Ein Märchen von Winfried Schäfer – Rochau

 

 

 

 

                Die Waldschenke

 

Es war einmal vor einer sehr langen Zeit im Söhrewald, da wo er am tiefsten ist stand einst die Waldschenke. Wer damals den Söhrewald durchreiste brauchte einige Tage dazu und musste ständig mit Räubern oder Wegelagerern rechnen. Nach einer Tagesfahrt, so kurz vor Anbruch der Dunkelheit erreichte man die Waldschenke. Es war ein sehr altes und finster wirkendes Haus, was nur über kleine Fenster verfügte. Umgeben von Scheunen, Ställen und Wirtschaftsräumen lag es in einen Tal mit einen großen Misthaufen vor der Tür. Zu jener Zeit wurde der Reichtum der Leute im Söhrewald noch am Misthaufen bemessen. Wer viel Mist hatte, musste auch viel Vieh haben, und wer das hatte verfügte über viel Land um es ernähren zu können. Wer das hatte war sehr reich für die damaligen Verhältnisse im Söhrewald. Heiner der Wirt war ein Nimmersatt, er konnte den Hals einfach nicht voll bekommen. Er war bereits der Reichste weit und breit, doch das reichte ihn nicht aus. Der reichste vom Söhrewald wollte er werden und da es ihn nicht schnell genug ging, betrog er mit seiner Frau Martha die Gäste. Sie verdünnten das Bier mit Wasser, machten die Suppen zu dünn und immer wenn es Braten gab passten sie gut auf das auch da nicht zu viel auf die Teller kam. Der Knecht Franz musste die Reisetaschen durch suchen und alles was wertvoll war für die Wirtsleute stehlen. Er war bereits ein alter Mann den man nichts schlechtes zu trauen würde, doch was sollte er machen ? Sein gesamtes Leben war er schon als Knecht im Wirtshaus angestellt, bekam dafür Essen und eine Unterkunft, ab und zu mal die abgetragenen Kleider vom Wirt. Wo sollte er hin ohne Geld, in diesen alter würde er auch keine Arbeit mehr finden, und seine besten Tage waren schon lange vorbei, also tat er was der Wirt sagte. Der Wirt nahm was er bekommen konnte und was er nicht bekam ließ er von seinen Knecht stehlen.

 

 

1.

Doch kam es ab und an mal vor, das die Reisenden gut bewacht wurden oder gar selber unter Waffen standen. Da blieb den Wirt nur noch das eine, die Söhrebande. Es war eine Bande von Halsabschneidern, Mördern und Tagedieben wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. Sie lungerten im Walde herum und überfielen jeden der durch kam. Man nahm ihn Hab und Gut, zog die Leute aus bis auf die nackte Haut und jagte sie von Tannen. Doch die beraubten wahren froh noch mit dem nackten Leben davon gekommen zu sein.

Sie waren eine eingeschworene Diebesbande die mit dem Söhrewirt gemeinsame Sache machten. Der Frau des Wirtes, Martha Köhler geborene Teufelschmidt war eine besonders habgierige Person.

Sie erleichterte ihren Mann wo sie nur wusste und konnte. Er brachte alles Raubgut in einen geheimen Keller unter dem Stall von denen keiner was wusste außer ihr. Da er schon seit sehr vielen Jahren sein schändliches Treiben im Söhrewald vollzog, war bereits einiges zusammen gekommen so das er den Überblick verloren hatte. Das hatte Martha bemerkt und nutze die Situation ihres Mannes schamlos aus. Franz der Knecht hatte sie dabei beobachtet wie sie ständig ihren Mann erleichterte. Auch er war ein sehr armer Mann, hatte er ja sein Leben Lang bei dem Wirt für ein Stück Brot und einen Schlafplatz arbeiten müssen.Martha die Frau des Wirtes schleppte alles in einen alten Bergwerkstollen und versteckte es alles unter kleinen Steinhaufen, wo auch sie bald den Überblick verlor wie viel sie bereits auf die Seite gebracht hatte. Franz der Knecht des Wirtes sah hier die Möglichkeit doch noch zu seinen gerechten Lohn zu kommen und holte alles wieder unter den Steinhaufen hervor und tat Mist unter die Steine. Er vergrub alles im Söhrewald , da wo er am dichtesten war und keine Menschenseele dort hin gelangen konnte.

