Diese Lumpenhunde

 

Endlich wieder Sonnabend, endlich wieder einmal richtig ausschlafen, dachte ich mir als ich in der Nacht vom Freitag auf Sonnabend besoffen aus der Kneipe kam. Oh Straße wie bist du so breit, schwankte ich von der einen Seite auf die andere. Die frische Luft und der Alkohol brachten ihre Wirkung jetzt aber voll zur Geltung so das Ich wie schon des öffteren die Letzten paar hundert auf allen vieren durch das Witschen kroch und irgendwo einschlief. Gegen morgen begann ich zu frieren wie ein junger Hund, es wurde bereits wieder hell und die ersten Sonnenstrahlen kitzelten meine Nase, nun hob ich langsam den Kopf, um zu sehen, wo ich überhaupt gestrandet bin. Oh Gott ich war an meinem Elternhaus schon lange vorbei und lag an der Stelle, wo sonst immer unser Zelt stand. Doch unser Zelt hatten wir ja bereits abgebaut und winterfest alles in meiner Hütte verstaut. Man habe ich einen Brummschädel da war bestimmt ein schlechtes Bier dabei oder habe ich die Cola nicht vertragen? Gottfried unser Oberförster sagte ja schon immer sauf nicht alles durcheinander, das bekommt dir nicht. Ach du Scheiße, Gottfried! Der wollte mich doch heute Morgen abholen und mit in den Wald nehmen, wir wollten doch schon die Weihnachtsbäume aussuchen und markieren. Verflucht noch einmal, wie spät ist es denn eigentlich?

Mit meinen dicken Kopf ging ich nun jammernd zum

 

1.

Badeloch hinüber und steckte ihn in das kalte Wasser. Nein das bringt auch nicht viel sagte ich so vor mir hin und zog mich nackt aus. Langsam ging ich nun Schritt für Schritt in das kalte Wasser und schwamm ein paar Runden. Ruck zuck war ich wieder munter, nun zog ich mich an und ging nach Hause, wo Gottfried schon mit seinen Rucksack auf der kleinen Bank im Hof saß und sich sein Frühstück schmecken ließ. Wo kommst du den jetzt erst her fragte ehr und kaute weiter an einer kleinen Knackwurst herum. Ich habe mein morgendliches Bad genommen was sonst, sagte ich.

Was bei der Kälte, du spinnst ja. Das Wasser muss doch sau kalt sein um diese Jahreszeit, sagte Gottfried. Es geht noch gerade so, es ist ungefähr drei Zentimeter kalt, gerade das richtige Frauenbad sagte ich lachend und zeigte dabei auf meine Brustwarzen.

 

Wir müssen heute Ca.35 schöne Weihnachtsbäume

2.

aussuchen und mit einen Namensschild versehen. Denn Im Winter, wenn wieder hoher Schnee auf den Bäumen liegt, ist das Aussuchen schon doppelt so schwer oder sogar unmöglich. Doch für uns und unsere Bekanten und Verwandten wollten wir schon etwas Besseres als Otto Normalverbraucher. Nimm noch einen Spankorb mit für den Fall, dass wir Pilze finden sollten, sagte Gottfried zu mir. Ja klar sagte ich, die verkaufen wir wieder den Wirt aus dem Freudenthal und versaufen das Geld wieder an Ort und Stelle wie beim letzten Mal.

Da hatten wir zum Schluss sogar noch mit bei dem Wirt im Gästezimmer übernachtet.

Komm auf geht’s, packen wir's. Sagte Gottfried und wir setzten uns in Bewegung. Ich hatte noch schnell mir etwas zu essen und ein paar Flaschen Bier eingepackt und aß nun während des Laufens ein Stück Wurst und eine Scheibe Brot. Als wir am Waldrand angelangt waren setzten wir uns erst einmal auf einen

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Umgestürzten Baum, um zu verschnaufen. Man habe ich einen Brand, sagte Gottfried und ich packte uns zwei Flaschen Bier aus. Prost sagte Gottfried und trank die Pulle mit einem Zug aus. Er setzte die Flasche ab und schaute sie noch ein Weilchen an und sagte dabei, ein wunderbares Elixier ist das, es geht runter wie Öl. Bis zu der Schonung mit den Weihnachtsbäumen war es nicht mehr weit und wir ließen uns jetzt viel Zeit die richtigen Bäumchen auszusuchen und machten dabei noch unsere Scherze in dem Wir einen krummen verkrüppelten Baum der nur Äste an der einen Seite hatte mit dem Namensschild von unseren Freund Napoleon versahen und uns dabei sein dummes Gesicht vorstellten wenn er ihn zu Weinachten in seinem Wohnzimmer haben würde. Wo ist denn eigentlich Jörchy, fragte mich Gottfried? Der wollte etwas später nachkommen und einen Kasten Bier und ein ordentliches Frühstück mitbringen. Ach so sagte Gottfried, es ist acht Uhr dreißig da müsste er auch gleich kommen, hast du noch Bier in deinen Beutel? Ja sagte ich und holte die letzten vier Flaschen heraus. Komm wir gehen weiter zum Waldrand, damit er uns nicht erst lange suchen muss. Kaum am Waldrand angelangt setzten wir uns an die kleine Jagdhütte, wo man einen schönen Ausblick hatte. Da sahen wir ihn schon mit Kahrlchens Fahrradanhänger den Hennings Garten herauf kommen. Was hat der denn da alles im Wagen lachte Gottfried. Jörchy hatte drei Kästen Bier und jede Menge Lebensmittel mitgebracht und kam keuchend dem Berg herauf. Du willst wohl hier überwintern fragte ich ihn? Warte es nur ab, der Tag ist länger als du denkst sagte er spöttisch, da kommen noch

 

4.

Mehr. Was meinst du fragte Gottfried, da kam auch schon Molle mit Napoleon dem Hennigsgarten hoch gelaufen und trugen einen Kasten Bier zwischen sich, auf dem ein paar Flaschen Korn lagen. Und das am frühen Morgen lachte Gottfried, ein Glück, das wir mit den Bäumen fertig sind.

 

Wir sind wohl mit die Ersten, fragte Klaus Ullrich, den wir wegen seines Bierbauches alle nur Molle nannten.

Warum denn das fragte, ich erstaunt. Wo ihr schon WEG wart gestern Abend haben wir alle beschlossen den Sonnabend im Wald eine kleine Fete zu veranstalten und die Gase Band, die gestern im Kulturhaus versammelt war, hat zugestimmt. Die wollten sich Tische und Stühle in der Kneipe borgen und mit dem Trecker nachkommen. So Schritt für Schritt kamen immer noch mehr Leute mit Bierkästen und einen

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Bratwurstgrill bewaffnet und trafen die Vorbereitungen für die anschließende Samstagsfeier. Sonntag konnte ja ein jeder ausschlafen und es gab ja nichts Schöneres als eine Waldfeier im Altweibersommer. Nun verging der Vormittag im Fluge und wir hatten jede Menge Spaß miteinander. Gegen Nachmittag sagte Jörchy zu mir, komm wir füllen Napoleon richtig ab. Denn mit dem konnte man ja immer am schönsten Schindluder treiben. Nun fingen wir an heimlich sein Bier mit Wasser zu verdünnen und alle beobachteten seine Reaktionen und machten sich lustig über ihnen, als er sagte, was ist denn das für ein Bier, eins trinkst du und zweie schiffst du wieder raus. Jetzt begann ich sein Bier mit Korn zu mischen als er austreten war kippte ich ihm ein Kleinen hinein und als er das nicht merkte erhöhten wir bei jeden Bier die Dosis bis er voll war bis zur Halskrause. Nun gab Molle ein paar nicht ganz jugendfreie Witze zum Besten und alle mussten laut lachen. Bis auf Napoleon, der saß am Tisch und war eingeschlafen. Gottfried sagte man der schläft ja wie ein Toter, wie wollt ihr den nach Hause bekommen? Das Wirt schon irgendwie gehen sagte ich und holte mir noch eine Wurst vom Grill und setzte mich wieder zu Jörchy an den Tisch, der gerade damit beschäftigt, war die Bierneigen zusammen zumischen. Wenn Napoleon wieder durst hat, sagte er und kicherte dabei hinterlistig wie ein Strauchdieb. Gottfried war bereits mit den Ersten nach Hause gegangen und das Bier neigte sich auch dem Ende zu, eine gut halbe Flasche Korn stand noch auf dem Tisch und ein Glas mit Pepperonys. Jörchy machte ein paar Gläser sauber und ich füllte ein Schnapsglas mit der Pepperonybrühe ab, ein Bierglas

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Wurde mit dem Korn gefüllt und beides vor Napoleon aufgebaut. Nun kam Molle und sagte komm Napoleon trink aus ich will dich mit nach Hause nehmen. Er schüttelte Napoleon am Arm und rüttelte ihn wach. Was ist los stammelte der komm schon trink aus wir wollen endlich los. Napoleon nahm das Schnapsglas und sagte Prost Onkel Albert und kippte sich die ganze scharfe Brühe hinter die Binde. Er verdrehte die Augen und schnaubte wie ein Bulle in der Stierkampfarena,

Wasser schrie er aus vollen Halse und nahm das andere Glas mit der klaren Flüssigkeit in der Hoffnung, das es Wasser sei und kippte es auf ex hinterher. Sein Kopf wurde jetzt feuerrot und die Haare standen ihm zu Berge als er vergebens versuchte Luftzuholen und zu sprechen, er fuchtelte nur mit den Händen in der Gegend herum und zeigte auf sein Hals. Molle sagte was ist mit dir denn los, hast du den Feixtanz oder was

 

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Soll das Werden komm jetzt wir wollen los. Doch Napoleon suchte alles nach etwas Trinkbaren ab und erwischte die Flaschen mit den Bierneigen die Jörchy für ihnen bereitgestellt hatte. Das soff er alles auf ex aus und rief immer nur Feuer, Feuer es brennt wie die Hölle und hechelte dabei wie ein Straßenköter. Ob wohl Napoleon stürz betrunken war, rannte ehr wie ein Wiesel in Richtung Wandersleben wo es was zu trinken für ihn

gab. Wir räumten noch die Flaschen und Gläser

Zusammen und spotteten über unseren Napoleon den gesamten Nachhauseweg. Wie spät ist es eigentlich fragte ich Jörchy. Die Kirschturmuhr hat vorhin um zehn geschlagen, sagte er. Komm wir gehen noch eine Stunde in die Kneipe zu den anderen oder klaubst du etwa die sind schon im Bett. Sag mahl wollte Gottfried nicht noch Pilze nebenbei sammeln? Ja da gab es auch genug, aber die meisten davon kann man nur einmal essen und die anderen waren halluzinogen und man bekommt einen starken Rauch davon. Da waren noch ein paar große Steinpilze, aber die Waren auch fast alle wurmstichig, sagte ich zu Jörchy. Hallupilze klasse die müssen wir Morgen sammeln, lachte Jörchy. Warum fragte ich? Na für eine deftige Pilzsuppe was sonst. Die kannst du aber alleine essen, sagte ich. Nein die füttern wir Napoleon und wenn ehr einen schönen Rausch hat, reden wir ihm ein Er sei ein stolzer Hahn und schmücken ihn mit Federn, ziehen ihn ein paar rote Gummistiefel an und schicken ihn am Mittag durch das Dorf. Nun konnten wir uns das Schauspiel schon bildlich vorstellen und hielten uns bereits die Bäuche vor Lachen. Das Wirt eine Gaudi sagte ich und Jörchy

 

8.

