachten und jagte uns mit einen Stock zu Teufel, bis wir mit dem Gelächter aufhörten. Das müssen wir anders anfangen, sagte er während ehr, seine Sachen am Feuer trocknete. Mit einem Stock, kratzte er eine Zeichnung in den schmalen Kiesweg am Badeloch. Da sah alles ganz einfach aus, hüben und trüben ein Baum, ein Seil dazwischen gespannt, und den Kessel an den Griffen hindurchgefädelt. Am anderen Tag brachten wir alles mit was wir an Stricke, Seilen und Schnuren gefunden hatten, knoteten es aneinander. Als wir das eine Ende auf die andere Uferseite brachten, bemerkten wir, dass der Wasserstand wieder beträchtlich zugenommen hatte. Wulf Walter Band es mit Blocki an einen Baum auf der anderen Seite fest. Wir hatten wie geplant das Seil durch die Griffe gefädelt und zwei lange Stricke daran befestigt, womit wir den Kessel mit Leichtigkeit hin und her ziehen konnten. Nun sollte der Probelauf stattfinden. Günter setzte sich hinein und wir begannen wieder daran zu ziehen. Langsam rutschte der Kessel über die Apfelstädt, bis er am Tiefpunkt des Seiles angekommen war und in mitten

 

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Des Flusses stecken blieb. Da wir nur alten morschen Lotenstrick zum ziehen hatten, war es kein Wunder das er zerriss wie Zwirn. Das Hauptseil dehnte sich unter der Last immer weiter nach unten bis der Kessel im Wasser hing und die ersten Wellen hinein schwappten. Günter schrie, holt mich hier raus. Aber wir bekamen alle Lachkrämpfe und konnten uns nicht wieder einkriegen, so toll haben wir damals über seine missliche Lage gelacht. Danach machten wir wie üblich wieder ein Lagerfeuer, damit er seine nassen Sachen wieder trocknen konnte. Aber von der Seilbahn hatte er endgültig die Schnauze voll, und wir nutzten lieber einen Baum, der etwas weiter unterhalb umgefallen war und quer

 

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Über die Apfelstädt lag. Der Baum musste erst vor kurzen umgefallen sein, denn die Rot’s Bande wusste noch nichts davon. So konnten wir einen Überraschungsangriff starten und Frank Trott gefangen nehmen. Er wurde wie üblich gefesselt und musste für uns Steine in der Apfelstädt stapeln, damit wir mit trockenen Füßen den Fluss überqueren konnten. Nach alter Sitte, wurde er noch mit Brennnesseln gegeißelt und verspottet bevor er wieder nach hause entlassen wurde. Am Abend kam sein Vater wieder zu uns, um sich über mich zu beschweren. Als ich wieder nach hause kam, gerbte mir meine Oma wieder das Fell und ich hatte wieder neue Wut und einen neuen Grund Trotti wieder aufzulauern, wenn er gerade nicht aufpasste und sich von mir wieder allein erwischen ließ. In den nächsten Tagen verlief alles wie gehabt, wir spielten den Weibern wieder so manchen Streich oder klauten heimlich ihre Süßigkeiten. Gerhart Walter, ein Junge aus dem Unterdorf, der gelegentlich mit uns spielte, kam mit Bernd Merten, den wir Ettetz nannten, mit einen Beutel Kornäpfel in das Witschen, sie verteilten sie unter uns, und waren da für die nächsten Tage in die Bande aufgenommen. Sie hatten beide wenig Freizeit, da sie zuhause schon ihre Aufgaben hatten. Sie sagten, dass der Lutz Ruppert aus dem Oberdorf hier herum spionieren würde. Nur Spione, die alles auskundschaften und unsere Hütten zerstörten, wenn wir gerade nicht da waren, konnten wir nicht leiten. Darum ließen wir ihnen nicht aus den Augen. Er

 

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Fühlte sich beobachtet und suchte wieder das weite. In den kommenden Tagen, häuften sich seine Spionageübergriffe und wir nahmen ihn gefangen. Ich wollte ihn gerade mit einen brennenden Stock, einen peinlichen Verhör unterziehen. Als er begann von sich aus alles zu gestehen, was wir hören wollten. Günter war noch nicht da, also führte ich den Vorsitz des Ehrenwerden Gerichtes. Die Sachlage war klar, er hatte ja seine Schuld eingestanden. Und Spione wurden in jeden Film gehängt, also musste das Urteil auch bei uns hängen heißen. Andere waren der Meinung, dass er das Recht auf ein Gottesurteil habe. Wir hatten einmahl in einen Film gesehen wie so etwas gemacht wurde. Wenn man ihn

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In das wasser schmeißen würde, und er würde oben schwimmen, so stände er mit dem Bösen im Bunde und musste auf jeden Fall gehängt werde. Sollte er aber untergehen, so währe er rein und musste frei von jeder Strafe gesprochen werden. Gottesurteil, so ein Blödsinn, das ist doch nur was für Leute die ihre Unschuld beweisen wollen, aber, der Angeklagte hat ja bereits seine Schult eingestanden. Da sich das Gericht noch im Zweifel befand, und weil es im Zweifel für den angeklagten hieß, warteten wir bis Günter kam und das Urteil überprüfen würde. Lutz stand nach wie vor unter dem Weisdornbusch mit der Schlinge um den Hals auf einer alten Gemüsekiste, und wir gingen so lange baden bis Günter kam. Doch der erwies sich wieder einmal mehr als Spielverderber und ließ ihn Straffrei laufen. Und schimpfte mit uns, weil wir ihnen mit dem Strick um den Hals alleingelassen hatten. Wer weis ob das Morsche Zeug überhaut gehalten hätte, murmelte ich enttäuschst und kroch in mein Zelt zurück. Aber Ruppert hatte nichts anderes zu tun, wie uns zu verpetzen und ich bekam wieder von meiner Oma das, Fell durchgegerbt bis ich wieder grün und blau war. In den Kommenden Tagen, hatte ich Hausarrest und durfte zu hause den Kohlenschuppen vom Treck befreien und den gesamten Hof aufräumen, Früh und abends musste ich Gießwasser in den Garten schleppen bis mir die Schwarte krachte, und das alles wegen den Verräter. Ich beschloss ihn irgendwo aufzulauern, um ihnen alles heimzuzahlen. Das

 

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Konnte ich nicht auf mir sitzen lassen, der Spioniert, und ich bekomme die Strafe. Ich hatte mir einen Strick aus Osse’s Kälberstall besorgt und eine schöne Hängerschlinge mit elf Windungen hinein geknotet. Diesen Strick, verstaute ich in meinen Schulranzen, mann konnte ja nie wissen. Leider habe ich den Fehler gemacht und den Strick Volbrecht Baumgarten gezeigt, der den verdammten Ruppert warnte, so das er nicht mehr aus dem Haus ging, bis genügend Wasser dem Mühlrad herunter geflossen ist. Bis dahin ließ er sich täglich von der Schule abholen oder bringen. In einer Pause, konnte ich ihn in einer Ecke stellen, und er sagte zu mir, dass er nicht spionieren wollte, sondern er wollte mit uns mit

 

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Spielen. Was er ja auch irgendwie gemacht hatte, er wusste es nur nicht. In den kommenden Tagen, brachte er immer Süßigkeiten mit, und erkaufte sich unsere Freundschaft. Wir spielten noch öfters zusammen, aber meisten bekam er für unsere Art zu spielen von seinen Eltern den Arsch gebatscht, weil sie unsere Art Humor nicht teilen wollten, durfte er nicht mit uns spielen und wenn er es doch tat, ging es ihnen meist schlecht. So nach und nach verging ihnen die Lust mit uns zu spielen und er kam nicht mehr. Wir schlichen wieder durch das Witschen und beobachteten unsere Umgebung genau. Volle Deckung, rief Günter. Wir schmissen uns auf den Boden und versuchten heraus zu bekommen, was er gesehen hatte.Da schlich Hajo Willing mit einem Sack durch das Witschen, er war wieder damit beschäftigt die Nester der Wildenden auszurauben. Er stahl ihnen die Eier und steckte sie zuhause in den Brutkasten, um die kleinen Enden für sich aufzuziehen. Jeden Tag, kam er zu dieser Jahreszeit, in das Witschen und kontrollierte den Flussrand, wo er Nester ausmachen konnte, legte er eine Markierung an und schaute jeden Tag nach, ob die Enten schon gelegt hatten. Ihm war nichts heilig, im Jahr zuvor hatte er sogar Krähennester ausgenommen um die Eier ausbrüten zu lassen. Den kleinen Krähen, beschnitt er immer die Flügel, damit sie nicht wegfliegen konnten. Dann hielt er sie wie Hühner auf dem Hof. Einmal hatten wir ein Gespräch zwischen zwei Erwachsenen belauscht, wir hörten, wie der eine Sagte. Krähen sind