So ging es weiter, Jahr ein Jahr aus. Bis sich die Überfälle so stark häuften und der König vom Söhrewald davon erfuhr und seine Ritter aus sendete um den schändlichen Treiben ein Ende zu bereiten. Die Ritter des Königs gingen jeder Spur nach, doch von einer Räuberbande fanden sie nichts, denn der Söhrewirt hatte sie gewarnt.

Die Ritter befragten jeden und durchsuchten jedes Haus im Söhrewald, auch die Söhreschenke, doch sie fanden nichts.

 

 

2.

So zogen die Ritter des Königs wieder unverrichteter Dinge ab und berichteten den König das im Söhrewald kein Räuber zu sehen sei, das auch alle Häuser keinen Spuren von Diebesgut aufwiesen.

Aber schon nach kurzer Zeit häuften sich die Überfälle wieder und der König griff zu einer List. Seine Ritter mussten sich als reiche Kaufleute verkleiden die mit Salz beladen den Söhrewald durchquerten. Doch bestand die Gefahr das der Söhrewirt die Ritter erkennen würde und somit der Plan des Königs null und nichtig sei.

Deswegen beschloss man nicht an der Söhreschenke halt zu machen wie das so üblich war. Sie zogen vorbei mit ihren reich beladenen Wagen und der schweren Eskorte. So was hat der Söhrewirt noch nie erlebt das man vorbei zog und in der dunklen Nacht verschwand, und das mitten im Söhrewald. Was müssen die wohl für eine kostbare Fracht geladen haben, sagte der Söhrewirt zu seiner Frau und machte sich so gleich auf den Weg, die Räuberbande zu informieren was da schönes durch den Wald kommen würde. Denn der Wirt wollte ja seinen Anteil von der Beute. Die Frau des Wirtes nutzte ihrerseits die Gunst der Stunde und verbrachte wieder einiges von dem wertvollen Diebesgut in den verlassenen Bergwerkstollen. Doch hier sollte es auch nicht mehr lange sein und der Knecht vergrub es als seine Altersfürsorge im Söhrewald wie schon alles vorher. Jedes mal suchte er sich ein anderes Versteck, weil er dachte, wenn man eines finden würde hätte er ja noch die anderen und es wäre nicht alles mit einmal weg. Im Morgengrauen als der Söhrewirt schon lange wieder daheim war und neben seiner Frau im Bett lag, griffen die Räuber den Wagentross an und erlebten ihr blaues Wunder, ja es war ein böses erwachen für die Räuberbande, denn sie wurden alle in einen sehr langen und harten Kampf getötet. Doch von der Beute fehlte jede Spur, so das die Ritter ohne wieder abziehen mussten, denn es waren alle Räuber zu tote gekommen und keiner hätte noch sagen können wo sie alles versteckt hatten. Man vermutete nur das es ein Umfangreicher Schatz gewesen sein Musste. Nach einiger Zeit ging es wieder los, das die Reisenden und die Kaufleute vom Wirt betrogen wurden, zu dünnes Bier, saurer Wein zu viel zu hohen Preisen. Die Mahlzeiten reichten nicht aus und waren viel zu teuer,

 

 

3.