Sagte nein das, können wir nicht machen, das geht zu weit, da hört der Spaß auf. Stimmt sagte ich sonnst kratzt er noch ab und uns ziehen sie die Eier lang. Aber die Vorstellung so einen Streich durchzuführen reizte uns doch, aber wir wussten zu wenig über solche Pilze und ihre Wirkung.

 

Am Kulturhaus angekommen, lachten wir immer noch, komm reiß dich zusammen sagte ich und öffnete die Tür zum Gastraum, wo auch wirklich alle wieder versammelt waren, bis auf Napoleon. Den hatten sie nach Hause in sein Bett gebracht denn der war bereits wieder stürz betrunken und soff nebenbei seine Wasserleitung leer. Was habt ihr mit dem armen Napoleon wieder angestellt, fragte uns sogleich der

Gastwirt, nichts Gisbert, wir waren das nicht. Der hat

 

9.

Alles allein getrunken sagte Jörchy, wir haben ihn nur eingeschenkt, wie es sich für gute Gastgeber gehört. Lachend ging er zum Tresen zurück und sagte dabei, ihr seit schon zwei Lumpenhunde. Wir tranken noch ein paar Bierchen und ließen so den Tag ausklingen. Nun machte ich mich wieder auf den Nachhauseweg und der Alkohol und die frische Luft taten wieder ihre Arbeit. Zuhause angekommen legte ich mich ganz schnell in mein Bett. Nun trete sich die ganze Welt um mich wie auf einen Karusel. Verdammt mir Wirt übel, dabei hatte ich doch heute gar keine Cola getrunken.

Kaum eingeschlafen hörte ich ein leises Pochen an meiner Tür was mit jeden Poch – Poch lauter wurde. Ach nee, wer kommt denn da noch mitten in der Nacht? Steh auf du alter Saufsack, hörte ich Jörchy rufen. Du spinnst wohl ich möchte mich einmal so richtig ausschlafen, wenigsten bis Mittag. Schau einmal auf die Uhr, es ist bereit um sechs Uhr abends vorbei und Napoleon liegt schon wieder im Bett denn der muss morgen wieder Arbeiten. Mit schwerem Kopf rappelte ich mich auf und stellte fest, dass sich die gesamte Welt immer noch um mich dreht. Wir gingen zum Badeloch herüber und ich zog mich aus um Baden zugehen. Du spinnst doch sagte Jörchy, ich friere schon beim Zusehen. Nach Ca. zwanzig Minuten kam ich putzmunter aus dem Wasser und wir gingen wieder zu mir und ich aß erst einmal ein paar Scheiben Brot und ein Stück Wurst. Nun diskutierten wir über den gestrichen Tag und uns fiel wieder ein das zwei Mühlberger mit im Kulturhaus saßen und angaben wie eine Tüte Mücken. Eine Kutschfahrt durch den Herbstwald und um die Wachsenburg wollten sie

 

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Machen mit ihren Frauen. Na da haben wir ja noch eine Woche, um ihnen die Suppe zu versalzen, lachte Jörchy teuflisch in sich rein. In laufe der Woche hatten wir in Erfahrung gebracht von wem sie sich die Kutsche mit den Pferden mieten wollten und wann sie losfuhren und wo lang. Für den Sonnabend hatten sie einen Tisch in der Gaststätte in Röhrensee für neun Uhr bestellt.

 

Wir waren mit den Fahrrädern zur richtigen Zeit am richtigen Ort. An einer für uns günstigen Stelle legten wir uns nun auf die Lauer und mussten warten, bis sie ankamen. Mein Gott sie bogen sogar mit einem Zweispänner um die Ecke zu dem Gasthaus. Der eine band die Pferde an und der andere gab ihnen Wasser und hängte ihnen den Hafersack um, damit sie fressen konnten. Nun folgten aus die Zwei ihren Frauen in das Gasthaus und unsere Stunde hatte geschlagen,

 

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Blitz schnell schütteten wir den zwei Gäulen ein paar Tüten Trockenhefe in ihre Hafersäcke und verschwanden wieder. Nun fuhren wir in Richtung Wachsenburg und legten uns auf dem halben Weg dorthin auf die Lauer und warteten darauf, dass sie kommen würden.

 

 

Es dauerte über eine Stunde ehr sie endlich angefahren kamen, die Hefe hatte bereits ihre volle Wirkung entwickelt und die zwei Gäule furzten um die Wette. Wir haben uns die Bäuche gehalten als wir sahen wie sie hinter den zwei fetten Pferdeärchen saßen und die Zossen regelmäßig in einen lauten lang gezogenen Ton um die Wette furzten und dabei so eine Truckwelle erzeugten das sich die Frauen ihre Haare föhnen konnten. Nun mussten wir uns auf die Räder schwingen und sie überholen, damit wir vor ihnen in Holzhausen

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Waren, denn hier wollten sie zu Mittag essen und die Pferdchen brauchten ja auch neue Hefe. Nun fuhren wir immer voraus und beobachteten sie mit dem Fernglas und mussten Mords mäßig laut lachen, als nur noch einer auf dem Kutschbock saß und die anderen in einen größeren Abstand der Kutsche folgten. In Sülzenbrücken wo man seinen Nachmittagskaffee genießen wollte war die Stimmung bei den Damen etwas gedrückt, denn man konnte auch hier durch das offene Fenster gut hören, wie der Pferde um die Wette furzten. Man wollte ursprünglich über Apfelstedt und Wandersleben zum Freudenthal, beschloss aber jetzt den kürzesten Weg über die Felder zu nehmen, denn den Gestank konnte auf die Dauer auch die härteste Nase nicht ertragen. Wir fuhren wieder voraus und setzten uns in das Freudenthal, um in aller Ruhe ein paar Bierchen zu zischen, denn der Radweg war anstrengend und machte durstig. Da die Damen hinter der Kutsche herliefen, dauerte es auch seine Zeit, bis sie am Freudenthal angekommen waren. Da sie jetzt auch ziemlich durstig waren und verschwitzt tranken sie die ersten paar Biere auf ex aus. Wir saßen am Nebentisch und konnten jedes Wort hören was sie mit ihren Männern sprachen und das war nichts Gutes. Sie stritten miteinander wer wohl auf die hirnrissige Idee gekommen sei eine Kutschfahrt mit Warmblutpferden zumachen die furzen können wie ein Orkan. Die zwei Männer drängelten schon, denn sie mussten ja das Pferdegespann rechtzeitig wieder abgeben. Aber ohne uns sagte die eine wir bleiben noch hier und fahren mit dem letzten Bus nach Hause, bringt ihr euere

 

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Hafermotoren schön allein zurück, denn ihr habt uns die Sache ja auch eingebrockt. Als die Zwei sich mit dem Furzgespann davon gemacht hatten, setzten wir uns mit zu den beiden Frauen an den Tisch.

 

Ich bestellte eine Flasche Wein und vier Gläser. Jörchy begann sofort die eine anzubaggern. Ich merkte, dass die beiden eigentlich ganz zugänglich waren und nichts dagegen hatten. Wir redeten miteinander und sie erzählten von der Pleite mit der Kutsche. Ihr Wart da bedeutend besser dran mit eueren Fahrrädern. Wir gaben ihnen Recht und bestellten noch eine Flasche Wein. Jörchy ging zur Toilette und kam ewig nicht zurück, als ich sehen wollte, wo er bleibt, kam er mir entgegen und sagte ich habe draußen erst einmal den Fahrplan von der Bushaltestelle geklaut, damit sie uns nicht so schnell davonfahren. Ich ging noch schnell auf

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Die Toilette und folgte Jörchy wieder an den Tisch mit den zwei Frauen. Wir scherzten miteinander und tranken noch ein paar Flaschen von dem süßen Wein. Nach fortgeschrittener Stunde schloss die Gaststätte und wir mussten zahlen. Vier Flaschen Wein nehme ich noch für unterwegs mit, sagte ich zu dem Kellner. Nun verließen wir das Freudenthal in Richtung Mühlberg, doch sehr weit sind wir nicht gekommen. Am Fuße des Burgberges stand ja eine Bank, wo wir uns erst einmal ausruhten und eine Flasche öffneten. Da wir keine Gläser hatten, reichten wir die Flasche so in der Runde herum. Jörchy wurde plötzlich ganz still und ich sah im Dunkeln gerade noch das Er der einen an der Brust herumspielte. Schau einmal an, dachte ich mir, was der kann, kann ich doch schon lange und versuchte mein Glück bei der anderen. Komm wir gehen ein Stück weiter rüber sagte sie leise in mein Ohr und es kam, was einfach kommen musste, danach bekleideten wir die zwei Frauen noch bis an den Dorfrand von Mühlberg und gingen den gesamten Weg bis zum Freudenthal zurück um unsere Fahrräder dort abzuholen. Auf dem Nachhausweg unterhielten wir uns noch über die Frauen, denn wir mussten jetzt feststellen dass wir sie noch nicht einmal nach den Namen oder die Adresse gefragt hatten. Da gibt es doch kein Wiedersehen, sagte Jörchy. Nu und antwortete ich ihm, die waren ohnehin viel zu alt für uns. In Wandersleben angekommen, rauchten wir noch eine Zigarette zusammen und verabschiedeten uns voneinander. Ich fuhr nach Hause und legte mich auch sofort in mein Bett, denn ich war hundemüde und die Augen vielen mir sofort zu.

Am anderen Tag gegen Mittag kam Jörchy zu mir und

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Sagte komm wir, machen einen Spaziergang auf die Wachsenburg. Ich aß noch zu Mittag und machte mich fertig. Wir wanderten gemütlich den so genannten Stangenweg entlang zur Wachsenburg.

 

Am Fuße der Burg angekommen setzten wir uns erst einmal auf eine Bank, die am Rande des Parkplatzes stand, und rauchten in aller Ruhe genüsslich eine Zigarette. Ich bin total durchgeschwitzt und habe eigentlich keine Lust noch den gesamten Berg Hochzukraxeln sagte ich zu Jörchy, da es auf dem Parkplatz einen kleinen Kiosk gab, wo man auch eine Flasche Bier kaufen konnte, ließen wir uns hier nieder.