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Ein altes Diebesgesindel, sie klauen einfach alles was in der Sonne glänzt. Weiterhin konnten wir hören, wie sie sagten, die Krähen kann man zähmen und abrichten damit sie anderen Leuten die Wertsachen klauen, und einen bringen. Ah, der verdammte Hajo, sagte Günter, aber was der kann, können wir auch. Nun machten wir uns daran, Krähen Nester zu suchen. Es dauerte nicht lange und wir hatten einige Nester ausgemacht. Doch leider waren die alle auf sehr hohen Pappeln in den Kronen angebracht, und sie waren deshalb für uns unerreichbar. Günter hatte wie immer die rettende Idee, wenn wir schon nicht auf die Pappeln kommen, warum denn nicht einfach eine Krähe bei Hajo auf dem Hof

 

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Wegholen? Dort wohnte mein Onkel Hilmar, und dessen Kinder Klaus und Monika, besuchten wir öfters. Immer hin waren wir ja mit einander verwandt und Tante Eveline behandelte uns immer sehr gut. Wir bekamen Kuchen oder andere Süßigkeiten. Nun machten wir einen Plan, wie wir die Krähe weglocken konnten, denn sie ließ sich nicht von jedem anfassen, was für uns ein Zeichen für eine gute Dressur war. Auf dem Grundstück, wohnte auch noch die Familie Ritschel, deren Sohn Jürgen, ging mit mir, in dieselbe Klasse, und wir hatten schon öfters zusammen auf dem Hof gespielt. Sein großer Bruder Günter, hatte einen Schäferhund, den er selbst abgerichtet hatte. Er hörte auf das Wort wenn Günter ein Kommando gab und führte es sofort aus. Wahrscheinlich hatte sich Hajo hier abgeschaut wie mann Tiere abrichtet und tat es jetzt mit den Krähen. Wir beschlossen, dass ich die Krähe holen sollte, denn ich würde am wenigsten auf dem Grundstück auffallen. Die anderen versteckten sich alle am Ortsausgang hinter einer alten Feldscheune. Von Jürgen wusste ich, dass er mit seinen Eltern nach Gotha gefahren war, und bei meinen Onkel, war um die Uhrzeit auch nie jemand zuhause. Ich ging hin und öffnete das schwere Eisentor wie immer. Da es nie von irgendjemand geölt wurde, quietschte es laut. Da saß der alte Otto Baumgarten vor der Kellertür und schlug mit einem Wehrmachtsbajonet das Kraut von den Rüben ab, wie es aussah, wollte er sie einkellern. Die Krähe saß auf dem großen Misthaufen, der in mitten des Hofes war

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Und krächzte mich mit heiserer Stimme an. Na wo willst du denn hin, fragte mich Otto? Ich will zu Jürgen, antwortete ich kleinlaut. Der ist aber nicht da, ich weiß auch nicht wann sie wieder kommen, sagte der alte Herr Baumgarten. Das macht nichts, sagte ich und setzte mich mit zu ihm auf die Kellertreppe und beobachtete die Krähe. Sie sprang lustig auf dem Misthaufen hin und her, krächzte fröhlich und verputzte Würmer und Maden. Wie kriege ich nur das Vieh, machte ich mir meine Gedanken. Ich griff in meine Tasche, holte mein letztes kleingeld heraus um zu überprüfen ob es noch für eine Eistüte bei Kohls reicht. Leider fehlten mir zwei Pfennig, doch ich zählte noch einmal, aber es

 

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Wurde nicht mehr. Während ich so da saß und meine Finanzen überprüfte, kam die Krähe angesprungen und pickte sich einen Fünfer aus meiner Hand und verschwand damit pfeilschnell in der Scheune. Erschrocken sprang ich auf und rannte den schwarzen Vieh hinter her, doch ich konnte von dem hellen Hof nicht in die dunkle Scheune schauen und verlor den Vogel aus den Augen. So ein Klauschwein, schimpfte ich und mein Traum vom Eis platzte wie eine Seifenblase. Da der alte Baumgarten noch stundenlang mit seinen Rüben zu tun hatte, machte es keinen Sinn mehr für mich noch länger zu warten, denn bald würden die anderen alle von der Arbeit nach hause kommen, und dann wäre es sowieso unmöglich. Ich ging zum Dorfende, wo die alte Feldscheune stand, aber da war keiner. Also beschloss ich erst einmahl nach hause zu gehen um mir ein Ordentliches Brot nach Winnys Art zu schmieren. Da zwischen mir und mein Zuhause der verfluchte Mühlgraben lag, hatte ich wieder einen Umweg vor mir. Um die Uhrzeit war Onkel Theo und auch die anderen zuhause und sie würden mich wider jagen wie eine räudigen Köter, Also beschloss ich gleich hinter Osses Grundstück über den Graben zu springen, das hatte ich schon einmal geschafft. Ich musste durch die Weißdornbüsche gehen und dann einen kurzen aber steilen Hang herunter. Und schon stand ich am Rande des Mühlgrabens. Auf der anderen Seite musste ich wieder den steilen Hang hoch und wieder durch ein paar Weißdornbüsche, und

 

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Schon war ich auf unseren Grundstück. Am Mühlgraben angelangt, kam der mir irgendwie breiter vor als sonst, ich versuchte so viel wie möglich Schwung zu nehmen, und blieb mit den Füßen an einer Wurzel hängen. Und nun nahm das Schicksal seinen Lauf. Ich flog so lang wie ich war in den Mühlgraben, und mit dem Gesicht, schlug ich in der nähe des Ufers, da wo der Schlamm am dicksten war auf. Da die Abwässer des gesamten Dorfes in den Mühlgraben geleitet wurden, war es natürlich stinkender Klärschlamm, den ich gerade zu fressen bekam. Ich sah aus wie ein Schwein, und traute mich nicht so nach hause zugehen. Also beschloss ich schnell zur Apfelstädt zu laufen,

 

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Was keine hundert Meter weit war, um mir dort den stinkenden Schlamm aus dem Gesicht zu waschen und um meine Kleider davon zu säubern. Ich rannte den schmalen Weg endlang, der zur Apfelstädt führte und stieß mit Papstens Linda zusammen. Erschrocken schaute ich nach oben und dachte, wo kommt die denn plötzlich her, denn ich hatte sie nicht gesehen. Natürlich hatte ich sie ausversehen umarmt und sie mit dem stinkenden Klärschlamm eingesaut. Pfui Teufel was ist den dass für ein Pestilenzartiger Gestank, schrie sie mich an und begann sich zu übergeben. Ich rannte weiter bis in die Apfelstädt und tauchte an einer etwas tieferen stelle unter und rubbelte mir den Schlamm vom Leib, ich zog meine Sachen alle aus und schruppte sie auf den Kieselsteinen am Ufer. Als ich alles getrocknet hatte, zog ich die Sachen wieder an. Obwohl meine Sachen jetzt wieder sauber waren, stanken sie wie ein Wiedehopf, Als ich nach hause kam und meine Mutter das roch, gab sie mir sofort andere Sachen, und meine Schwester Freya durfte die Stinkklamotten waschen. Da sie gerade mit ihrer Freundin weg wollte, hatte sie eine riesen Wut auf mich. Sie stand im Hof am Waschtrog und schruppte meine Sachen. Günter und die anderen kamen gerade an um mich abzuholen, als ich mit meinen spezial Doppeldeckerbrot aus dem Haus kam. Ich hatte mehrere scheiben Brot mit den verschiedensten Belägen übereinander gestapelt, und so kam erst eine Scheibe mit Leberwurst und danach eine mit Senf,

 

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Dann mit Marmelade und zum Schluss noch eine mit Fisch in Tomatensoße. Als das meine Schwester sah, sagte sie.ih, das schmeckt doch gar nicht, da muss noch Sahne drauf und machte mir eine große Hand voll Seifenschaum auf mein leckeres Brot, in der Hoffnung, das ich es jetzt wegwerfen würde. Aber ich aas es auf und holte mir noch eine zusätzliche Portion Seifenschaum und verlangte stets nach mehr. Nun war sie es die sich ärgerte weil ihr Plan nicht aufgegangen war und sie weiter Wäsche schruppen musste und ich ging mit Günter und den anderen wieder in das Witschen Ich erzählte ihn, das es heute unmöglich war die Krähe zu fangen, und berichtete davon, das sie mir

 