so das die Gäste langsam ausblieben. Man brachte jetzt selber mit was man so für die Reise brauchte. Einer Gefahr durch die Räuberbande bestand nicht mehr und man reiste wieder unbeschwert durch den Söhrewald. Das passte den diebischen Wirt überhaupt nicht, schon seit tagen verlief sich kaum noch einer in seine Schenke und die Einnahmen blieben aus. Er lies von seinen Knecht einige Löscher auf dem Weg anbringen so das man sich die Radachsen brach und gerade so noch zur Schenke kam. Dort wollte der Wirt die Leute auch so lange behalten bis sie richtig gezecht und genächtigt hatten. Nur so hatte er die nötige Zeit alles zu durchwühlen und die Reisenden über Nacht um ihr Hab und Gut zu bringen. So ging es wieder Tag ein Tag aus, bis der Knecht sagte ich mache nicht mehr mit, mir plagt mein Gewissen und ich kann nicht mehr schlafen mit der Schuld die ich über mich laden musste. Ich gehe zum König und mache reinen Tisch sagte er. Der Söhrewirt erschrak und wurde ganz blass um die Nase. Nach einen kurzen Moment, wo er daran dachte was ihn blühen würde wenn der König erfahren würde was sich alles in der Schenke zu getragen hatte, zuckte er zusammen. Was willst du machen schrie er und griff zu einen Messer und stach den Knecht nieder. Mit Schmerzverzerrten Gesicht sank er zu Boden und hielt sich an der Tischdecke fest, wobei er die kleine Öllampe umwarf und sich das brennende Lampenöl über den Tisch und Fußboten ergoss und alles in Brand setzte. Der Wirt schrie, mein Gold und rannte nach oben wo seine Kammer lag. Er hatte es in seinen Strohsack eingenäht, der war bereits zu schwer das er ihn zusammen mit seiner Frau hätte nicht tragen können, so mussten sie die Naht des Sackes öffnen und alles in kleinere Säcke verpacken. Unten in der Gaststube wütete das Feuer und der Knecht sprach mit Zitternder Stimme einen Fluch aus. Söhrewirt ich verfluche dich, du sollst so lange in der Söhreschenke spuken müssen bis sie wieder aufgebaut ist und alles Unrecht gesühnt wurde. Dann wurde es kurz sehr still und es folgte ein sehr langer Schmerzverzerrter Schrei und dann war es eine Totenstille. Man hörte nur noch das Feuer wüten wie es sich durch die Räume frahs bis es die Kammer mit den Wirtsleuten erreichte.

Jetzt merkten auch sie das es zu spät war um den Flammen zu entkommen.

 

4.

Doch den Streit um das Gold gaben sie nicht auf, sie stritten und brüllten sich dabei an von lauter Gier zerfressen bis ein Deckenbalken beim herabfallen denen ein Ende bereitete.

Aber die Söhreschenke brannte hernieder bis auf die Grundmauern

und für die nächsten Jahre wagte sich kein Mensch dorthin, weil man die Wirtsleute dort spuken sehen und hören konnte.

Einhundert Jahre später!

Im Söhrewald hatte bereits das moderne Leben Einzug gehalten und die ersten Ortschaften wurden gegründet. Die Wege und Straßen durch den Söhrewald wurden befestigt und ein Teil des Waldes musste durch Rodung weichen. So veränderte der Söhrewald im Laufe der Jahrhunderte sein Leben und die alte Söhreschenke mit ihren habgierigen Besitzern war schon lange in Vergessenheit geraden. Es gab ja auch nur noch ein paar zerfallene Reste der Grundmauern, wo die beiden jede Nacht spuken mussten.

Schon seit einhundert Jahren hatte sich kein Mensch an die bewusste Stelle verlaufen, bis eines Tages einer der Bewohner vom Weg ab kam und die Mauerreste entdeckte. Er untersuchte sie sofort und fand noch sehr gut erhaltene und intakte Kellergewölbe.