Ich war gerade dabei mein zweites Bier aufzumachen als Jörchy sagte, schau einmal, was da kommt! Es waren mindestens fünfzig kreischende Kinder, die da den Berg herauf gelaufen kamen und einen Höllenlärm veranstalteten. Auch das noch, wo kommen die denn

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Her, fragte ich. Komm das müssen wir uns nicht antun sagte Jörchy und wir gingen weiter in Richtung Freudenthal, wo zu unserer Überraschung Molle mit Napoleon und Gottfried saß.

 

Sie waren für den Kulturbund unterwegs und überprüften die Bänke und Wanderwege im Wald auf ihren Zustand. Nun trank man wie gewöhnlich noch ein Bierchen. Hallo was macht ihr den hier, sagte Jörchy und wir setzten uns mit an den großen runden Tisch und bestellten uns gleich zwei Bier für jeden. Man hab ich einen Brand, sagte ich und trank das erste Bier auf einen Zug aus. Jörchy erzählte ihnen das Wir von der Wachsenburg kommen und das wir vor einer wilden Meute topenter Kinder geflohen sind. Das ist ja furchtbar sagte Gottfried, das kann ich auch nicht ertragen, obwohl ich Kinder sehr liebe. Nun fing Molle an zu lachen und sagte, Kinder lieben, ausgerechnet du!

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Gesotten und mit Sahnesoße vielleicht. Nun mussten wir alle über diese Bemerkung lachen. Ist schon spät sagte Gottfried und bezahlte wie fast immer die gesamte Rechnung und machte sich auf den Nachhauseweg. Molle schrie im noch hinterher, warte ich komme auch mit, ich will mir nur noch ein paar Zigarren kaufen. Und was machen wir noch mit dem angebrochenen Vormittag, lallte Napoleon. Mein lieber Mann, wie siehst du den wider aus, sagte Jörchy. Denn ehr hatte ganz blutunterlaufene Augen, war nicht gekämmt und sah aus als habe er schon seit Längeren kein Bett mehr gesehen. Leise sagte Jörchy zu mir, der braucht nicht mehr viel. Nein antwortete ich ihm, der ist jetzt schon voll bis zur Hutkrempe. Wir tranken noch in aller Ruhe ein paar Bier und langweilten uns dabei. Die Gaststube war heute ziemlich leer und irgendwie wollte auch keine Stimmung aufkommen. Wenn keine Stimmung herrscht, dann machen wir welche sagte Napoleon und begann zu singen, es war zwar nicht schön, aber dafür schön laut. Jörchy kroch heimlich unter dem Tisch und band ihm die Schnürsenkel zusammen und ich achtete darauf, dass sein Glas nie leer wurde. Doch irgendwie machte das heute alles keinen Spaß. Komm sagte ich, bezahlen wir, ich will heim. Morgen ist auch noch ein Tag. Am anderen Tag erfuhren wir im Dorf das Napoleon im Freudenthal am Tisch in die Hose gemacht habe weil ehr nicht aufstehen konnte. So schlimm hat der sich wieder besoffen erzählte uns eine ältere Frau. Ein Kellner aus der Gasstätte hatte gesehen, das ehr gar mörderisch auf die Schnauze gefallen sei, wo ehr aufstand und nach weiteren Hinsehen hatte man bemerkt das seine Beine zusammengebunden waren.

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Nein, sagte ich, wer macht den so etwas? Ich will ja keinen ansehen und vor allen keine Namen nennen, sagte der Kellner und sah uns dabei mit einen starren Blick an. Wir doch nicht sagte Jörchy, das würden wir uns nie herausnehmen. Ich kann mir das lebhaft vorstellen, wetterte die ältere Frau, ihr seit schon solche Lumpenhunde die nichts auslassen.

 

Bei uns hinter dem Haus lief ein kleiner Graben entlang, wo der Müller von gegenüber das Mühlgrabenwasser regulierte und die überschüssige Wassermenge ableiten konnte. An der stelle, wo dieser Graben unser Grundstück durchquerte, hatte mein Opa vor vielen Jahren einen kleinen Teich angelegt, damit seine Enten ein Bad nehmen konnten. Seit Jahrzehnten wurde an diesen Teich nichts verändert und er war auch schon total verschlammt. Nun hatten wir ihn trocken gelegt und wieder neu ausgeschachtet. Das Ufer hatten wir mit Holzpfählen und geflochtenen Weiteneste befestigt.

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Den gesamten Teichgrund hatten wir mit sauberen Kies ausgelegt. Nun mussten wir nur noch warten dass der Müller Feierabendmacht und wir unseren Teich wieder befüllen konnten. Am kommenden Morgen machten wir uns mit einen Netz und zwei Eimern auf den Weg in das Obere Wittschen, das am westlichen Dorfrand begann. Dort gab es einen Karpfenteich und der war prall voll so das Wir unsere Eimer schon nach kurzer Zeit voll mit großen Fetten Karpfen hatten. Diese Leckerbissen brachten wir natürlich in unseren neu angelegten Teich. Nach mehreren tagen harter Arbeit hatten wir eine ausreichende Menge Karpfen umgesiedelt und konnten sie jetzt unser eigen nennen. In der nächsten Zeit aßen wir Karpfen blau oder gebacken, gebratener oder geräucherter Karpfen. Doch schon nach kurzer Zeit konnten wir keinen Fisch mehr ertragen und verkauften sie verschiedenen Leuten aus Gotha, die wir irgendwann einmal kennen gelernt hatten. Die Nachfrage war groß und der Preis stimmte auch als mussten wir uns immer wieder neuen Nachschub aus den so genannten Pachtteichen besorgen. Unser Hantel blühte für eine kurze Zeit gut auf aber als Wirt alle mit Silvesterkarpfen versorgt hatten war das Geschäft abgeschlossen und wir nahmen schon Bestellungen für das nächste Jahr auf. Der Kommente Winter wurde lang und hart, die Pachtteiche gefroren bis auf den Grund und alle Karpfen erfroren oder erstickten auf dem Grund im Schlamm. Der Schaden war so groß, das nie wieder Karpfen in diesen Teichen gezüchtet wurden.

Es war ein wunderschöner Herbsttag als ich Jörchy zuhause abholen wollte führte mich mein Weg über den alten Sportplatz, an dessen Rand sich eine Kleine

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Müllkippe befand. Dort hatten die Leute allerhand Gerümpel weggeworfen. Ich schaute mich gerade dort um ob man noch etwas davon brauchen könne als mir Jörchy entgegen kam und sagte, da kann ich ja lange auf dich warten. Schau einmal da hat jemand einen halben Sack Gips weggeworfen. Denn können wir bestimmt noch für irgendetwas verwenden, sagte Jörchy und stellte ihn am Rande der Müllkippe ab und kam zurück.

Schau einmal dir das an, hier hat wohl jemand den Kleiderschrank seiner Oma ausgemistet. Da lagen alte Kleider, Handtaschen, Kopftücher, Unterwäsche usw. Man das ist doch das bare Geld sagte ich das kann man ja auch in den Altstoffhandel bringen. Daneben lag ein Berg mit alten Schuhen und Gummistiefeln. Hör mahl was ist denn das für ein Geräusch, sagte Jörchy und ich horchte auf, ich kann nichts hören antwortete ich ihm. Nach einer Weile sagte Jörchy, da ist es wieder. Nun konnte ich es auch hören. Komm wir schauen einmal, was das ist. Das Geräusch kam aus einem Garten, der sich neben der Deponie befand. Ach das ist Omkarls alte Ziege, die da herummeckerte. So ein dämliches Vieh sagte Jörchy, die hat uns ja glatt verarscht. Das hat die nicht um sonst gemacht, der verpassen wir einen Denkzettel, den sie so bald nicht vergisst, sagte ich. Wir warteten, bis es Abend wurde und der alte Omkarl seine Viecher gefüttert hatte und die Nacht hereinbrach. Nun sollte die elende alte Hippel ihr blaues Wunder erleben. Wir gingen in den Garten und zogen ihr ein paar alte Gummistiefel von der Müllkippe an und gossen sie mit dem Gips aus, damit sie besser passten und nicht verloren gehen konnten. Nun zogen wir ihr die alten Kleider an und banden ihr ein Kopftuch um. Man sieht

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Das Vieh jetzt bescheuert aus, sagte Jörchy und hielt sich den Bauch vor lauter Lachen. Ich habe eine gute Idee sagte ich lachend zu Jörchy. Nun brachten wir die Hippel zu Papstens Linda und tauschten sie gegen eine andere aus.

Die Ziege von Papstens Linda sperrten wir bei der alten Frau Polmann im Garten ein, wo sie ihr noch den restlichen Rosenkohl vom Stängel fraß. Am folgenden Morgen legten wir uns auf die Lauer und beobachteten Papsten Lina wie sie mit dem Eimer kam, um ihre Ziegen zu füttern. Sie stellte den Eimer ab und öffnete die Stalltür, wo auch sofort die bekleidete alte Hippel herauskam. Mein Gott, was ist denn das, schrie sie laut los. Und machte sich sofort auf dem Weg und holte den Herrn Pastor um ihn von dem Übel zu berichten. In der Eile hatte sie noch nicht einmal bemerkt, dass es gar nicht ihre Ziege war, sondern eine Fremde. Heulend und jammernd zog Linda ihr die Sachen aus und der

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Pastor befreite sie von ihren Gipsstiefel. Nun sagte Linda, das ist ja gar nicht meine liebe Ziege. Nun kam auch schon die alte Frau Rosa Polmann angelaufen und schimpfte, Linda kannst du denn nicht auf deine Ziegen aufpassen da ist schon wieder eine in meinen Garten und frist sich kugelrund. Nun fragte man im gesamten Dorf herum, wem die Ziege wohl sei, aber Omkarl hatte den Verlust noch nicht festgestellt, da er erst gegen Mittag seine Tiere fütterte. Und so blieb die alte Hippel noch bis zum Nachmittag bei Linda zu Gast.

Da im Dorf die Luft mal wieder ziemlich dick geworden war und Omkarls Sohn uns suchte beschlossen wir wieder einmal ein paar Tage in Gotha zu verbringen. Die Luft war hier so dick, das wir es vorzogen nach Neudietendorf zu laufen und dort den Zug nach Gotha zu nehmen. Obwohl das ein Umweg von mehr als zehn Kilometern war, erschien es uns sicherer. In Gotha angekommen, suchten wir auch sofort unseren alten Kumpel Jochen auf. Der hatte eine klein Mietwohnung und genügend Platz für uns zum Schlafen. Als ich bei ihm klingeln wollte, schaute seine Hauswirtin aus dem Fenster und schrie, was ihr schon wieder, verschwindet, sonst rufe ich die Polizei. Nanu, warum so sauer, fragte ich sie. Wohl eine schlechte Nacht gehabt, fügte Jörchy noch hinzu. Das geht euch gar nichts an, schrie sie wie von der Tarantel gestochen. Ich klingelte und sie schrie schon wieder, der ist so wie so nicht da, da könnt ihr klingeln, bis ihr schwarz werdet, keiverte sie schon wieder. Komm wir gehen in das Stadtzentrum, da werden wir ihn schon aufgabeln. Immerhin kannten wir ja die Plätze wo sich Jochen

 

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Meistens aufhielt. Man ist der Besen heute wieder aggressiv, ich klaube die braucht mal wieder einen zwischen die Beine, lachte Jörchy und fasste sich dabei in den Schritt.