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Geld gestohlen hatte. Günter sagte, du musst unbedingt herausbekommen wo sie ihr Nest hat und alles hinbringt, dann brauchen wir den dummen Vogel nicht, sondern wir jagen ihn immer seine Beute ab. Als wir auf den Weg in das Witschen waren, begegneten wir Papstens Linda mit ihren Mann, sie war noch so verwirrt, das sie nur von einen Ungeheuer sprach, was sie überfallen habe und sie über und über mit Schlamm beschmierte. Natürlich mussten wir alle lachen, ein Ungeheuer, so ein Blödsinn. Das war ich, sie hatte mich nur nicht erkennen können unter der Schlammschicht, doch sie hätte es noch riechen können, denn ich stank immer noch wie ein Puma, obwohl ich das gesamte Kölnisch Wasser meiner Mutter verbraucht hatte. Nun gingen wir wieder zum Badeloch und tobten wie immer herum. Am kommenden Tag war ich wieder bei meinen Onkel auf dem Hof und beobachtete die Krähe. Ich legte einen blanken Pfennig aus um sie anzulocken, sie schaute auf den Pfennig und tat als ob nichts währe. Als ich nach einer Zeit unachtsam wurde, und wo anders hinschaute, kam sie unbemerkt und holte das Geld. Als ich mich nach einer bestimmten Zeit wieder herumdrehte, sah ich sie nur noch aus der Scheune kommen und bemerkte, dass der Pfennig weg war. Ich legte den nächsten Pfennig aus und versteckte mich bei meinen Onkel im Faradschuppen und schaute durch die Latten. Der blöde Vogel saß auf seinen Misthaufen und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Nun kam Jürgen nach

 

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Hause und fragte ob ich mit ihnen spielen wolle. Natürlich wollte ich und wir holten sein Spielzeug heraus in den Hof. Als ich nachsah, war das Geld wieder weg und die Krähe saß auf ihren Misthaufen und krächzte lustig vor sich hin und tat als ob sie kein Wässerchen trüben könne, dabei schien sie es Faustdick hinter den Ohren zu haben. Mein Geld war jetzt alle und ich musste mein Vorhaben für heute aufgeben.Ich spielte noch ein Weilchen mit Jürgen und ging dann zurück in das Witschen wo die anderen auf mich warteten um neues über Hajos Krähe zu erfahren. Ich berichtete, wie mich dieser raffinierte Vogel überlistet hatte und das mein Geld alle war um ihn weiter an zu Kötern, Günter sagte, hättest du etwas anders

 

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Genommen, ZB. Silberpapier oder Flaschenverschlüsse, dann wäre es dir vielleicht gelungen hinter sein Geheimnis zugekommen. Alle sammelten jetzt ihre Pfennige zusammen und gaben sie mir, denn ich sollte am kommenden Tag wieder hin. Wir gingen noch etwas baden und tobten im Wasser herum, Günter hatte wieder für alle gekocht und wir genossen unser Abendessen zusammen. Doch am kommenden Tag, saß ich wieder neben den stinkenden Misthaufen und beobachtete die Krähe. Warte nur, dich scheiß ich an, sagte ich mir und legte ein paar Stückchen Silberpapier aus. Der Vogel saß auf seinen Mist und würdigte den Papier keinen Blick. Ich sagte, warte nur mein Freund, du fühlst dich wohl beobachtet und versteckte mich wieder in dem Faradschuppen, ich beobachtet den dummen Vogel die gesamte Zeit lang, doch der dachte nicht im Traum daran sich etwas von dem Papier zu holen. Nach einer Weile, sammelte ich alles wieder ein und legte Kronkorken von Bierflachen hin und versuchte mein Glück auf das neue. Ich stand in dem Schuppen und schaute pausenlos durch die Ritze zwischen den Brettern, doch der Vogel interessierte sich nicht für die Kronkorken. So ein Mist, dachte ich und sammelte auch die wieder ein und legte einen Pfennig hin und ging zum Schuppen zurück. Als ich durch die Ritze sah, war der Pfennig schon verschwunden und die verdammte Krähe kam wieder Krächzend aus der alten Scheune. Verdammtes Mistvieh, schimpfte ich vor mich hin und schlich mich wieder in die Scheune,

 

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Hier irgendwo musste sie doch alles hinlegen. Ich suchte den gesamten Nachmittag die Scheune ab, bis ich auf dem Hof die Stimme meines Onkels und die von Baumgartens Otto hörte. Nun wurde es Zeit zu verschwinden. Die Scheune hatte eine Tür zum Garten, der hinter dem Haus lag und von einer alten schon halbeigefallener Mauer umgeben wurde. Hier suchte ich das weite und kam von vorn wieder herein und tat als sei ich jetzt gerade erst gekommen. Nun kam auch Jürgen wieder, und wir spielten zusammen, bis zum Abend. Ich beobachtete nebenbei die alte raffinierte Krähe und passte genau auf wo sie alles hinflog. Am Abend durfte ich mit bei Ritschels

 

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Zu Abend essen und mit Jürgen Fernsehen, bevor mich Herr Ritschel dann am Abend nach hause brachte. In den kommenden Tagen war ich noch oft hier um die Krähe auszuspionieren, doch das verdammte Mistvieh gab ihr Geheimnis nicht preis. Im Witschen war es nun soweit, die Jungvögel verließen ihre Nester und machten die ersten Flugversuche. Günter sagte zu uns, lass uns nachsehen, ob die Krähen oder Raben schon ihre Nester verlassen, und wir welche fangen können. Wir verteilten uns im Witschen, überall da wo wir die Nester in den Bäumen ausgemacht hatten und beobachteten sie. Ich hatte das alte Fernglas meines Opas zu hause geholt, damit ich die Nester besser im Auge hatte. Weil mein Fernglas aber nicht für alle reichte, bastelte Günter schnell aus ein paar alten Rohren, die er im Sperrmüll gefunden hatte. Wenn man hindurch sah, sah man auch nicht besser oder mehr. Aber es schränkte das Sehfeld ein und mann hatte wirklich nur noch den Blick zum Vogelnest und wurde von nichts anderen mehr abgelenkt. Aber auch dass reichte nicht für alle, also mussten die anderen ihre Hände so halten, als wenn sie durch ein Fernglas sehen würden und sich einbilden sie hätten eins. So verbrachten wir die Zeit ohne aber nur eine einzige Krähe zu sehen. Günter kam wieder vom Sperrmüll und brachte einen alten Vogelkäfig mit, den er gerade an allen Ecken und Kanten mit Kupferdraht was er wiederum aus einem Lautsprecher hatte, flickte. Ich lag unter dem Baum und sah mit

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Dem Fernglas in das Nest hinauf, aber nichts tat sich, also schaute ich in die Runde, ob irgendwo anders etwas zu sehen sei. Hier und da sprangen junge Spatzen oder Amseln herum. Als ich weiter weg sah, musste ich mit ansehen, wie unser Kater die kleinen Vögel fing und auffressen wollte. Böser Mautzer, sagte ich und fing ihn ein. Ich trug ihn auf der Schulter nach hause und sperrte ihn im Haus ein. Doch es dauerte nicht lange, da war er wieder da und fing die nächsten kleinen Spatzen. Warte nur du Sauhund, sagte ich und fing den Kater wieder ein, nur diesmal sperrte ich ihn in den Vogelkäfig, da konnte der böse Kerl von den kleinen

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Vögeln träumen. So verging der Tag im nu, und wir hatten keine einzige Krähe gesehen. Als mich meine Mutter rief, weil es zeit für das Abendbrot war, befreite ich den Kater aus seiner Zelle und trug ihn auf der Schulter nach hause. Auf halben Weg, begegnete ich unseren Nachbarn Horst Ullrich. Wieso trägst du den faulen Kater spazieren, sagte er zu mir, lass den faulen Hund laufen, für diesen Zweck hat er vom lieben Gott seine Beine bekommen. Ich erzählte ihnen dass der Kater die kleinen Spatzen holen wollte, und ich ihn deshalb jetzt festhalten würde. Spatzen sind Schädlinge, sagte Horst, die bringen keinen Nutzen, die darf er holen. Es gibt sowieso viel zu viele davon. Da müsste er eigentlich für jeden gefressenen Spatzen einen Orden bekommen. In diesem Jahr hatten wir eine wahre Spatzenplage, die in den Gärten, die Sad schneller wieder herausgefressen hatte, als sie von den Gärtnern eingebracht wurde. Aus diesem Grund ging ein Aufruf durch das Dorf, Jagt die Spatzen, wo immer ihr sie seht. Von der Regierung wurden sie für Jedermann zum Abschuss freigegeben und eine Abschussprämie von 50 Pf. Pro Stück festgelegt. Man musste die abgeschossenen Vögel sammeln und vorlegen, dann lies der Bürgermeister das Geld auszahlen. Schon nach wenigen Tagen, war die alte Ordnung wieder hergestellt und die Jagt wurde wieder eingestellt. Denn zu dieser Zeit, gab es kein Haushalt auf dem Dorf, der nicht über wenigsten ein Luftgewehr verfügte. Durch diesen ganzen Rommel,

 