Alles sehr gut erhaltener Sandstein und vor allen waren die Kellergewölbe sehr trocken und Kühl. Er untersuchte alles und sagte, das muss wohl mal eine Herberge oder ein Wirtshaus gewesen sein,

was er auf die alten Wein und Bierfässer schloss die da noch immer aufgestapelt an ihren Platz lagen. Alte Tonkrüge und Fässer wie sie einst für Gurken oder Sauerkraut verwand wurden gab es in großer Stückzahl so wie einige andere Gegenstände die man damals so zum Leben brauchte. Doch Walter, der Bewohner des Söhrewaldes, kam in das schwärmen und dachte sich. Eine Ideale Stelle um wieder ein Wirtshaus zu errichten. Walter Moor kam aus einer Großbauernfamilie und hatte erst vor ein paar Jahren den Hof der Eltern übernommen. Ihn ging es sehr gut für die damaligen Verhältnisse und er konnte es sich leisten das Wirtshaus im Söhrewald wieder auf zu bauen. Da die Dunkelheit anbrach und er ohne Lampe unterwegs war musste er sich sputen um wieder nach Hause zu kommen.

 

 

5.

Er wurde schon von seiner Frau Ina und den

beiden Kindern Bernd und Emma erwartet. Die beiden Kinder hatten sich gerade die Hände gewaschen, denn die Familie wollte gleich zu Abend essen. Hugo der Vater, schon ein sehr alter Mann von 82 Jahren saß wie meistens auf der kleinen Bank unter der Linde, die vor dem Haus stand. Walter erzählte ihn von den alten Gemäuern im Wald und wollte wissen was der Vater drüber weiß. Doch der kannte auch nur die Mündliche Überlieferung wie es damals üblich war. Im laufe der Zeit verblasste die Sache und die Söhreschenke Gerrit in Vergessenheit bis zum heutigen Tage.

Dort soll es spuken, sagte der Vater und erzählte was er davon weiß.

Viel war es nicht, er selbst ist ja auch nie da gewesen und es gab keinen Menschen im Söhrewald der zu der damaligen Zeit schon gelebt hat. So wurde es immer vom Vater zu den Sohn weiter gegeben und vor lauter Furcht mieten sie die Stelle wo einst die Söhreschenke stand. Doch Walter war nicht Abergläubig und glaubte auch nicht an Gespenster oder Spuk gestalten. Er suchte am kommenden Morgen den Bürgermeister auf, der auch schon ein alter Mann über sechzig Jahre alt war und ja was missen müsse.

Doch der Wusste auch nichts neues und nicht mehr als Walter ohnehin schon von seinen Vater erfahren hatte. Doch das Waldstück muss doch jemanden gehören sagte er. Das ist es ja, es gehört niemanden. Die Besitzer sind Kinderlos in Wirtshaus verbrannt und andere Erben gibt es nicht. Einige fremde hatten mal versucht alles wieder aufzubauen, doch als sie bemerkten das es dort spuken würde gaben sie ihr Vorhaben auf und wurden nie wieder im Söhrewald gesehen. Walter lachte, und kurz entschlossen lies er sich vom Bürgermeister als neuer Besitzer für das Grundstück eintragen. Da es keinen gehörte und keiner es wollte kostete es auch nicht. Doch Walter machte dafür der Gemeinde eine großzügige Spende die allen zu gute kam. Zufrieden ging er nach Hause, denn es war bereits um die Mittagsstunde und seine Frau Ina würde mit dem Essen warten. Wie immer sah er den Vater auf der Bank sitzen wie er sein Pfeifchen genoss. Walter erzählte ihn das er die alte Söhreschenke mit samt den Grundstück übernommen hatte und was er sich vorgenommen hatte.

 

 

6.

Wenn du dich da mal nicht übernommen hast, sagte der Vater und schüttelte den Kopf. Denn hin gegen seines Sohnes war der Vater noch sehr abergläubig. Schon nach wenigen tagen hatte Walter einige Handwerker zusammen die ihn beim Wiederaufbau helfen sollten und das Werk konnte beginnen. Man räumte auf und entfernte alles Gestrüpp was sich im Laufe der Jahre rund um die Söhreschenke breit gemacht hatte. Beim entfernen des Bauschutts jedoch kamen die vermoderten Skelette der Wirtsleute zum Vorschein so wie das des Knechtes, der immer noch ein Messer zwischen den Rippen stecken hatte. Erstarrt standen alle Handwerker und Gehilfen um sie herum.