 

In der Selbstbedienungsgaststätte zur goldenen Schelle trafen wir auch unseren Kumpel Jochen an. Ala er uns erblickte, schrie er schon vom Weiten, Jungs heute geht die Post ab. Wir begrüßten uns wie es üblich war und erzählten das uns seine Hauswirtin wieder bekeift hatte.

Jochen lachte laut los und sagte, die Doofe hat sich jetzt eine Rassehündin zugelegt und rennt damit den halben Tag durch die Stadt. Lachte ehr, schon wieder laut los, die Hündin ist läufig und die ganzen Straßenköter kommen ihr nachgerannt und die Alte rafft einfach nicht warum. Als wir gegen Abend mit zu Jochen gingen, war die weiße Pudelhündin im Garten hinter dem Haus und wälzte sich im Gras. Vor dem

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Gartenzaun trieben sich ein paar verdammt räudig aussehende verflöhte Straßentölen herum. Jörchy nahm sofort einen dieser kleinen struppigen Köter und warf ihn über den Zaun und sagte dabei, komm kleiner mach dir ein paar schöne Stunden. Jochen lachte und sagte dabei, auf dass sie lange Hälse kriegen. Nun betraten wir still und leise Jochens Wohnung und stellten uns hinter das Küchenfenster, wo man einen fantastigen Blick in den Garten hatte. Von der Straßenseite aus schauten ein paar Passanten durch den Zaun dem Treiben der Hunde zu. Die Hauswirtin kam mit einen kleinen Fressnapf in den Garden und rief, na, wo ist denn das liebe Hundi. Einer der Straßenpassanten lachte und schrie, na, da. Mach einmal deine Augen auf, da siehst du ihn sogar im Doppelpack. Die Hauswirtin begann nun wieder zu keifen, mein armes Hundi! Was hat man mit dir gemacht? Der alte böse Köter hat dich geschändet. In der Zwischenzeit waren noch mehr Passanten zusammengelaufen, um zu sehen, was da gerade los war. Die Hauswirtin versuchte ganz verzweifelt mithilfe eines Laubrechens den Straßenköter aus ihren Garten zu jagen. Der Köter musste gar furchtbare Prügel einstecken, aber von seinen Geschäft war er nicht abzubringen, bis er endlich fertig war. Von der Straßenseite tönte nur Gelächter und Spott herüber. Eine Stimme rief von der Seite, sei bloß nicht futterneidig, weil die Hunde mehr Sex an einen Tag haben als du im gesamten Jahr. Nun lachten alle wieder und verhöhnten sie, bis sie fast einen Herzkasper bekam und nur noch nach Luft schnappte. Nun öffnete sie sich den obersten Knopf ihrer Bluse und sank wie ein Fragezeichen auf der Gartentreppe zusammen und

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Bekam einen Weinkrampf. Als wir nach Monaten wieder einmal Jochen besuchen wollten, keifte sie uns schon wieder von der Seite. Jörchy sagte zu ihr, da hast du schon die hässlichsten Köter im Garten aber immer noch nichts daraus gelernt. Nun wurde sie ganz still und nachdenklich und keifte uns nie wieder an. Nach geraumer Zeit nahm sie sogar an unseren Partys teil und hatte eine ganze Menge Lebenslust zurück gewonnen.

 

Wir saßen wieder in der Nähe des Kulturhauses auf unseren Bank und sprachen über alte Geschichten, die wir schon erlebt hatten. Kennst du noch den Kikinger und den Marzahn, fragte Jörchy? Natürlich, wegen dem wollte man mich einmal in ein Kinderheim bringen, antwortete ich auf Jörchy’s Frage. Wie dass denn wollte er wissen? Es war an einen schönen warmen Sommertag, ich war gerade am Badeloch und ärgerte die Kinder als im gesamten Dorf die Sirenen

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Losheulten, die machen eine Übung sagte mir und wollte zuschauen. In Windeseile rannte ich zum Spritzenhaus, wo sich alle Feuerwehrmänner versammelten. Sie zogen den alten Spritzenwagen heraus und treten ihn in Fahrtrichtung. Nun kam auch schon der Feuerwehrhauptmann Horst Ullrich mit einem Trecker angesaust und man hängte den Spritzenwagen an. In Windeseile fuhr Horst, den sie im Dorf nur alle Huschke nannten in Richtung Gutshof, wo schon von Weiten die Rauchwolken zu sehen waren.

Nun rannten alle Feuerwehrmänner die noch vor Ort waren den Spritzenwagen hinterher. Mittlerweile hatten sich schon viele Passanten und Kinder in der Nähe der Brandstelle eingefunden, um zu schauen, was da überhaupt in Flammen stand. Das Feuer war einfach riesengroß, eine große volle Scheune mit einem Kuhstall in der unteren Etage stand in Flammen. Nun ertönten die nächsten Sirenen, die freiwillige Feuerwehr von Mühlberg und Wechmar waren zur Unterstützung fast gleichzeitig eingetroffen. Sie begannen sofort damit ihre Schläuche auszurollen und brachten die Pumpen in die richtige Position. Da es zu dieser Zeit noch keine Hydranten im Dorf gab, musste man das Wasser aus dem Ca.600m entfernten Mühlgaben und der Apfelstedt, die noch weiter entfernt war. Nun folgte eine Explosion nach der anderen in der Scheune und fachte das Feuer weiter an. Wie man bei späteren Ermittlungen festgestellt hatte, waren da verbotenerweise Benzinkanister und Farbbehälter gelagert. Nun ertönten schon wieder Sirenen und eine weitere Feuerwehr und die Polizei traf ein. Wir wurden sofort von den Polizisten weiter nach hinten abgetränkt

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Damit wir die Löscharbeiten nicht behinderten. Ich hörte, wie einer der Feuerwehrmänner sagte, die Karnickel müssen sofort getötet und Not geschlachtet werden, die waren zu lange der hohen Hitze ausgesetzt und hatten zum Teil schon verkohlte Pfoten.

 

Einer der Nachbarn hatte es geschafft wenigsten das Pferd und die Kühe noch schnell heraus zutreiben als ehr den Brand bemerkt hatte und gab sofort Alarm. Die Flammen schlugen jetzt so hoch, das sie zusammen mit dem Qualm noch in Kornhochheim zusehen waren und noch mehr Schaulustige herbei lockten. Die Hitzeentwicklung war enorm groß und man kam nicht so nah an den Brandherd heran wie es optimal gewesen wäre. Nun begann man damit die Nebengebäude einzuwässern, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Man pumpte in stundenlanger Kleinarbeit tausende Liter Wasser auf den Brandherd, doch das

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Feuer wütete weiter und war einfach nicht unter Kontrolle zu bringen. Es herrschte ein wildes Treiben um die Brandstelle und alle gaben ihr Bestes. Plötzlich kam Rieschart unser Dorfpolizist zu mir herüber und sagte komm mit in das Dienstzimmer, ich habe ein ernstes Wörtchen mit dir zu reden. Ganz erschrocken fragte ich warum. Ich hatte ja vorher am Badeloch wieder alle geärgert und dachte dass sich schon wieder einer bei Rieschart beschwert habe. Im Dienstzimmer angekommen, sagte Rieschart, setz dich. Ich nahm mir den alten Stuhl, der vor seinen Schreibtisch stand, und rückte ihn mir zurecht, um darauf Platz zu nehmen. Das habe ich auch schon einmal schneller gesehen, sagte der Polizist mit erhobener Stimme. Was hast du dir denn dabei wieder gedacht, fragte ehr mich? Da ich annahm das er meine neuesten Streiche meinte, die ich am Badeloch wieder abgezogen hatte, antwortete ich ihm. Ich hatte lange Weile, da ist mir eben nichts Besseres eingefallen. Und da hast du einfach die Scheune angezündet, fragte Rieschart kopfschüttelnd. Nein ich war das nicht, sagte ich zu ihm. Der Marzahn hat dich aber dabei gesehen, du kannst es also zugeben. Nein sagte ich, ich war am Badeloch zum Baden. Nun wollte er wissen, ob das jemand gesehen habe. Ja sagte ich und zählte die Namen der Kinder und Jugendlichen auf die alle mit am Badeloch zum Schwimmen waren. Rieschart las mir jetzt die Aussage des Marzahn vor, der hatte mich beschuldigt, ich hätte mit einen Brandpfeil die Scheune in Brand gesetzt. Später stellte sich heraus, dass er es selber war. Den Schaden, den er damit angerichtet hatte, war enorm hoch und seine Strafe dafür erschreckend gering. Zu diesen Zeitpunkt

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War er einfach noch zu Jung um in eine Besserungsanstalt oder eine andere Einrichtung zu gehen. Und auch Rieschart musste lernen, das ich nicht der einzige Sauhund im Dorfe war.

 

Trotz dieser Vorkommnisse blieben die Scheunen unsere Lieblingsspielplätze, denn es machte immer wieder einen Riesenspaß in Heu und Stroh herumzutollen.