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Hatten wie es verpasst, die Krähen zum richtigen Zeitpunkt auf zu lauern und einzufangen. Als ich Früh zur Schule gehen wollte, sah ich im Witschen eine Rauchsäule aufsteigen. Das ließ mir keine Ruhe, wer macht denn da am frühen Morgen schon ein Feuer im Witschen. Ich schlich hin und sah meinen Nachbarn Hermann Montag, wie er in einer holen Weite alte Klamotten verbrannte. Ich zog mich Zurück und ging in die Schule, wo ich natürlich wieder zu Spät kam und von unseren Klassenlehrer Herr Schiller gerügt wurde. In der großen Hofpause muste ich alles Günter brühwarm erzählen, und wir beschlossen am Nachmittag nachzusehen. Zum Unterrichtsschluss, rannte ich schnell in den

 

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Speiseraum der Schulspeisung, wo Günter um die Zeit immer zu finden war, und holte ihn ab. Er wohnte auf halben Wege und tat sein Schulranzen nach hause und zog sich um, wie es damals bei uns üblich war. Die ältesten Sachen, zogen wir im Witschen an, denn da ging immer einiges entzwei. Als wir bei mir angekommen waren, zog auch ich mich schnell um. Ich schlüpfte in mein Räuberzivil, und wir machten uns sofort auf dem Weg, als wir an der bewussten Stelle ankamen, qualmten da noch immer alte Lumpen. Mit einen Stock zogen wir sie aus der holen Weide und tauchten sie in den Mühlgraben, um sie zu löschen. Mir vielen sofort die Knöpfe und Abzeichen so wie die Schulterstücke daran auf. Da für uns eine Uniform wie die andere Aussah, konnten wir sie keiner Waffengattung zuordnen. Als der alte Otto Ritter mit seinen Wagen kam um in seinen Garten zu fahren, fragten wir ihnen. Er sah die Uniformen an und sagte, das sind doch montags Hermann seine Klamotten. Erstaunt schauten wir ihnen an, und Günter fragte, aber woher wissen sie den dass so genau? Na ganz einfach, das hier ist die Uniform eine SS Rottenführers und da gab es nur den einen im Dorf, die andere gehörte einen U Bootfahrer, das war Kahl – Hermann, sein Sohn, der im Nordatlantik geblieben ist. Otto Ritter erzählte uns, dass es einige im Dorf gäbe, die bei der Waffen SS gedient hätten und jetzt so nach und nach ihre Spuren vernichten wollten. Wir machten die Knöpfe und Abzeichen ab, so wie die Schulterstücke und

 

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Steckten die Lumpenreste wieder in die hole Weide und verbrannten alles vollständig. Ich hatte noch eine alte Feuerwehr Uniformjacke, die mein großer Bruder Bernd von der Betriebsfeuerwehr seines Betriebes mitgebracht hatte. Da machten wir die Abzeichen und Schulterstücke dran und wir trugen sie abwechselnd. So konnte ein jeder schon vom weiten sehen, wer im Witschen der General war und das Sagen hatte. Da es bei uns strengstens verboten war, Nazisymbole zu tragen oder sonst irgendwie zu verwenden, nahm uns der alte Kurt Ullrich aus der Nachbarschaft die Abzeichen weg und vernichtete sie, damit wir keinen Ärger mit der Polizei bekommen würden. Nun bastelten wir uns unsere Abzeichen wieder selber aus

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Den Deckeln von Konservendosen, die waren zwar meistens krumm und schief, aber sie nahm uns keiner weg, und wir gaben den Dingern einen Tarnnahmen. So war ein Stern ein EK1 für uns oder ein Kreis, war ein Kriegsverdienstkreuz usw. Auf diese Art trugen wir was wir wollten, und die Erwachsenen sahen nichts Schlechtes dabei. Als es am frühen Morgen wieder im Witschen qualmte, und ich montags Hermann an den Feuer sah, dachte ich er würde wieder Uniformen verbrennen und schlich mich leise und langsam heran um nachzusehen. Da er immer nervös um sich schaute, war es mir nicht möglich heran zu kommen. So beschloss ich mich zurück zu ziehen und ging zu Günter nach hause um ihn Bericht zu erstatten. Wir machten uns gemeinsam auf den Weg und sahen wie Hermann uns entgegen kam. An der hohlen Weide angekommen, stocherte Günter mit einem Ast in die noch klimmenden Lumpen, das ist alte Bettwäsche, sagte Günter. Aber warum verbrennt er die? Das wollten wir genau wissen und zogen die Reste auseinander. ,,I“ da klebt Scheiße drin, sagte Günter entsetzt und zog noch eine weiße alte Unterhose aus dem Feuer, die wies die selbe braune Färbung auf wie die Bettwäsche. Hermann, der wieder einmal voll war wie ein altes Jauchefass, hatte im Suff sich von oben bis unten beschissen, und war gerade dabei die Spuren zu beseitigen, damit es keiner mitbekommen sollte, und sie im Dorf wieder über ihn spotteten.

 

 

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Da wir nichts anderes zu tun hatten, beobachteten wir montags Hermann, der wie immer am Monatsanfang Seine Rente versoff und dann zum Spott der Menschheit irgendwo zwischen der Kneipe und sein zuhause seinen Rausch ausschlief. Ihn in diesen Zustand zu ärgern, machte doppelt so viel Spaß, denn am nächsten Tag hatte er bekanntlich einen Filmriss, und konnte sich an nichts mehr erinnern. Er lag wieder in der prallen Mittagssonne neben der kleinen Holzbrücke, die die Apfelstädt zum Kulturhaus überspannte und von allen Fußgängern benutzt wurde die zum Bahnhof oder in das Negerdörfchen wollten. Hier lag er nun und die Sonne setzte ihn zu, so dass er jeden Passanten mit

 

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dem Gastwirt verwechselte und bei ihnen ein Bier bestellen wollte. Günter ließ von Kalensky eine leere Bierflasche besorgen, die wir dann mit Apfelstädtwasser füllten und ihn für eine Mark verkauften. Als er trank, und zuerst den Unterschied nicht merkte, gelang es uns ihn noch eine zweite Flasche auf zu schwatzen, bis er die Augen verdrehte und die Brühe im hohen Bogen wieder ausspukte. Nun war er sauer und wollte Günter hinterher jagen, aber ihn waren seine eigenen Beine dabei im Weg und er stolperte ständig über sie und viel auf die Schnauze. Bei dieser Aktion viel ihn noch einiges an Kleingeld aus der Tasche, was sofort den Besitzer wechselte. Da wir ihn jetzt aus allen Ecken riefen und ärgerten, wusste er nicht wo er zuerst hin rennen sollte, deshalb blieb er einfach liegen und schimpfte wie ein Rohrspatz. Der Dreiuhrzug war eingelaufen, und die Leute kamen aus der Frühschicht nach hause, doch Hermann würdigten die meisten keinen Blick, denn es war für sie nichts Neues. Und keiner wollte ihn nach hause bringen, denn er hatte schon so manchen angekotzt, und auf seinen Sauftouren, hatte er auch regelmäßig die Hosen voll bis zum Gürtel hoch, und stank lustig vor sich hin. Hermann war Gemeindearbeiter, und es gehörte zu seinen Aufgaben am Abend die Petroleumlampen aufzuhängen um die Gemeindebaustellen zu beleuchten, denn im Dorf wurde eine Wasserleitung verlegt. Doch Hermann war im Suff schon öfters in solch einen Graben gefallen und kam nicht wieder heraus, denn die

 

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Kieswände brachen regelmäßig ein, an den Stellen wo er den Graben verlassen wollte. Da er meist noch eine Flasche Wodka in der Tasche hatte, viel ihn das Warten auf seine Rettung nicht all zu schwer. Viele Bewohner spielten ihn gerne einen Streich wenn er betrunken war. So kam es, dass sie schon sein Arbeitswerkzeug auf dem Malergerüst angenagelt haben oder seine Gummistiefel zusammen klebten. Wir saßen da und lachten über unsere Kindheit, ich bestellte bei der jungen Kellnerin noch ein paar kalte Getränke, und Günter rief seine Frau zuhause an um ihr mitzuteilen, das es heute etwas später werden könne und sie nicht mit dem Nachmittagskaffee auf ihn warten solle. Die Kellnerin servierte unsere Getränke und fragte, was wir die ganze Zeit zu lachen