Bis Walter kam und sagte, den graben wir ein Grab, und einen Grabstein sollen sie auch erhalten, das bin ich ihnen schuldig.

Gesagt, getan und schon am nächsten Tage waren sie unweit von der Söhreschenke begraben. Ein Handwerker hatte ihnen Kreuze aus Holz gemacht und auf die Gräber gestellt. Da er weder Name noch sonst was kannte oder wusste von den Leuten, schrieb er auf die Kreuze, ruht in Frieden.

Nun ging der Bau gut voran, und jede Nacht stiegen die Wirtsleute aus ihren Grab um zu schauen was mit ihrer Schenke geschehen würde. Schon seit über Hundert Jahren lagen sie bereits unter Trümmern begraben und mussten spuken, doch es kam ja kein Mensch dort hin für den sie spuken konnten, also war ihr Spuk um sonst und sorgte nur dafür das sich die Tiere des Waldes fern hielten von der alten Söhreschenke. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wurde an der alten Söhreschenke gearbeitet und jeden Tag nahm das Gasthaus mehr und mehr Gestalt an. Walter lies nur das beste Material verbauen und die härtesten Hölzer, es sollte ein Bau werden der Jahrhunderte überdauern sollte. Da die alten Wirtsleute nur Nachts zur Geisterstunde ihr Grab verlassen konnten, wo alle Handwerker bereits brav in ihren Betten lagen, lief man sich auch nie über dem Weg. Walter lies Gästezimmer anbauen und legte eine schöne große Terrasse an wo die Gäste im Sommer sitzen sollten, um bei einen kühlen Glas Bier oder Wein zu verweilen. Eines Tages kamen die alten Stallungen an die Reihe. Man wollte auch sie wieder aufbauen,

 

 

7.

damit die Kutscher ihre Pferde wechseln und gut versorgen konnten. Man brachte auch hier den Bauschutt weg und stieß dabei auf den alten geheimen Keller des Söhrewirtes und staunte nicht schlecht, als sie auf einen kleinen Teil des Diebesgutes stießen der sehr wertvoll war. Da es unmöglich sei jetzt nach so einer langen Zeit die wahren Besitzer ausfindig zu machen, gehörte jetzt alles Walter, da es sich ja auch auf seinen Grundstück befand. Doch was er nicht wusste war das es noch mehr davon im Söhrewald geben würde. So nach und nach veräußerte Walter alles und der Erlös floss in den Bau der neuen Söhreschenke ein. Doch der alte Söhrewirt drehte sich vor Zorn im Grabe herum als er es erfuhr und war entsetzt das es nur so wenig war. Da seine Frau sich weder regte noch räusperte, hatte er sofort einen Verdacht. Du diebisches Weibsstück schrie er und ihr Streit um das Raubgut entfache auf das neue. Sie stritten sich mit Worten das es nur so hallte des Nachts im Söhrewald. Das ist die Gerechte Strafe, sagte der Knecht Franz für eure Untaten und ihr soll büßen bis der letzte rote Heller gefunden ist und einen guten Zweck zugeführt wurde.

Doch die alten Wirtsleute waren so damit beschäftigt sich gegenseitig die Schuld an ihr Unglück vor zu werfen das sie von all dem nichts mit bekamen. Nun waren sie schon weit über Hundert Jahre tot und immer noch von der Gier zerfressen und zeigten kein bisschen Reue.

Sie wahren schon ein Paar was sich gegenseitig verdient hatte, bereits zu Lebzeiten machten sie sich das Leben zur Hölle und selbst nach dem Tote vergifteten sie sich noch die Totenruhe durch ihre Habgier.