Letzter Schultag, endlich hatten wir den letzten Schultag vor den großen Ferien. Wir hatten beschlossen uns ein Zeltlager einzurichten. Diesmal waren wir wirklich verdammt viele Jungs, die daran teilnehmen wollten und weil unser kleines Zelt unmöglich ausreichte, sprach ich mit dem Pionierleiter darüber und bad ihn uns ein großes DRK-Zelt für die Ferien auszuleihen. Natürlich sagte er mit stolzgeschwollener Brust, ihr müsst das Zelt bei Oskar Bunzel abholen, der

 

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Hat die DRK-Zelte in Verwahrung! Einen Moment noch rief er hinterher, ich gebe dir eine Vollmacht mit. Es muss ja alles seine Ordnung haben, sonst kann ja ein jeder aus dem Wald kommen und sagen er sei der Förster. Ich ging mit in das Zimmer des Pionierleiters und bekam die besagte Vollmacht. In einer Ecke hinter dem Schreibtisch lagen vier nagelneue große Zelte aufgestapelt und acht neue Luftgewehre waren daran angelehnt. Das ist für die neue GST- Gruppe, die im Wald ein Sommerlager errichten wird, sagte der Pionierleiter zu mir und wir verließen sein Zimmer wieder. Ich bedankte mich noch einmal für das Zelt und brachte meinen Schulranzen nach Hause, wo ich ihm einen Tritt verpasste das er bis in die nächste Ecke flog. Sofort wollte ich mich auf den Weg machen, um das Zelt zu holen, doch meine Mutter hielt mich an der Schulter fest und sagte zu mir. Junge es doch erst einmal zu Mittag wie die anderen Jungs auch und vor um drei bekommt ihr das Zelt sowieso nicht. Warum das den fragte, ich erstaunt? Na das ist ganz einfach, der Herr Bunzel muss ja bis um zwei am Bahnhof arbeiten und wenn er nach Hause kommt, möchte er ja auch erst sein Mittagessen in aller Ruhe genießen. Verdammt sagte ich und setzte mich an den Küchentisch wo meine Mutter schon für das Mittagessen eingedeckt hatte. Oh klasse es gab Schnitzel mit Blumenkohl, das war eines meiner Leibgerichte, da konnte ich wieder so richtig zuschlagen. Als der Bauch voll war, hielt mich nichts mehr auf meinen Stuhl und ich ging sofort die anderen Jungs abholen. Die meisten waren noch damit beschäftigt ihre Campingsachen herzurichten. Ich ging mit Winfried Bunsel und einen kleinen Handwagen zu

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Oskar. Sag einmal? Ist Oskar mit dir verwand. Nein, warum? Na ihr heißt beide Bunsel mit dem Nachnamen. Den Name Bunsel gibt es vier oder fünfmal in Wandersleben und die sind alle nicht miteinander verwand, sagte Winfried zu mir.

 

Die anderen Jungs gehen all schon zum Badeloch und bereiten die Zeltstelle vor, sagte ich. Endlich waren wir bei Oskar Bunsel angekommen und Winfried klopfte laut an das Hoftor. Ich komme hörten wir eine Stimme rufen und bald danach öffnete sich die Tür. Als der alte Oskar mich erblickte, sagte er was willst du Satansbraten denn hier? Das große DRK-Zelt holen sagte ich zu ihn und gab ihn die Vollmacht. Das habe ich gerade neu färben und inbrägnieren lassen, also behandelt es ordentlich, wie es sich gehört. Ja machen wir sagte Winfried und wir fuhren damit in das Wittschen. Kaum am Badeloch angekommen war das Zelt auch schon

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Aufgestellt. Nun richteten sich alle ihre Schlafstellen ein und ich baute mit Jürgen Spittel ein Steinkreis für ein

Lagerfeuer und sammelten die nötige Menge Feuerholz. Nun kam Günter unser Koch mit Töpfen und Pfannen bewaffnet angelaufen und schrie schon von weiten, kann mir jemand mal helfen, das ganze Zeug ist schwer.

Günter war etwas korpulent und aufgeweckt, es machte immer ein Riesen Spaß mit ihm etwas zu unternehmen. Er war der Einzige der von uns etwas mehr, wie nur Bratkartoffeln zaubern konnte, und war deshalb bei uns immer willkommen. Weil Günter gerne aß und etwas dicklich war und dazu noch den Nachnamen Ambrosius besaß, bekam er von irgendjemand einmal den Spitznamen, Brodzahn verpasst. Diese Spitznahme sollte Günter nie wieder loswerden, der haftet noch heute an ihm wie ein böser Fluch.

Alle wuselten durcheinander und trafen die Vorbereitungen für die nächsten Tage. Wer fertig war, ging herüber zum Baden oder half den anderen. Ich hatte mit Günter die Kochstelle eingerichtet und wir gingen zum Baden, ich bin nur am tag hier, sagte Günter zu mir. Im Zelt war es auch schon ziemlich eng geworden, denn es kamen doch mehr Jungs wie erwartet. Das war am Anfang ja immer so und nach ein paar Tagen waren nur noch zwei oder drei Hanseln da. Was sich auch diesmal wieder zeigte, denn nach einer Woche waren wir nur noch zu dritt. Winfried Bunsel, ein Junge, der immer Hunger hatte und Unmengen an Lebensmitteln verdrücken konnte trieb uns buchstäblich an den Bettelstab. Als wir schliefen, machte er sei n zweites oder drittes Abendessen. Da das Badeloch mit unserer Campingstelle fast vor unserer Haustür lag kam

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Unsere Katze da auch regelmäßig vorbei und bekam von Winfried immer die Schalen der Wurst ab. Eines Morgens, als wir aufwachten und auch etwas essen wollten, gab es für uns nur noch die Reste, die der Fresssack nicht geschafft hatte. Als wir ihn zur Rede stellten, behauptete er es sei unsere Katze gewesen und er habe sie dabei ertappt. Das kannst du einen erzählen der seine Hosen mit der Kneifzange anzieht, schrie Jürgen und begann damit seine Sachen einzupacken. Was soll das denn werden, fragte ich ihm? Mir ist die Lust auf Camping vergangen, sagte er und nahm seine gesamten Sachen und ging nachhause. Winfried sah mich an und sagte, wenn ihr mir nicht glaubt, dann kann ich ja auch gehen und lies mich mit dem Zelt allein zurück. Tagsüber war ja alles in Ordnung und das Badeloch war gut besucht, aber alle die ich fragte ob sie mit campen wollen konnten aus den verschiedensten Gründen nicht. So eine Scheiße dachte ich mir, Jörchy mein bester Kumpel war noch im Ferienlager und würde erst übermorgen zurückkommen. Nun musste ich nur noch die Zeit so angenehm wie möglich verbringen. Ich begann mich wieder an die Mädchen heranzuschleichen und spielte ihnen den einen oder anderen Streich. Doch irgendwie machte es mir keinen richtigen Spaß. Jörchy fehlte mir hinten und vorn, es war einfach nicht dasselbe und es kam auch keine richtige Schadenfreude auf. Und so verging die Zeit nur schleppend. Endlich war es, soweit, Jörchy kam mit seiner Campingausrüstung in das Wittschen, und wir begrüßten uns zuerst einmal innig und Jörchy sagte ich habe das kleine Zelt mitgebracht. Klasse das Bauen wir

 

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Wieder auf die kleine Lichtung in dem Busch auf. Das kleine Zelt ist auch fiel gemütlicher als das große Ding, sagte Jörchy. Wir richteten uns häuslich ein und hielten uns aber noch tagsüber in dem großen Zelt auf. Es machte nun wieder doppelt so viel Spaß wie vorher, wir machten unsere Späßchen und hatten immer gut lachen. Um ein paar Ecken herum erfuhren wir das die großen Jugendlichen aus dem Dorf uns nachts heimsuchen wollen, um uns einmal so richtig Angst einzujagen. Da es vorwiegen Lehrlinge und Studenten waren, hatten sie nur am Wochenende Zeit für so eine Aktion. Die sollen nur kommen, sagte ich zu Jörchy und lachte dabei. An dem besagten Sonnabend schlichen schon die Ersten gegen Abend im Wittschen herum um uns auszukundschaften. Jörchy sah mich an und sagte zu mir, man sind die wieder unauffällig und grinste. Als die Kundschafter wieder weg waren, schlugen wir alles kleine Pfähle in die Erde und verbanden sie mit den trat eines Weidezaunes, den wir uns in der LPG besorgt hatten. Das waren prima Stolperfallen und wir legten genug davon an und legten jede Menge Dornen äste aus, damit sie auch etwas zum Reinfallen hatten. Bei Papstens Linda und in den Gärten die sich am Rande des Wittschens befanden sammelten wir alle Rechen und Hacken ein die einen langen Stiel hatten und legten sie rund um das Zelt aus. Heute machten wir nur ein kleines Lagerfeuer, das nur die Gegend um das Zelt erhellte. Im Zelt lief leise ein kleines Taschenradio und erweckte den Anschein, dass wir im Zelt lagen und schliefen. Etwas abseits am Rande der Apfelstedt hatten wir es uns auf einen kleinen Hügel bequem gemacht. Von hier kannte man die gesamte Lage am besten

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Überschauen. Da es heute einen schönen Neumond gab, hatten wir auch ein angemessenes Sehfeld und lachten uns eins in das Fäustchen, als sie kamen und über unsere Stolperdrähte sielen und sich die Dornen dabei einrammten. Andere hatten auf einen Rechen getreten und den Stiel vor den Kopf bekommen und schien laut au, was ist denn das bloß.

 

 

Wir bissen uns auf die Finger um das Lachen zu unter- drücken, doch es half alles nichts, wir konnten einfach nicht anders und lachten laut los. Als sie das Gelächter vernahmen, gaben sie ihr Vorhaben auf und verschwanden wieder. Wir konnten noch eine Stimme durch das Dunkel hören, die sagte komm wer weiß, was uns hier alles sonst noch erwartet. Das war ein Sieg auf der gesamten Linie und wir gingen zufrieden in unser kleines Zelt und schliefen bis zum anderen Morgen. Komm wir schwimmen erst einmal ein paar Runden,

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Damit wir munter werden, sagte Jörchy und ging voraus zum Badeloch. Da waren wir um diese Zeit immer die Ersten und hatten schon unser Stammplatz, wo wir unsere Decken auslegten. Die sonn schien bereits ziemlich heiß und wir lagen auf der Decke und aßen unser Frühstück, als die ersten Mädchen zum Baden kamen und sich ungeniert vor uns umzogen. Jörchy fragte ob sie etwas zu Trinken mitgebracht haben. Ja natürlich sagte die eine, es ist aber nur Tee. Ich bin der Meinung, den kann man immer trinken, egal wie warm oder kalt er ist. Stimmt sagte ich, dann gib ihn mal schön her, ich habe durst wie ein Pferd. Sie gab mir ein Becher voll und sagte der ist aber ohne Zucker. Pfui – Teufel, sagte ich das kann ja kein Hund saufen, denn kannst du für dich behalten, sagte ich zu dem Mädchen. Sie nickte und sagte, eben. Das hat die mit Absicht gemacht damit wir ihr nicht wieder alles Wegsaufen. Ein paar andere Jungs erzählten das Sie ab dem Montag in das GST-Sommerlager müssten, um eine Vormillitärische Übung abzuhalten und das dauert Ca. eine Woche. Dann sind wir ja mit den Weibern allein hier, rieb sich Jörchy die Hände und fasste sich dabei in den Schritt wie es so seine Art war und lachte vor sich hin wie ein Honigkuchen. Ich erzählte ihn das die ganz neue Luftgewehre bekommen haben und wo sie standen. Jörchy sagte zu mir, was wollen die den damit. Die können wir doch viel besser gebrauchen. Nun waren wir den Rest des Tages damit beschäftigt einen Plan zu erarbeiten, wie wir unbemerkt an die Luftbuchsen herankamen. Als die Dunkelheit einbrach

schlichen wir zur Schule und kletterten durch das Kellerfenster in das Gebäude. Von dort konnte man

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Ganz leicht in das Zimmer des Pionierleiters gelangen, wo die begärten Luftgewehre standen.