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Haben, denn sie hatte ein Teil der alten Geschichten mithören können und war begeistert über unsere Kindheit. Da es auf der Terrasse außer uns keine anderen Gäste gab, setzte sie sich mit zu uns und lauschte mit in die Vergangenheit. Eines Tages waren wir wieder auf dem Weg in unser Witschen, als wir bei Onkel Theo am Haus vorbei kamen. Hier wohnten zwei alte Frauen zur Untermiete die im Dorf nur die Matkas genannt wurden. Richtig hießen sie Erna und Frieda Stechmann, es waren Umsiedler die irgendwie bei uns im Dorf hängen geblieben waren. Sie hatten noch einen Sohn, der schon seit geraumer Zeit weggezogen war und sich nicht mehr um sie kümmerte. So hatte sie Onkel Theo die meiste Zeit an der Backe. Sie saßen viel mit einem Küchenstuhl vor dem Haus und sonnten sich. Wir Kinder machten immer einen großen Bogen um sie, weil sie stanken wie die Pest und mit ihren Kopftüchern wie Hexen aussahen. Eines Tages gingen wir wieder über den Dammweg um Thomas Held zum Spielen abzuholen. Günter sagte zu mir, schaut einmal hier rüber, die Matkas lassen bestimmt ihr Essen anbrennen und sie selber waren alle beide vor dem Haus und erzählten der alten Frau Polmann, dass in ihrer Küche ein Feuer ausgebrochen sei. Sie erzählte noch ein Weilchen und entschuldigte sich dafür dass sie nicht viel Zeit habe, und sie erst einmal die Feuerwehr rufen müssten. Sie gingen noch zwei Häuser weiter, wo Horst Ullrich, der Hauptmann der freiwilligen Feuerwehr wohnte und klopften an die Tür. Als Horst an die Tür kam,

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Sagten sie, Horst bei uns brennt es. Kannst du das Feuer löschen. Horst hatte am Haus einen Feuermelder, womit er sofort die freiwillige Feuerwehr in Allarm stund versetzte. Sie rückten an mit einen Traktor und ihren Spritzenwagen um das Feuer zu löschen. Aber in der Zwischenzeit, hatte Horst es schon allein geschafft. Die alten Weiber hatten ihre heiße Asche in einen Pappeimer gefüllt, der dann vor sich hin qualmte und alles wie einen Großbrand aussehen ließ. Als dann Theo von der Arbeit kam und das gesamte Haus nach qualm stank, hatte er wieder eine Mords Wut auf die alten Weiber. Über die alten Weiber mussten wir noch öfters lachen. Am Monatsanfang, waren sie noch ganz

 

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Gesund, und konnten in einen aufrechten Gand ihre Einkäufe erledigen, was sie auch Täglich mehrmals machten. In der Monatsmitte, wo das Geld schon etwas weniger war, jammerten sie schon wieder wie schlecht es ihnen als Rentner doch ging. Aber am Monatsende als sie blank geputzt waren, kamen sie an Krücken und liefen so krumm als ob sie einen Hexenschuss erlitten hätten. Onkel Theo hatte wieder Mitleid mit den Matkas und sprach mit dem Bürgermeister über sie, so dass sie wenigsten auf Gemeindekosten jeden Tag eine Warme Mahlzeit aus der Betriebsküche der MTS erhielten. (MTS ist die Abkürzung für Maschinen – Technischer – Stützpunkt, und war eine Abteilung der LPG, Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft).

Hier humpelten sie die Ganze Zeit hin, bis sich die Beschwerten häuften, weil die beiden stanken wie die nassen Hunde. Nun beschlossen sie den zweien das Essen nach hause zu bringen, wo mann es ihnen nur durch das Fenster reichen brauchte. Es war an einen schönen Sommermittag, meine Mutter hatte den Tisch im Hof eingedeckt. Bei schönem Wetter saßen wir zum Essen immer draußen. Da unser Hof kein abgeschlossenes Grundstück war und der Weg in das Witschen hindurch führte, kam öfters einmal jemand vorbei und unterhielt sich oft mit meiner Oma oder meiner Mutter. An diesen Tag waren wir gerade fertig mit dem Essen, meine Mutter hatte alle Reste auf einen alten Teller getan, der von unseren Kater als Fressnapf genutzt wurde, als die Matkas ihren

 

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Spaziergang machen wollten. Sie sahen den Teller mit den Resten und fragten ob das übrig sei. Nein sagte ich, das ist für den Kater. Entsetzt sagte Erna, das schöne Essen kann mann doch nicht dem Kater geben, das ist doch viel zu schade. So schnell konnte ich nicht gucken wie die beiden den Kater das Futter weggefressen hatten, und den Teller mit der Bemerkung, der soll sich Mäuse fangen wieder auf seinen Platz zurück stellten. Sie kamen noch öfters

Zur Mittagszeit, bei uns vorbei um ein paar Reste zu ergattern. Wir Kinder machten uns immer einen Spaß daraus alles noch einmal kräftig nachzuwürzen. Aber dass machte den zweien wenig aus, als saßen wir in ferner Zukunft wieder im Haus und legten unsere

 

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Mahlzeit eine halbe Stunde vor, damit der Kater auch etwas abbekam. Eines Tages kamen sie nicht mehr, und wir hörten dass sie jetzt in Gotha im Altersheim weiter stinken würden, und schon nach kurzer Zeit wusste kaum noch jemand im Dorf, wer überhaupt die Matkas waren und wo sie eigentlich hergekommen sind. Wir gingen am Stangenweg entlang, als wir Jürgen Ritschel sahen, wie er mit seinen Vater einen Drachen steigen ließ. Das ist die Idee, sagte Günter wir bauen uns auch Drachen. Wulf Walter, musste die benötigten Leisten besorgen. Sein Vater war der Boss einer großen Tischlerei und das war für ihn eine Kleinigkeit. Günter besorgte das benötigte Spannpapier und ich sollte die erforderliche Schnur dafür besorgen. Ich wusste das Jürgens Vater in Gotha in einer Kerzenfabrik arbeitete und er einige Rollen Kerzendocht mit nach hause gebracht hatte. Das Zeug war so fest und eignete sich sehr gut zum Drachen steigen. Herr Ritschel gab mir auch die erforderliche Menge, und ich zog damit von Tannen. Im Witschen trafen wir uns alle wieder und begannen zu werkeln. Jeder hatte eine andere Idee, wie sein Drachen aussehen sollte. Wir bastelten die verschiedensten Modelle, in der Hoffnung dass sie auch fliegen würden. Günter sein Drachen sah aus wie ein Teufel und meiner sah einfach nur scheiße aus, ob wohl ich mir die größte Mühe gegeben habe.Thomas und Fittika bauten einen Kastendrachen und lachten mich ständig aus für mein hässliches Geschöpf. Es war ja auch unfair, sie hatten alle schon

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Einmal Drachen gebaut. Ich hingegen hatte keinen blassen Schimmer, und gut malen konnte ich auch nicht. Weil mein Drachen schielte, malte Günter eine Brille darüber und sagte zu mir, so fällt es weniger auf. Ich hatte aber genau gesehen wie er sich zu den anderen herumgedreht hat und dabei über mich lachte.

Alle hatten schöne Drachen, und ich schämte mich wie ein Bettseicher für mein Gebilde. Da wir spät mit der Arbeit fertig wurden, beschlossen wir die Drachen erst am andern Tag fliegen zu lassen, und gingen nach hause. Aber dann, am anderen Tag, nahmen wir unsere Drachen und gingen hinaus zum Stangenweg auf den Hügel, wo immer eine leichte Priese wehte. Günters Drachen hob als erster ab und stieg wie ein

 

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Adler in den Himmel. Thomas ließ mit Fittika den Kastendrachen steigen, und auch den anderen ihre Drachen flogen alle wie die Adler. Ich hatte es erst gar nicht versucht, denn ich wollte mich nicht blamieren. Günter war es der mich immer foppte bis ich mit meinen Drachen Anlauf nahm. Er schoss gegen meine Erwartung, wie eine Rakete in den Himmel. Als er seine volle Höhe erreichte, machte er eine Schleife, und umflog die anderen Drachen so ungünstig, das sich alle Schnuren zu einen wüsten Wirrwarr in der Luft verknoteten und alle Drachen in Richtung Erde jagten und am Boden zerschellten, bis auf meinen. Der blieb heil, doch Günter hatte ihn aus lauter Wut zertrampelt. Bedient und zerstritten gingen wir nach hause, einige von uns hatten da noch etwas zu erledigen, wie es damals so üblich war. Der eine sammelte Brennnessel, ander holten Endengrütze oder musten Karnickelfutter besorgen. Da ich solche Aufgaben nicht kannte, half ich Thomas bei dem Brennnessel sammeln, wir zogen uns alte Handschuhe an und zupften die jungen frischen Nesseln ab und sammelten sie in einen Korb. Sein Vater stampfte sie zusammen mit gekochten Kartoffeln und Haferflocken für die Karnickel oder die jungen Endchen. Andermal wurden Weidenzweige gesammelt und den Karnickeln als Futter angeboten. So hatten manche schon von klein auf ihre feste Aufgabe in der Familie, die er nachkommen musste. Als wir fertig waren mit der Arbeit, gingen wir in das Witschen und suchten

 

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geeignete Astgabeln, um uns Katapults zu bauen. Zu diesem Zweck, schnitten wir uns schmale Streifen aus Autoschläuchen heraus und befestigten sie mit dünnem Kupferdraht an der Astgabel. An der anderen Seite der Gummibänder befestigten wir eine Leder Lasche, wo der Stein eingeklemmt wurde. Mit diesen Dingern konnten wir besser und genauer schießen, als manch anderer mit einen Luftgewehr. So ein Katapult gehörte Damals in jede Kindertasche, so wie eine Schnur und ein Taschenmesser. Auf der Mülldeponie sammelten wir leere Flaschen, füllten sie Halb mit Wasser und deponierten sie am Ufer der Apfelstädt. Denn wir hatten ein Zielschießen Geplant. Günter der wie meistens die Sache wieder