Eines schönen Morgens, der Bau war gut voran gekommen als die Kinder des neuen Besitzers mit auf die Baustelle kamen, sie waren neugierig und wollten alles sehen was es so dort zu sehen gab. Doch außer dem Baulärm und dichten Gestrüpp gab es dort nichts für sie zu sehen und sie langweilten sich. Walter dachte dabei, wenn sich meine Kinder schon langweilen, dann werden es die anderen ja auch tun. Kinder wahren nun mal anders, sie wollten toben und spielen, springen und schaukeln. Also hatte er eine gute Idee und entwarf mit seinen Kindern zusammen einen Spielplatz den sie gleich neben der Terrasse anlegen ließen.

 

 

8.

So würde es auch Spaziergänger und Wanderer hier her ziehen, konnten sie doch hier nun gut verweilen und auch die Kinder kamen auf ihre Kosten. Walter wusste von seinen Kindern das sie immer wieder dort hin wollten wo es ihnen gut gefiel und sie so lange die Eltern an betteln taten bis sie ihren Willen bekamen. Gute Eltern taten ja auch alles für ihre Kinder und was wäre besser als ihnen beim Spielen zu sehen zu können bei einen kühlen Glas Bier unter einen schattigen Baum. So hatten doch alle was davon. So nach und nach wurden die Arbeiten beendet und Walter schaute sich nach einen Wirt um der die Wirtschaft mit Leib und Seele für ihn führen sollte. Es dauerte nicht lange und der erste Wirt war gefunden, er kam aus dem Unweit gelegenen Ort Kassel, und stammte aus einer Gastwirtsfamilie, hatte das Handwerk von klein auf erlernt. Er richtete sich ein mit seiner Familie und noch bevor die Söhreschenke eröffnet werden sollte zog er ein. Bereits schon in der ersten Nacht, wurden sie von den alten Wirtsleuten heimgesucht. Sie spukten herum und verbreiteten einen Gestank der an Teer und Schwefel erinnerte. Sie stritten sich um das Raubgut und gestohlene Gold das nur so die Fetzen flogen und warfen in der Gaststube jeden Tisch und Stuhl um, die kleinen Blumenvasen die so liebevoll auf dem Tischen standen warfen sie sich gegenseitig an den Kopf. Sie kreischten und geiferten was das Zeug hielt. Eine volle Stunde lang sollte der Spuk anhalten und die neuen Wirtsleute verkrochen sich in ihren Betten unter den Decken. Sie hatten ja hinter vorgehaltener Hand gehört das es dort spuken sollte, doch maßen sie dem keine Bedeutung zu und ignorierten alles einfach. Nun bekamen sie die Quittung dafür. Als der Morgen angebrochen war, packten sie ihre Sachen und spannten die Pferde ein und wurden nie wieder im Söhrewald gesehen.

Walter wollte es nicht glauben und lies das Gastzimmer und alles was verwüstet war wieder in Ordnung bringen und suchte den nächsten Wirt für seine Söhreschenke, doch er fand keinen.

Nun hatte der Bau so viel Geld verschlungen und keiner wollte ihn haben. Walter saß mit seiner Frau Ina auf der Terrasse und sie überlegten was zu tun sei. Er sagte ich verstehe das nicht, hier ist es so schön ruhig und man kann sich doch gut erholen an dieser Stelle.

 

 

9.

Zu ruhig sagte Ina, es ist zu ruhig. Nun hörte Walter auch das hier nichts zu hören war, nicht mal ein Vogel oder eine Grille war zu hören, einfach nur totenstille und ihn lief ein kalter Schauer über den Rücken. Plötzlich wurde es richtig unheimlich und ihnen grauste vor der Stille. Sie sahen sich an und standen wortlos auf um diesen unheimlichen Ort zu verlassen. Walter trieb die Pferde an und berichtete alles seinen Vater was sie da bemerkt hatten. Ja mein Sohn sagte der nur, auf mich wolltest du ja nicht hören. Ich habe doch gesagt dort spukt es. Nur warum und wer dort spukte wusste er auch nicht genau, weil keiner die Geschichte genau kannte hatten die Wirtsleute sie mit in ihr Grab genommen. Doch Walter hatte all sein Geld in die Schenke gesteckt und war darauf angewiesen sie zu bewirtschaften, so suchte er eben neue Wirtsleute die so weit weg waren und nichts vom Spuk wussten, doch es gelang nie eine Wirtsfamilie länger als drei Tage dort zu behalten. Doch Was sollte man tun? Walter dachte wenn ich keinen Finde, mache ich es selber.