 

Sie lehnten immer noch an den aufgestapelten Zelten an und waren nach wie vor mit Ölpapier eingeschlagen. In Windeseile wickelten wir zwei stück aus und wickelten zwei Knüppel, die wir mitgebracht hatten, in das Ölpapier ein, damit die Stückzahl stimmte wenn jemand in das Zimmer Schaute. Jörchy öffnete leise einen Schrank und sagte hier ist ja noch mehr davon. Ich schaute nach, klasse da waren schachtelweiße Kugeln, schießen, bis die Rohre glühten. Wir hatten noch ein altes Magazine und alte Luftgewehre so wie Kugelfangeinrichtungen und Zielscheiben. Das war ja ein Paradies für Spitzbuben dachte ich heimtückisch und wir packten ein, was wir brauchten und tragen konnten. Im Wittschen bauten wir einen Schießstand auf und übten Luftgewehr zuhause, was ich mitgebracht hatte

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Um es vorzuzeigen, falls jemand fragen, würde mit was wir da schießen. Natürlich blieb der Diebstahl nicht lange unbemerkt und man war besonders sauer über die zwei Knüppel die da jemand rotzfrech in dem Ölpapier eingewickelt hatte. Da uns der Boten jetzt zu heiß wurde, versteckten wir die Gewehre erst einmal in einer alten Feldscheune am Dorfrand in Richtung Apfelstedt. Nun widmeten wir uns wieder dem Baden und den Mädchen zu.

Hast du Lust, die ein paar Mark zuverdienen, fragte mich Jörchy? Immer, um was geht es? Von Ben die Nachbarn bauen in Sonneborn ein neues Zweifamilienhaus und suchen noch Handlanger für den Bau. Was müssen wir da machen, fragte ich? Steine schleppen, Mörtel anrühren und auf die Baustelle bringen, eben alles, was so anfällt. Und wie ist die Bezahlung fragte ich neugierig, denn das ist ja das Wichtigste. Zwölfmarkfünfzig in der Stunde und zehn Stunden arbeiten wir am Tag. Wie lange soll das insgesamt dauern? Oh, ein halbes Bis ein dreiviertel Jahr, antwortete mir Jörchy. Gas sind ja zweihundertfünfzig Mark am Wochenende und eintausend im Monat, das macht ja sechs bis achttausend zusammen, da kann man nicht nein sagten, erwiderte ich. Aber wo weist du das denn her? Ich habe gestern Abend noch Ben getroffen, er stand mit seiner Schwester auf dem Bahnhof in Gotha, übrigens von der soll ich dich auch schön grüßen. Wie geht es Eva, fragte ich, Jörchy? Sie ist wider solo, ansonsten sah sie verdammt gut aus. Ich hatte sie ja auch schon lange nicht mehr gesehen und da ich auch gerade solo war, freute ich mich besonders darauf meine alte Freundin

 

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wieder zusehen. Schlafen können wir wieder bei Ben, das habe ich schon klar gemacht, sagte Jörchy zu mir.

Ben wohnte ja auf einen großen Bauernhof und hatte Platz ohne ende. Wir sammelten uns ein paar alte Klamotten, die man an der Arbeit anziehen, konnte zusammen und packten noch ein paar Gummistiefel mit ein. Hast du Regensachen mit eingepackt, fragte mich Jörchy, denn man konnte ja nie wissen, wie das Wetter wird. Nein noch nicht, was willst du eigentlich alles noch mitschleppen, fragte ich? Na alles, was wir brauchen! Da brauchst du ja einen Handwagen oder den Fahrradhänger von Karlchen, sagte ich spöttisch und lachte dabei. Es ist warm und bei Regen arbeitet sowieso kein Schwein auf dem Bau, sagte ich. Du hast Recht, die Regensachen kommen nicht mit, erwiderte mir Jörchy. Wir stellten unsere Sachen griffbereit hinter

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Die Tür, damit es am Sonnabend früh dann schnell ging, und gingen in das Witschen an das Badeloch. Dort saßen schon einige Jungs mit einem Kasten Bier an einen Lagerfeuer und grillten Würstchen am Stock. Rudi Grossmann, ein Mann in den besten Jahren hatte sich mit niedergelassen und erzählte den Jungs von den Streichen, die ich mit Jörchy im Dorf schon so manchen gespielt hatte. Wir schlichen uns langsam heran und lauschten den Ehrzählungen. Denn wenn Rudi etwas konnte, dann war es spannende Geschichten zu erzählen und dabei maßlos zu übertreiben. Alle Jungs hörten ihm gespannt zu und einer sagte, das soll alles wahr sein und zweifelte an Rudis Worten. Wir hatten uns in der Zwischenzeit aus dem Dunkel der Nacht herangeschlichen und nutzten aus das alle von dem Feuer geblendet waren, um ihnen den Kasten Bier zu klauen. Wir hatten uns gleich hinter den ersten Buch gesetzt und eine Flasche Bier geöffnet als wir hörten wie ein Junge sagte wo ist denn das Bier hin? Nun suchten alle die Umgebung ab. Rudi sagte in aller Ruhe Winny komm her raus, ich habe auch durst. Lachend kam ich jetzt mit Jörchy hinter dem Buch vor und fragten, ob noch jemand durst hat. Als der Erste nach dem Bier suchte, konnte ich mir schon denken, dass ihr wieder zugeschlagen habt, sagte Rudi mit einem Grinsen im Gesicht. Die anderen wollten von uns wissen, wie wir das gemacht haben. Wir unterhielten uns noch bis spät in die Nacht rein und gingen erst nachhause, als das letzte Bier alle war. Am anderen Morgen erwartete mich Jörchy schon am Bahnhof, denn wir mussten mit dem ersten Zug fahren, damit wir pünktlich auf der Baustelle waren. Bei Ben zogen wir uns um und gingen

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Sofort auf die Baustelle des Nachbarn. Ich wollte gleich wissen was wir für eine Arbeit zuerst erledigen sollen und ob das mit dem Stundenlohn von Zwölfmarkfünfzig in Ordnung geht. Da habt ihr was in den falschen Hals bekommen, das bezahle ich den Maurern. Hilfskräfte bekommen bei mir höchsten Achtmark. Achtmark, sagte Jörchy da hat ein jeder von uns auch noch Einhundertsechzigmark in der Tasche an jedem Wochenende. Enttäuscht sagte ich, na ja das ist besser als gar nichts und wir schleppten den ganzen Tag schwere Hohlblocksteine in den ersten Stock und stapelten sie in der Mitte auf damit die Maurer in einen Zug die Wände hochziehen konnten. Am Sonntag schleppten wir die gesamten Dachtiegel, Dachlatten und die sonst noch benötigten Materialien auf dem Dachboten. Jörchy fragte den Bauherren nach unseren Lohn, denn das Wochenende war herum und wir bekamen bis jetzt auf allen Baustellen unseren Lohn. Der Bauherr sagte, den Lohn zahle ich immer am Monatsende, hat euch das keiner gesagt. Nein sagte ich und wir räumten noch die Baustelle auf und machten den Mischer und das Werkzeug sauber. Wir hatten an den zwei Tagen Sechsundzwanzigstunden schwer gearbeitet und fuhren jetzt mit dem vorletzten Zug nachhause. Es war Montagmorgen, ich wollte gerade aus meinem Bett steigen, als ich einen mörderischen Krampf bekam und vor lauter Schmerzen kaum wusste, wie ich gehen sollte. Ich hatte einen Riesen Muskelkater von der verdammten Schlepperei. Jörchy kam gegen Mittag angehumpelt und hatte dasselbe Problem wie ich. Wir nahmen eine Decke und gingen an das Badeloch um uns zu erholen. Wir lungerten die

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Kommenden Tage im Witschen herum und kurierten unseren Muskelkater aus. Sonnabend waren wir wieder pünktlich um sieben in der Frühe auf der Baustelle und staunten, da das Dach bereits Komplet fertig war. Der Bauherr sagte zu den Maurern, laut Wetterbericht soll es Regen geben. Ich klaube es ist besser, wenn wir heute Innenausbau machen, die Bäder und auch alle Elektroinstallationen sind in dieser Woche von der Firma Luchs bereits fertig gestellt wurden. Ihr könnt also ungehindert den Innenputz auftragen. Jörchy wurde an den Mischer eingeteilt und musste den Innenputz anmischen. Das war auch wieder so eine Knochenarbeit. Du bringst den Mörtel zu den Maurern, sorg dafür, dass denen ihre Kübel immer gut gefüllt sind. Jörchy mischte, wie ein Weltmeister und ich schleppte wie ein Esel. Die Maurer arbeiteten wie die

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Geisteskranken und wir kamen mit den mischen nicht nach. Speis brüllten sie laufend, so nannten sie den Mörtel. Speis immer wieder Speis hörten wir sie rufen. Jörchy sagte zu mir, den gebe ich Speis. Die rufen nie wieder Speis. In den nächsten Mischungen machte Jörchy ein bis zwei Schaufel Grobkies mit hinein und die Maurer hatten ein Problem. Es war unmöglich mit den groben Kies in der Mischung einen dünnen Putz aufzutragen und sie mussten die Steinchen mit den Fingern oder der Kellenspitze wieder herauspulen.

Nun quollen ihre Kübel alle fast über und unser Mischer war immer voll, sodass wir sogar das erste Mal Zeit hatten für eine Zigarettenpause. Einer der Maurer kam zu uns und sagte, Jungs ihr könnt jetzt wieder normal mischen. Wir haben es begriffen. Nun ging alles einen Gang langsamer und die Maurer waren nach elf stunden

Fertig mit dem Innenputz. Wir räumten noch die Baustelle auf und reinigten den Mischer sowie die Kübel mit dem Werkzeug der Maurer. Es waren wieder Gute dreizehn stunden Arbeitszeit geworden und wir gingen hundemüde mit Ben nachhause. Dort duschten wir erst einmal in aller Ruhe und zogen uns um. Ben sagte ich gehe noch für eine Stunde in die Kneipe! Wer kommt mit, fragte er? Jörchy schaute mich an, doch ich schüttelte den Kopf und sagte, also Jungs ich bin hundemüde. Sie gingen beide in Richtung Wirtshaus und ich ging auf mein Zimmer, setzte mich an das offene Fenster um noch eine Zigarette vor den Schlafen gehen in aller Ruhe zurauchen, klopf – klopf ertönte es von der Tür und eine leise Stimme sagte ich bin es. Darf ich hereinkommen. Natürlich sagte ich. Denn ich hatte Eva schon lange nicht mehr gesehen und freute mich

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Riesig auf unser Wiedersehen. Die Tür öffnete sich und sie trat ein. Ich starrte sie an und sagte zu ihr, du siehst

Verdammt gut aus. Du hast dich ja kaum verändert. Sie war reifer geworden und nicht mehr so albern und verspielt wie Früher.