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Übertreiben musste, hatte zwei Pfähle in den Boden gerammt und befestigte ein Fahrradschlauch daran. Den spannte er, und schoss mit jungen Felsen, wie er es nannte. Wir schossen und trafen sehr gut, bis die Flaschen alle wieder versänkt waren. Nun gingen wir auf die Jagt und schossen den Spatzen hinter her. Am Rand des Mühlgrabens wuchsen wilde Pflaumen. Sie waren grün und eigneten sich hervorragend als Katapultmunition. Wir füllten unsere Taschen und gingen über die Apfelstädt, um der Rotsbande einen Überraschungsbesuch abzustatten. Sie bemerken uns und ergriffen die Flucht. Auf ihrer Seite gab es eine kleine Mülldeponie, wo wir öfters herum stöberten. Ich fand eine Zeichenmappe, mit der Aufschrift Horst Baumgarten. Als ich sie öffnete, fand ich eine Menge mit wunderbaren Bleistiftzeichnungen von Segelschiffen, nackten Frauen und Landschaften der Umgebung. Diese Mappe muste ich mir sofort unter den Nagel reisen. Ich versteckte sie in einen alten Ofen, um sie mir später zu holen. Die anderen durchsuchten die Müllhalte und wir schleppten alles Brauchbare in unseren Bunker. Nun kam Günter auf die Idee zum Stiedenberg zu gehen, denn wir hörten Stimmen aus der Richtung. Wir überquerten die Rot und gingen durch einen kleinen Bahntunnel, den sie im Volksmund den Hexentunnel nannten. Auf der anderen Seite angekommen, sahen wir einige Jungs aus Apfelstädt. Darunter war einer dessen große Klappe wir schon von weiten hörten. Bernhart Mundstock, mein Persönlicher Feind. Wir

 

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Umzingelten sie, und bepflasterten sie mit den grünen Pflaumen, das sie liefen wie die Strauchdiebe. Mundstock, den ich ein paar auf den Hintern gebrannt hatte, machte wahre Luftsprünge und lief den neuen Witschensrekord.

Da wir keine Feinde mehr hatten, zogen wir wie immer Siegreich zum Bunker zurück. Unterwegs beschossen wir alles was nur herum hüpfte. Ich sah einen kleinen Punkt und meine Augen waren darauf fixiert. Starr stand ich da uns starrte den Punkt an, der langsam immer näher kam und dabei rapide an Größe zunahm. Wie in Hypnose stand ich auf dem selben Feck, bis ich den Aufprall der grünen Pflaume auf

 

 

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Mein Auge merkte. Wie behämmert stand ich da und griff mir an die Stelle, wo vor Sekunden die Pflaume aufgeprallt war und schrie laut los. Welches Arschloch war das. Doch es war meine Eigene die an einen Ast abgeprallt war und den Weg zurück fand.

Als ich jammernd zu hause ankam, hatte ich bereits ein geschwollenes Auge, was zu Sehens immer blauer wurde. Ihr habt euch wieder mit den Apfelstädter Kindern geprügelt, sagte meine Oma. Nein sagte ich und stritt alles ab. Nun wurde sie stink sauer und verpasste mir eine Tracht Prügel mit einer Woche Hausarrest. Denn die Mutter von Bernhart Mundstock war mit ihren Fahrrad zu uns gekommen und hatte sich bei meiner Oma über mich beschwert. Warte nur du Krepel, dachte ich mir. Dich werde ich eines Tages wieder erwischen, und dann soll es dir schlecht ergehen. Ich durfte die gesamte Woche nicht in das Witschen, noch nicht einmal unter Aufsicht, meiner Schwester. Täglich musste ich in der Frühe um vier Uhr aufstehen und ging mit meiner Oma in den Wald zum Beeren oder Kräuter sammeln. Denn sie war eine Naturheilerin und kannte jedes Kraut im Wald und wusste auch für was es angewandt wurde. Sie Sammelte Pilze für den Verkauf oder trocknete sie für den Winter. Sie stellte Salben her aus Tollkirche und Pilzextrakten gegen Die verschiedensten Zipperlein. Es war eine Scheißarbeit für mich, da ich schon in der Frühe aus dem Bett musste nur um irgendwelche Kräuter zu sammeln. Meine Oma wusste alles über

 

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die Mondfasen und wann die Kräuter am besten im Saft standen. Sie erklärte mir einmal, das es wie Ebbe und Flut sei.Der Mond reguliert mit seiner Anziehungskraft den Wasserstand, und so ist es auch bei den Pflanzen. Während der Flut, hatten die Heilpflanzen die meisten Wirkstoffe aufzuweisen und waren am wertvollsten. Oma hatte immer einen großen Vorrat an Kräutern und Pilzen zu hause. Und es gab einige Fälle, wo der Landarzt Kornrumpf mit sein Latein am Ende war und die Leute zu meiner Oma schickte. Oma konnte mit ihren Wissen und

Ihren Kräutern so manchen von seinen Leiden befreien, und wurde gut dafür entlohnt. Sie hatte einen großen Kundenstamm, die sie mit frischen

 

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Waldpilzen oder Beeren belieferte, um so ihre Rente noch etwas aufzubessern. Ich machte Luftsprünge, als die Woche vorbei war, und ich wieder in das Witschen durfte. Sonst bekam ich immer nur eine Tracht Prügel und die Sache war vergessen. Doch Oma sagte zu meiner Mutter, das reicht nicht, denn der schüttelt das ab wie ein Hund seine Flöhe und der Blödsinn geht von vorn wieder los. Ich versprach hoch und Heilig mich zu bessern, nur das ich endlich wieder meine Ruhe hatte und im Dickicht des Witschens verschwinden konnte. Ich suchte das gesamte Witschen ab, aber da war keiner. Weder Günter noch die anderen waren zu sehen oder zu hören. Merkwürdig, dachte ich. Wo sind die? Ich zog mich aus und nahm erst einmal ein Bad, und fing ein paar Fische. Die zeit verging, aber nichts tat sich. Plötzlich hörte ich Stimmen und schaute nach wer da gekommen sei. Margitta und Violetta Klick, waren mit ihren kleinen Bruder Björn zum Baden gekommen. Sie breiteten ihre Decken aus und zogen den kleinen um. Da sie mich noch nicht bemerkt hatten, schlich ich mich sofort hinten herum und ging in den alten Beigraben der Mühle in Deckung. Denn da stand ein großer dichter Weißdornbusch, hinter dem sich die Mädchen immer umzogen. Hier lauerte ich bis sie kamen. Violetta ging mit mir in die selbe Klasse und ihre Schwester Margitta, war etwas älter als sie.Ich wartete vergebens, da sie sich allein am Badeloch klaubten, hatten sie sich auch vorn

 

 

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Umgezogen. So ein mist, sagte ich und ging in einen großen Bogen zum Badeloch und tat so als sei ich auch gerade erst gekommen. Eine Decke hatte ich sowieso nie dabei, denn es war für mich bequemer, wenn ich mich mit bei den anderen einnistete.

Da von meinen Freunden keiner am Badeloch war, machte ich mich an die Mädchen heran, denn sie hatten eine Tüte Kirchen und ein paar dicke Wurstbrote dabei, wo ich scharf darauf war.Nun kamen die Geißlers Mädchen dazu und kurz danach die Hohmann Zwillinge mit ihrer kleinen Schwester Antje. Was ist denn heute nur los, wo sind die Jungs, fragte ich mich, denn ich fühlte mich sichtlich unwohl unter den vielen Mädchen, denn mit denen konnte ich

 

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Nicht viel anfangen. Bis auf die Zwillinge, die waren für jede Schandtat zu haben, und wir hatten schon so manchen Blödsinn zusammen angestellt. Einmal klauten wir die Erdbeeren aus den Gärten, ein anderes mal spielten wir Onkel Docktor, oder ärgerten voller Hingabe Montags Hermann, wenn er wieder besoffen durch das Dorf schwankte. Nun kamen die ganzen Jungs alle mit einmal zum Badeloch. Als ich Günter fragte, wo sie alle waren? Sagte er zu mir. In der Gemeine, auf dem alten Tanzsaal, ist jetzt ein Judoklub, und da sind wir alle beigetreten. Du kannst auch mitmachen, denn sie suchen noch ein paar Jungs. Hermann Schwarz und Wolfgang Neichel, beide Träger des schwarzen Gürtels, waren die Begründer des Klubs. Hermann Schwarz wohnte nur ein paar Meter von uns entfernt in der Katholischen Kirche, und ich kannte ihn gut. Wolfgang Neichel war der Freund meiner Schwester Freya und mir ebenfalls wohl gesonnen. Da melde ich mich auch an, sagte ich zu Günter. Du kannst gleich morgen früh mitkommen, denn da müssen wir die Matten desinfizierten und an einigen Stellen wieder zusammen nähen. Günter hatte den Schlüssel zum Klub und war deshalb stolz wie ein Spanier beim Stierkampf. Er trug ihn an einen Band um den Hals und hütete ihn wie die Glucke ihr Ei. Wir badeten und tobten den Rest des Tages wie immer herum, wie es schließlich anfing dunkel zu werden und die meisten von uns nach hause mussten. Am kommenden Morgen, war ich pünktlich um neun, wie