 

 

Wir unterhielten uns über die verschiedensten Dinge und meine Müdigkeit war plötzlich wie weggeblasen. Eva war bildschön und ich verliebte mich wieder in sie. Wir redeten noch die halbe Nacht und landeten wieder im selben Bett. Als gegen sechs der Wecker klingelte, war ich noch hundemüde und hätte mich am liebsten wieder umgedreht und weiter geschlafen. Aber der Bauherr hatte gestern verlauten lassen das er uns heute zum letzen Mal brauchen würde und das bedeutete auch Zahltag. Wir arbeiteten wieder am Mischer und rührten Mörtel an wie die Weltmeister. Zwei Maurer waren auf

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Das Dach geklettert um den Schornstein fertig zu stellen. Nun durfte ich arme Sau denen den Mörtel und die Steine bis auf das Dach hoch schleppen. Mit de fünften Fuhre oben angelangt, sah ich wie die Maurer eine Glasscheibe in den Schornstein einmauerten. Was ist denn das, fragte ich. Alte Handwerks Tradition, sagte der eine und der andere Maurer sagte, wenn sich der Bauherr lumpen läst und die Leute zum Schluss nicht vollständig und genau wie abgesprochen auszahlt, bleibt die Scheibe im Schornstein und er kann nicht heizen. Wenn er aber gut bezahlt, sagte der andere, da geht einer von uns unauffällig auf das Dach um seine Arbeit noch einmal zu begutachten und lässt heimlich einen Stein in den Schornstein fallen, der die Scheibe zerstört und die Heizung haut hin. Das erzählte ich Ben und Jörchy! Jörchy kannte solche Traditionen von seinen Opa Karlchen, der hatte ihn schon einiges über den Bau erzählt. Nun kamen wir auch auf die Idee uns eine Rückversicherung einzubauen. Ich besorgte von Bens Hof einen alten Ball, der da schon lange ungenutzt in einer Ecke lag und stopfte ihn in das Abflussrohr der Klärgrube, so das der Ball schon kurz danach unter der Wasser Oberfläche war und nicht mehr gesehen werden konnte. Nun musste die Klärgrube irgendwann überlaufen, sei dem man wusste von den Ball und zog ihn mit einen Haken heraus. Ben und Jörchy hatten kaputte Flaschen besorgt und mauerten die abgebrochenen Flaschenhälse auf der Wetterseite mit in die Fugen ein und verputzten sie anschließend sauber, so damit man sie nicht von unten aus sehen konnte. Wenn nun der Wind ging, wirkten die Flaschenhälse im Mauerwerk wie pfeifen und gaben

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Laute Töne von sich, sei dem man wusste davon und verstopfte die Flaschenhälse mit etwas Mörtel. Auf diese Art und weiße hatten die verschiedenen Handwerker ihre Rückversicherung hinterlassen. Heute war bereits gegen achtzehn Uhr Feierabend und wir warteten auf unser Geld. Wir hatten uns genau ausgerechnet wie viel ein jeder bekommen würde. Es waren genau fünfzig Stunden und ein jeder müsste Vierhundertmark bekommen. Wir setzten uns auf einen Stapel Steine und warteten auf den Bauherrn. Wir warteten und warteten, bis endlich seine Frau kam und sagte, ich habe hier euer Geld, unterschreibt mir bitte diese Quittung. Das sind aber nur zweihundertfünfzig sagte ich, wir müssten aber vierhundert bekommen. Denn wir hatten immerhin fünfzig Stunden hart gearbeitet und bei einem Stundenlohn von acht Mark wären das vierhundert Mark. Wieso acht Mark, fragte sie? Ihr Mann habe zu ihr gesagt es wären fünf Mark Stundenlohn für die Hilfskräfte und acht für die Maurer. Nein sagte ich und holte zwei Maurer aus dem Wirtshaus zurück um diese Sache zu klären. Da der Bauherr nicht vor Ort war, konnten wir keine Einigung erzielen und nahmen erst einmal die zweihundertfünfzig und unterschrieben die Quittungen nicht. Das machen wir erst, wenn wir uns einig sind, sagte ich und wir gingen wutentbrannt von der Baustelle. Komm wir gehen erst einmal duschen und ziehen uns um, dann lauern wir den Sack auf sagte Jörchy zu mir. Wir warteten bis nach Mitternacht, aber er kam nicht. Das Wirtshaus war bereits geschlossen und die letzten Gäste gingen nachhause und auch die zwei Maurer waren dabei. Was macht ihr den noch hier fragte der eine? Wir

 

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wollen den Bauherren auflauern, sagte ich. Das könnt ihr aufgeben. Der arbeitet auf Montage und kommt erst am Donnerstag zurück. Ach so sagte Jörchy und wir gingen wieder zu Ben nachhause und ich verbrachte die Nacht wieder mit Eva. Am kommenden Donnerstag standen wir wieder bei dem Bauherren pünktlich auf der Matte und wollten die Sache mit unserem Geld klären. Ich habe zu euch doch gleich gesagt, dass ich nur fünf Mark für die Handlanger bezahle, nur in besonderen Fällen gibt es auch mal bis zu acht Mark. Versuchte er uns einzureden! Das war Absicht gewesen, um uns hereinzulegen, denn die Maurer und Ben kamen ja auch aus demselben Ort wie der Bauherr und bekamen auch die Zwölfmarkfünfzig wie abgesprochen ausgezahlt. Ben war auch nur als Handlanger angestellt wie wir auch. Zum Glück hatten wir uns ja auch eine Rückversicherung eingebaut und waren der Meinung

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Das sei zu wenig für solch einen Betrug. In der kommenden Nacht schlichen wir auf die Baustelle und öffneten alle Steckdosen und Lichtschalter, schnitten mit einen Seitenschneider alle Kabel ganz kurz ab und bauten die Steckdosen und Schalter wieder zusammen.

Mit einer Rohrzange hatte Jörchy die Verbindungen der Wasserleitungen unter der Badewanne gelöst, das sie undicht waren. Ich lockerte den Abfluss der Badewanne, so damit das Wasser unter der Wanne herauslaufen konnte. Mit einer Lötlampe erwärmten wir die Heizungsrohre das Sie an den Muffen undicht wurden nun machte ich die restlichen Zementsäcke auf und befüllten alle Abflussleitungen damit. Anschließend gossen wir noch etwas Wasser in die Waschbecken und Toilettenschüsseln. Den restlichen Zement, Kalk und Gips schütteten wir in die Klärgrube und machten uns aus dem Staub.

 

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Otto, ein Weltkriegsinvalide mit nur noch einen Bein, war der Vater eines Klassenkameraden. Im gesamten Dorf wurde er nur der lustige Otto genannt und dessen richtiger Familienname war mir unbekannt. Eines Tages lag sein Sohn Gerd krank zu Bett und ich erhielt von unseren Klassenlehrer den Auftrag die Schulaufgaben den kranken Schüler nachhause zubringen. Da es auf meinen Nachhauseweg lag, war es kein Umweg und ich machte es gerne. Am Haus angekommen, merkte ich, dass ich ein Problem hatte. Denn ich kannte ja den richtigen Namen nicht und eine Klingel war auch nicht vorhanden. Vor dem Haus stand der alte Lanzbulldock, den sein Vater Otto immer fuhr. Ach da ruf ich einfach nach seinen Vater, dachte ich und begann zu rufen. Herr lustig – Herr lustig und immer wieder habe ich diesen Namen gerufen, doch es hörte niemand. Nun rief ich Otto lustig und wieder tat sich nichts. Aus dem Nachbarhaus schaute eine alte Frau heraus und sagte, na, du willst wohl zum lustigen Otto. Ja sagte ich und erzählte ihr, dass ich die Schulaufgaben für Gerd abgeben müsse. Da musst du aber lauter rufen, sonst kann er dich nicht hören. Nun rief ich so laut ich konnte, lustiger Otto und immer wieder lustiger Otto. Da ging plötzlich die Hoftür auf und Otto kam mit seinen Gehstock heraus und gerbte mir das Fell. Ich werde dir schon helfen, von wegen sich über die Leute lustig zu machen, schrie er und ich ergriff die Flucht. Soll dem Idioten doch die Schulaufgaben bringen wer will, bloß ich nicht. Als ich nachhause wollte, kam ich immer automatisch bei montags Hermann an seiner Haustür vorbei, wo er bei schönem Wetter immer auf der Treppe saß und seine Zigarre rauchte. Na Junge wie

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Siehst du den aus, fragte er mich? Ich berichtete, was passiert war. Um Gotteswillen, das war sein Schimpfname. Mit diesen Namen wurde er schon sein gesamtes Leben aufgezogen und wurde jedes Mal stinksauer, wenn jemand ihn so nannte. Nun erklärte mir Hermann, warum er so genannt wurde. Seine Mutter wurde schon bei Zeiten zur Witwe und hielt das Tratizionelle Trauerjahr nicht ein und vergnügte sich auf der Kirmes, sie war fröhlich und ausgelassen. Weil sie so lustig feierte und immer gute Laune hatte, wurde sie im Dorf von diesem Zeitpunkt nur noch die Lustige

 

 

 

Witwe genannt. Wenn man ihren Sohn Otto ärgern wollte, musste man ihn nur lustiger Otto oder Otto lustig nennen. Da fuhr er aus der Haut und tobte wie das Rumpelstilzien. Kein Wunder das Er mir das Fell

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Gegerbt hat, sagte ich zu Hermann und ging nachhause. Nach dem Mittagessen kam Jörchy zu mir und ich

Erzählte ihm, was mir widerfahren war. Das gibt Rache, sagte Jörchy und wir machten uns auf den Weg und suchten das gesamte Dorf ab, bis wir den lustigen Otto gefunden hatten. Er war gerade damit beschäftigt ein altes Jauchefass mit einem Jaucheschöpfer abzufüllen, um dies als Dünger auf ein Feld zu bringen. Wir schlichen uns heimlich von hinten an das Güllefass um eine Schnur an den Ventilhebel zu befestigen. Das andere ende habe ich an einen Scheunenbalken befestigt. Aus einen guten Versteck heraus beobachteten wir wie Otto den Lanzbulldock mit dem Lenkrat und einer Lunte startete und losfuhr. Beim Verlassen des Gehöftes spannte sich die Schnur und zog den Hebelauf, danach riss sie einfach ab und die Gülle konnte in einen hohen Schwall das Fass verlassen. Da es auf dem Lanz viel zu laut war, konnte Otto das blätschern nicht hören. Nun fuhr er der gesamten Hauptstraße entlang und erst als er an der Straßenkreuzung in Richtung Mühlberg abbog sah er wie sich die Gülle über die Straße und Hauswände ergoss. Nun sprang er so schnell es ging vom Bulldock und wollte das Ventil schließen. Scheiße schrie er, der Ventilhebel war verbogen und lies sich nicht bewegen. Otto nahm einen Stein, der auf der Straße lag und schlug gegen das Ventil. Doch die Gülle spritzte nach wie vor aus dem Fass und Otto stand unter dem Gülleregen und versuchte mit dem Hebel, den geschehen ein Ende zubereiten. Nach einiger Zeit war das gesamte Fass ausgelaufen und der Ortskern stank wie ein Misthaufen und Otto durfte den Schaden beseitigen.