 

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Abgesprochen an der Gemeinde. Ich wartete und wartete, doch Günter kam nicht. Wo steckt der denn wieder, fragte ich mich. Da mein Hintern schon ganz kalt war, von der Gemeindetreppe, beschloss ich zu Günter nach hause zu gehen, um zu sehen wo er bleibt. Ich stand vor seinen Haus und rief mir die Lunge aus dem Hals, bis einer der Nachbarn sagte, wenn du jetzt nicht endlich den Schnabel hältst, gieße ich dir einen Eimer kaltes Wasser über den Pelz, damit du munter wirst. Günter ist vor einer Stunde

 

 

 

 

schon mit seiner Mutter weggegangen. Da ich wusste, dass seine Mutter im Kindergarten arbeitete, ging ich dort hin um sie zu fragen wo Günter ist. Günter ist in

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Der Gemeinde, er will da etwas im neuen Judoklub erledigen. Ich bedankte mich und rannte so schnell ich nur konnte zur Gemeindeschenke. Günter war schon vor mir da gewesen und war auf dem Saal, ich hingegen wartete auf der Treppe, und so hatten wir uns verfehlt. Macht nichts, sagte er. Jetzt bist du ja da.

Ich schaute die Matten dumm an und sagte, das sind ja zusammengeflickte alte Bettmatratzen, wo sind die den her? Die hat Hermann von der Armee besorgt, antwortete Günter. Man die Dinger waren durchgelegen und hart wie Beton, und stinken taten sie außerdem. Das ist die Desinfektionslösung, sagte Günter und hielt mir eine Flasche vor die Nase. Überall an den Nähten waren sie wieder auseinander gegangen und wir nähten sie mit einer Sacknadel und Wurststrick wieder zusammen. Der Strick war alt und morsch, deshalb hatte der Fleischer ihn auch herausgerückt, denn das zeug riss ja schon beim nähen. Aber etwas anderes hatten wir ja nicht und wir nähten bis uns die Finger wehtaten, und wir die Nadeln nicht mehr halten konnten. Am Sonnabend, trainierten die schon etwas fortgeschrittenen, und am Mittwoch sollten wir dann an der Reihe sein. Doch was wir vorfanden, waren meist nur auseinander gerissene Matratzen, die wir erst wieder flicken konnten ehr wir mit dem Training begannen. Wir übten Wochen lang nur das richtige hinfallen und machten Ausdauerübungen. Die meisten von uns hatten schon keine Lust mehr dazu, denn sie wollten richtig Kämpfen. So baute der Trainer immer zum

 

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Schluss der Übungsstunde einen Schaukampf ein, wo wir beweisen konnten was wir gelernt hatten. Einmal ließ sich der Trainer Wolfgang Neichel von allen gleichzeitig angreifen, und obwohl wir zweiundvierzig Jungs waren, blieb er Siegreich. Das imponierte uns schon, denn so wollten wir auch kämpfen können.

Aber bis zum schwarzen Gürtel, war es noch ein langer Weg. Da wir den Sport nie so richtig Ernst nahmen und meistens nur herumalberten und sonstigen Unfug machten, schaffte es keiner von uns diesen Gürtel je sein Eigen zu nennen.

Das wusste ich gar nicht, das Wandersleben einen Judoklub hatte, sagte die Junge Kellnerin zu uns. Ein

 

 

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Boxklub, ja das weis ich, aber Judo. Den Boxklub hatte etwas später mein Bruder Ottfried zusammen mit seinen Freund Wolfram Thron gegründet, und weil es dort besser zur Sache ging, wechselten viele von uns zum Boxen über, wie Blocki zum Beispiel. Stimmt, sagte Günter. Damals arbeitete Hermann Schwarz auf Montage und kam nur noch an den Wochenenden nach hause, aus dem Grund gab es am Mittwoch einen Übungsleiter. Das war damals Wolfgang Apel, ein Junge aus dem Dorf, der den Sport ganz gut beherrschte. Da auf dem Saal der Gemeindeschenke immer soviel Trubel herrechte, fühlte sich Etkar Rot, was der Bürgermeister damals war, von dem Krach belästigt und beschloss mit seinen Stellvertreter, Klaus Kecke uns einen anderen Saal zuzuweisen. Denn hier War der Riesensaal nur durch Schiebetüren vom Schulhort getrennt, was regelmäßig zu Lärmbelästigungen geführt hatte. Nun mussten wir mit unseren Kutten und den Matratzenhaufen die in der Zwischenzeit noch härter geworden waren umziehen. Unser neues Domizil war ein alter seit Jahren nicht benutzter Tanzsaal von Hildebrands Gasthaus, wo der Inhaber jetzt Kurt Grossert war. Der Saal wurde von der PGH Maler zum Teil als Farblager genutzt und stank auch dem entsprechend. Hier machten wir alles richtig sauber und flickten unsere Matratzen wieder zusammen und versprühten die letzte Desinfektionslösung gleichmäßig über ihnen. Die Farbkübel stapelten wir

 

 

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Im Eingangsbereich und putzten die Fenster, bis alles so einigermaßen wieder nutzbar geworden war. Nun ließen wir die Fenster Tag und Nacht leicht angekippt, damit die Luft zirkulieren konnte und sich der Farbgestank langsam verflüchtigen konnte.

Ab sofort Wurde wieder von uns trainiert bis der Schweiß in strömen floss. Außer Wulf Walter, der lieber mit Joachim Ungelenk und seinen Bruder Roland hinter dem Vorhang herumalberte. Als Hermann sie erwischte, durften sie wieder Strafrunden laufen, wie immer. Die Fortgeschrittenen Kämpfer wurden meist von Wolfgang Neichel Trainiert und Hermann übernahm mit Wolfgang Apel die Jüngeren, bis ich eines tage Flöhe in den alten

 

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Matratzen breitgemacht hatten, und die Existenz des Klubs stark in Mitleidenschaft gezogen haben. Die Matratzen mussten samt, alle in die Deponie, und andere konnten wir nicht auftreiben, denn sie mussten ja auch alle gleich groß und hoch sein.

Der Schäfer Karl Backhaus kam wieder mit seiner Herde in das Witschen. Die Schafe hielten das Gras in Zaum und fraßen so manches Unkraut. Doch leider waren wir Kinder nicht al zu begeister davon, denn sie schissen auch alles voll wo wir immer spielten, und das ganze Witschen stank mahl wieder nach Schafen und ihren Hinterlassenschaften. Günter hatte wie immer die rettende Idee, sie wollten ein Theaterstück in der Schule aufführen, und übten deshalb heimlich an der Sich beim Stangenweg.

( Sich, ehemaliges Feuchtbiotop ). Hier waren sie weit weg von dem ganzen Trubel und konnten unbeobachtet proben bis sie ihre Rollen gelernt hatten. Nur mit den Kostümen war das so eine Sache, denn sie hatten alle nur Faschingskostüme und sahen damit auch dementsprechend aus. Sie konnten sich auch nicht so richtig einigen was sie für ein Stück eigentlich aufführen sollten. Also kam Günter auf den Gedanken, wir gründen einen Zirkus. Sie bauten eine Manege und spannten alte Bettlagen und Seile. Dann gab jeder, nach einander, seine Vorstellung. Einer wollte Zaubern, konnte es aber nicht und alle bogen sich vor lachen, weil alles schief ging. Dieter Kressler wollte eine Ziege tressieren, doch das dumme Vieh

 

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Macht nur was es wollte. So wurde der komischste und lachhafteste Zirkus in das leben gerufen, den die Welt je gesehen hatte. Er bekam den schönen Namen, Zirkus Brozahno“ und gewann im Schulwettbewerb den ersten Platz. Nach den letzten Regen, war das Witschen wieder geruchsfrei und wir konnten wieder unsere Lieblingsbeschäftigungen nachgehen. Blocki brachte seinen Degen mit in das Witschen, und wir spielten Musketier. Da mit einen Degen immer nur einer spielen konnte, bekam Wulf den Auftrag in der Tischlerei Leisten zu besorgen, woraus wir uns Degen basteln wollten. Blockis Degen war aus Federstahl und sehr scharf geschliffen, da er auch

 

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Höllisch spitz war, musste mann sehr aufpassen, das man sich nicht damit verletzte. Sein großer Bruder Erisch hatte ihn hergestellt aus einen Federstahlstab, den er aus einer Eisenbahnschwelle herausgeschlagen hatte. Als Schutzkorb verwendete er eine Schöpfkelle und als Griff ein Feilenheft. Das sah aus wie ein richtiger Degen, wie wir ihnen aus dem Kino kannten.