 

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Im Dorf hatten wir einen Bauern, der eine Schaf und Ziegenzucht besaß. Er hatte die prächtigsten Zuchtböcke und alle Leute aus der Umgebung kamen im Frühjahr mit ihren Schafen oder Ziegen zu ihm, um sie decken zu lassen. Aus diesem Grund wurde der Bauer, nur der Bockschmidt genannt. So wusste man auch sofort bei einen Gespräch von welchem Schmidt das gerade die Rede war, denn es gab den Namen Schmidt mehrmals im Dorf. Zum Beispiel der Leiter der Sparkasse, das war der Kassenschmidt usw. Eines Morgens sammelte Papstens Linda im Witschen ihre Ziege ein, die wir wieder einmal aus ihren stinkenden Stall befreit hatten um ihr die Freiheit zu schenken ein.

Die Ziege sollte Junge bekommen und wurde von Linda an der Apfelstedt gewaschen und gekämmt. Sie bekam ein buntes Halsband um das mit Frühjahrsblumen

 

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Geschmückt war. Linda sagte zu der Ziege, komm meine süße so Wirt der Bock gefallen an dir finden und kann nicht wieder stehen, wenn er dich sieht. Auf dem Weg zum Bock Schmidt dam Linda bei uns vorbei und wurde von einer alten Frau aus der Nachbarschaft, die man Töpfers Lina nannte, aufgehalten. Na Linda, du hast die Geiß aber schön herausgeputzt, sie hat wohl Geburtstag? Nein ich gehe mit ihr zum Bock Schmidt, das er sie decken, lässt von seinen schönsten Zuchtbock, erzählte Linda mit Stolz geschwollener Brust. Ach zum Bock Schmidt erwiderte Töpfers Lina. Kostet das auch was, wollte sie wissen? Ja Lina das kostet auch was, antwortete Papstens Linda und setzte den Weg zum Bock Schmidt fort. So hatte ich mitbekommen das bei Linda gerade sturmfreie Bude war und machte sofort einen Kontrollgang durch ihren Garten. Im Frühbeet gab es die ersten Radiesien und die ersten Gurken trugen auch schon Blüten. Im Hof stand ein alter Tisch, wo Arturs Werkzeug darauf lag. Klasse, Werkzeug, sagte ich mir. Das konnte ich sehr gut brauchen, da waren lange Schrauben und Nägel Hämmer Schreibenzieher, Bohrer, eine Säge usw. Das gibt einen Mords Spaß, lachte ich und rieb mir die Hände. Mit den Schrauben begann ich alle Türen zu verschließen, selbst vor der Toilettentür machte ich nicht halt nach dem Ich von unten ein paar kleine Nägel durch die Brille getrieben hatte. Ich war wieder durch das Kellerfenster geklettert und hatte die Eingangstüren von innen zugeschraubt. Nun legte ich mich am Mühlgraben auf die Lauer und lachte wieder Tränen als Linda nicht in ihr Haus hereinkam. Sie tobte, schimpfte und fluchte laut. Das war wieder der Wolf im

 

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Schafspelz, wenn ich den erwische, ziehe ich ihn die Eier lang. Nun band sie ihre Ziege am Gartenzaun an und holte den Pastor zu Hilfe. Ich hatte in der Zwischenzeit die Ziege befreit und stellte sie vor das offene Frühbeet und es schmeckte ihr vorzüglich.

 

 

 

Der Pastor kam im Sturmschritt mit seiner Werkzeugkiste in der Hand en alten Feldweg der zu Lindas Haus führte entlang, kurz darauf folgte ihm Linda mit den Worten, nicht so schnell. Ich bin schon ganz außer Puste! Als sie Lindas Grundstück betraten, schrie Linda schon wieder los, der verfluchte Wolf hat schon wieder zugeschlagen und trieb die Ziege von den Frühbeet weg. Nun ging sie mit dem Pastor um das Haus und sie versuchten irgendwie einen Weg in das Innere zu finden. Sie sahen das Offene Dachfester, da

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Passen wir nicht durch, sagte der Pastor und sie suchten weiter. Für das kleine Kellerfenster war er auch zu fett. Nun sollte Linda ihr Glück versuchen. Sie zwängte ihren Oberkörper gewaltsam durch das Kellerfenster. Stück für Stück hatte sie sich gewaltsam bis zu den Hüften in das Fenster gequält und blieb nun mit ihren dicken Hindern stecken. Herr Pastor, schieben sie, hörte ich sie jammern. Der Pastor bekreuzigte sich und sagte oh Gott führe mich nicht in Versuchung und wusste nicht so richtig, wie er sie anfassen sollte. Nun schob ein Windstoß ihr gleit etwas nach oben und der Pastor bekreuzigte sich wieder und brammelte dabei, schwer prüfest du mich der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach. Nun schob er mit seiner ganzen Kraft, doch Linda steckte fest. Ich versuche es durch ein Fenster, sagte der Pastor und hebelte Lindas Schlafzimmerfenster auf und stieg mithilfe einer Leiter in ihr Schlafzimmer ei, was wiederum von Gottfried unserem Förster beobachtet wurde. Nun war der Pastor im Haus und ging der Kellertreppe hinunter und sah Linda im Fenster feststecken, ihre Brüste quollen aus dem Ausschnitt des Kleides heraus. Helfen sie mir und ziehen sie! Ob der Pastor nun zog oder schieben sollte wusste er nicht so richtig, denn ehr hatte immer Lindas große Brüste vor den Augen. Oh Gott das mir, sagte er und begann zu schieben bis Linda wieder frei war. Nun stand Linda vor der Haustür und rückte ihre Kleider zurecht. Der Pastor entfernte die Schrauben aus der Tür und öffnete sie, Linda die sich vor lauter Erschöpfung an die Tür angelehnt hatte fiel mit der Tür in das Haus. Es gelang den Pastor gerade noch so, sie aufzufangen. Gottfried stand mit seinen Fernglas im

 

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Witschen und verengte sich den Hals. Er sah ja nicht, wie Linda im Fenster feststeckte, sondern nur wie der

 

Pastor dem Schlafzimmerfenster herein kletterte und sich Linda ihre Sachen danach zu Recht rückte. Auch wie sie in die Arme des Pastors fiel, hatte Gottfried gesehen und dachte sich sein Teil. Es waren ein paar Wochen vergangen als Linda wieder mit ihrer bunt geschmückten Ziege des Weges kam. Linda du gehst wohl mit deiner Ziege spazieren, fragte Töpfers Lina neugierig? Nein ich muss noch einmal zum Bock Schmidt zum Decken, antwortete Linda. Du warst doch schon einmal dort, erwiderte Lina. Ja, da hat es aber nicht geklappt. Ach so und deswegen musst du wieder hin? Ja Lina. Kostet denn das jetzt auch noch einmal was, wollte Töpfers Lina noch wissen. Ja Lina das kostet jedes Mal das Gleiche. Was kostet denn das, fragte Lina neugierig. Zehn Mark sagte Linda und

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Setzte Ihren WEG fort. Meine Nase wittert Morgenluft sagte ich zu mir und machte mich sofort auf den Weg zu dem Haus von Papstens Linda. Ich hatte mir schon einpaar herrliche Streiche ausgedacht, als ich den fetten Pastor in Lindas Garten sah. Er saß in einen Liegestuhl und las in einen dicken großen Buch. Verdammte Scheiße sagte ich leise vor mir her. Jetzt passt der auf das Haus auf. Meine schönen Pläne gingen den Bach herunter. Ich legte mich auf die Lauer und beobachtete ihn beim Lesen. Nach einer guten Stunde war der Pastor beim Lesen eingeschlafen und ich ging nachhause um eine Kerze zu besorgen. Ich zündete sie an und schlich auf allen vieren mich von hinten an den Pastor heran und platzierte die brennende Kerze unter seinen dicken Hindern. Leise schlich ich mich wieder zurück an den Rand des Mühlgrabens und legte mich wieder auf die Lauer. Der Pastor rutschte im Schlaf mit seinen fetten Hindern hin und her, er wurde immer zappliger auf seinen Liegestuhl, der mit einem gestreiften Stoff bespannt war. Plötzlich sprang der Pastor auf mit einen kauten Schrei und schrie aus voller Kehle. Scheiße mein Arsch brennt und versuchte mit dem Buch den klimmenden Stoff seiner Hose zu löschen. Durch das Wedeln mit dem Buch wurde der nötige Sauerstoff herbeigeführt und die Hose begann erst richtig Feuer zu fangen. Nun rannte der Pastor zum Haus herüber, wo an der Regenrinne ein Fass mit Regenwasser stand und versuchte den Hindern darin zu löschen, doch der war fiel zu dick und passte nicht hinein. Heiß – heiß schreiend lief er jetzt zum Mühlgraben und sprang hinein um seine Hose zulöschen. Ich hatte die

 

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Fürchterlichsten Lachkrämpfe bekommen und wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollt. Ich hielt mir den Bauch und machte mich aus dem Staub, bevor mich noch jemand erwischen würde.

 

Als Linda singend auf dem Nachhauseweg war, lachte montags Hermann leise hinter ihr her und sagte dabei zu mir. Und wenn sie noch hundertmal zum Bock Schmidt rennt, klappt das nicht, denn Zwiebel hat ihr vor zwei Jahren eine sterilisierte Ziege angedreht. Zwiebel, so wurde ein Bauer aus dem Ort genannt. Er war ein lustiger Kerl und auch immer zu einen Späßchen aufgelegt. Als Linda nach einer geraumen Zeit wieder dem Weg zum Bock Schmidt antrat, sagte Töpfers Lina zu ihr. Linda, ich kann mir nicht helfen. Ich werde einfach den Verdacht nicht los. Was denn für einen Verdacht wollte Linda wissen? Ich habe den Verdacht, dass die Ziege nur dein Geld verhuren will und niemals junge Zicklein bekommt. Linda erwiderte darauf, wenn

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Es jetzt nicht klappt, dann hat es sich ein für alle Mal, ausgehurt und die Ziege Wirt geschlachtet.

 

 

 

 


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