Wir stritten uns regelmäßig darum, weil jeder mit ihm spielen Wollte. Doch meisten krallte Günter sich das gute Stück und wir mussten mit irgendwelchen Stöcken vorlieb nehmen.

Als Wulf aus der Tischlerei zurückkam, hatte er für jeden ein schönes Schwert im Arm. Sein Vater hatte sich die Zeit genommen und für jeden ein Schwert angefertigt. Die sahen wirklich gut aus, und wir hatten noch nie so schönes Spielzeug von irgendjemanden bekommen. Voller Stolz rannten wir im Witschen herum und spielten Ritterspiele nach. Günter organisierte ein Mittelalterliches Dornier, wo wir mit Schwertern und Lanzen Kämpften. Als Ritterrüstung banden wir uns alte Kochtopfdeckel aus dem Sperrmüll um und besorgten alte Kuchenbleche als Schutzschilder. Da ich der kräftigste von allen war, durfte ich wieder Günters Pferd spielen und ihn auf dem Buckel schleppen bis ich O, Beine bekam. Mit alten Stahlhelmen oder Kochtöpfen auf dem Kopf, sausten wir durch das Witschen und fochten gegeneinander. Günter schlug ein immer absichtlich auf die Finger, nur damit er jeden Kampf gewinnen konnte. Und die meisten ließen ihn absichtlich

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Gewinnen, weil sie keine Lust auf blaue Pfoten hatten. Hinter dem Badeloch, gab es eine Anhöhe, wo ein paar Schlehenbüsche darauf standen. Das war unsere Burg, und die musste von der gegnerischen Partei erobert werden.

Da es auf die Dauer ziemlich langweilig war, immer diesen kleinen Hügel hinauf zu stürmen, beschloss Günter, daß wir morgen auf die Wanderslebener Burgruine gehen würden. Und dort wo schon unsere Vorfahren gekämpft hatten, die Schlacht fortsetzen würden. Wir verluden alle in zwei alte Kinderwagen und zogen den nächsten Tag zur Burgruine und setzten den gesamten Tag unser Spiel fort. Wir hatten einen riesen Spaß dabei und die Zeit verging wie immer im nu. Bevor wir dann gegen Abend nach

 

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Hause gingen, kehrten wir noch in das Freudenthal ein und spielten mit Ingo und Gerd Leiser, bei einer kühlen Fassbrause mit deren Autorennbahn. Oft hatten wir einfach die Zeit vergessen und das halbe Dorf war auf den Beinen um uns zu suchen, was manchmal gar nicht so leicht war.

Stimmt, sagte Günter mit einen Lächeln im Gesicht und schenkte dabei sein Glas nach. Die Kellnerin erhob sich und sagte, einen kleinen Moment bitte ich bin gleich zurück. Ich nutzte die Gelegenheit und besuchte auch die Toilette um mich etwas zu erleichtern. Günter lehnte sich zurück und träumte vor sich hin. Als wir alle wieder am Tisch vereint waren, sagte er, Weist du noch, damals das Garten fest bei

 

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Papstens Linda? Ja sagte ich. Papstens Linda hatte alle Jungs zu ein Gartenfest eingeladen, bis auf mich. Sie konnte mich nicht leiden und behauptete ich sei der Wolf im Schafspelz. Nur weil ich ihr schon so manchen Streich gespielt hatte. Sie hatten im Garten eine Tafel mit Kuchen und Kakau aufgestellt, wo sich jeder nach Herzenslust bedienen konnte, außer ich, denn ich musste draußen bleiben. Ich versuchte mich aus allen Richtungen heran zu schleichen, aber sie passte auf wie ein Schießhund, so das es für mich unmöglich war ein Stückchen von dem Kuchen zuergattern. Was hatte ich nur verbrochen, das mich dieses Weib so bestrafte. Ich überlegte die ganze Zeit und mir vielen alle meine Sünden wieder ein. Linda ging gerne Nackt baden, und ich habe ihr die Sachen geklaut und sie bei ihr vor die Haustür gelegt und sie dann beobachtet wie sie nackt in ein paar großen Huflattischblättern gehüllte nach hause musste.

Aber das konnte sie ja nicht wissen, dass ich es war. Sie hatte mich ja nicht gesehen. Oder war es die Rache für die Ziegen, denn ich mahlte sie gerne mit Ölfarben an, und mit schwarzen Ringen um die Augen sahen sie auch immer schön dämlich aus. Aber dabei hatte sie mich ja auch nicht erwischt. Aber trotzdem behauptete sie, das nur ich für diese Misstat in frage käme. Ich versuchte mich wieder heimlich heran zu schleichen, bis Günter kam und mir heimlich Kuchen und Kakau brachte. Heute Abend grillen wir im Garten, ich tu dir etwas davon weg, sagte er zu mir und verschwant wieder auf das Gartenfest. Doch ich

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Ärgerte mich damals wirklich, das ich nicht dabei seien durfte, und das nur weil ich immer etwas boshaft ihr gegen über war. Aber die Klamotten habe ich ihr noch öfters geklaut. Der Abend war angebrochen und im Garten duftete ein Grill vor sich hin, und in meinen Magen tobte ein Wolf und knurrte wie verrückt. Nun war es bereits etwas dunkel und ich konnte glatt bis kurz vor den Grill schleichen, wo mich Günter mit allen versorgte was das Herz begehrte.

Günter legte Buletten und Bratwürste auf den grill, und alles was die anderen nicht schnell genug wegholen konnten, schob er immer zu mir herüber bis

 

 

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Ich zum platzen satt war und nach hause ging.Ja so war das Damals, Es hat mich sehr gefreut, dass wir uns nach so langer Zeit wieder einmal getroffen haben, sagte ich zu Günter und bezahlte bei der jungen Kellnerin meine Rechnung. Günter schaute wieder auf seine Uhr und sagte, was, so späht schon. Die Zeit verging ja jetzt wie im Fluge. Er bezahlte auch seine Rechnung, und verabschiedete sich, um nach hause zu gehen. Ich selber stieg in mein Auto und setzte meinen Weg weiter fort. Ich hatte ja noch über einhundert Kilometer zu fahren. Ich fuhr an der Anschlussstelle auf die Autobahn auf und dachte wieder an die alten Zeiten zurück.

Einmahl wollten wir einen Staudamm bauen.

Da die Apfelstädt Niedrigwasser führte, wie immer im Sommer, wenn es so heiß war. Kam Günter auf die Idee kurz hinter dem Badeloch einen Staudamm zu errichten. Wir stapelten alle Steine auf, und die kleineren Jungs stopften Rasenbüchel in die Zwischenräume um die Stauwirkung noch zuerhöhen.

Au, schrie plötzlich Gerhart Kressler und sagte, Günter komm schnell, mich hat ein Fisch gebissen. Ein Fisch, du spinnst ja sagte Günter und sah sich die Wunde an. Du hast dich an einen Stein geklemmt, damit musst du zum Arzt gehen. Das sieht überhaupt nicht gut aus. Gerhard machte sich auf dem Weg, und ging nach hause, wickelte sich eine Binde um den Finger und kam zurück. Wir bauten weiter unser Staudamm aus und es gelang uns den Wasserspiegel um über einen Meter an zu heben. Wir bauten Tage

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Lang, bis Gerhart mit seinen Finger in meine Nähe kam und ich roch wie er stank. Günter riech doch einmal an den seinen Finger, sagte ich. Günter machte ihn die schmutzige Bind ab und bemerkte wie ein roter Streifen von der Wunde aus aufstieg. Blutvergiftung, sagte Günter. Du hast eine Blutvergiftung und dein Finger ist schon fast abgefault. Mach dich sofort zum Arzt damit, sonnst können dich deine Eltern bald auf dem Friedhof

Besuchen. Gerhart bekam es mit der Angst zu tun und begab sich sofort in Ärztlich Behandlung, doch es war bereits zu spät, und sie mussten seinen Finger abnehmen. Am nächsten Tag kam er und zeigte stolz seinen Verband und war traurig, das er für ein paar Tage nicht mit uns baden durfte. Denn die Wunde

 

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Musste erst verheilen.

Nur noch ein paar Kilometer, bis nach hause und der normale Alltag hat mich wieder. Vor der Tür nahm mich mein kleiner Sohn in Empfang und fragte, wo warst du so lange, Papa?

Mit einem sehr guten Freund in der Vergangenheit, antwortete ich, und er sah mich mit großen Augen an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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