Da er nicht weit weg wohnte wollte er die Wirtschaft nun selber betreiben und öffnete am tage, des Nachts wollte er zu hause schlafen und so den Spuk zu entgehen. Gesagt und getan, doch die Gäste blieben aus, zu sehr hatte sich die Geschichte von der Spukschenke herum gesprochen. Nacht war die Schenke den Geistern und sie durchstreiften deren Mauern und machten so einiges kaputt und warfen sich vieles vor dem Kopf, sie waren ja nur damit beschäftigt sich um ihr Diebesgut zu streiten und nahmen auf nichts und keinen Rücksicht. Eines Nacht gestand die diebische Wirtin ihren Mann das sie so einiges in Sicherheit gebracht hatte und wollte es ihn zeigen, sie gingen in die Räuberhöhle wo noch immer die Steinhaufen standen, doch das gestohlene Gold, Silber und was sie sonst noch versteckt hatte war weg. Der Knecht Franz hatte ihr ja alles abgejagt und es gegen Stallmist ausgetauscht um sie zu ärgern, da sie es aber nie bemerkt hatte, wurde aus dem Stallmist im Laufe der Zeit Erde.

Nun kam sie, die Martha Köhler, geb. Teufelschmidt mit ihren Mann dem Söhrewirt in die Höhle und sie drehten jeden Stein herum und fanden nichts. Das ist Teufelswerk, sagte sie, schlug die Hände über dem Kopf zusammen und rannte schreiend aus der Höhle heraus.

 

 

10.

Dabei schrie sie so laut und heftig das man ihren Nächtlichen Schrei durch den ganzen Söhrewald hören konnte. Eiskalt fuhr es den Bewohnern des Söhrewaldes über den Rücken, so einen scheußlichen Schrei um Mitternacht hatten sie noch nie gehört, doch alle dachten dabei sofort an die spukende Söhreschenke. Nun kam auch der Knecht Franz aus seinen Grab gestiegen und sagte zu den Wirtsleuten, sucht ihr was ??? Und lachte dabei.

Das war ihn eine Genugtuung, jetzt war endlich die Zeit gekommen um sich für so manches zu rächen. Das Gold und was du sonst noch hier versteckt hast, habe ich. Lachte er und führte einen kleinen Freudentanz auf, das dabei sein Gerippe lustig vor sich hin klapperte.

Ich habe es im gesamten Söhrewald vergraben und zwar jedes Stück einzeln damit ihr es nicht wieder findet, lachte er und führte dabei weiter seinen Tanz auf. Der Teufel soll dich holen, fluchte der Wirt und seine Frau schrie, im Boden des Keller ist noch was, das hat noch keiner Entdeckt, und das ist mir allein. Von der gier zerfressen rannte der Wirt durch den Wald zur Söhreschenke.

Er wollte so gleich den Boden des alten Kellergewölbes aufreißen um den Schatz an sich zu bringen, doch seine Frau war mal wieder Schneller und schon beim buddeln im Keller als der wird dort an kam, hatte sie bereits die ersten Stücke aus der Erde geholt.

Das ist meines, schrie der Wirt. Nein, meines schrie sie zurück und sie begannen sich wieder alles an den Kopf zu werfen was sie da so fanden, bis sie wieder eine Öllampe erwischten und alles im Flammen stand. Sie kümmerte das Feuer nicht und sie stritten weiter bis zum Ende der Geisterstunde, doch das Feuer wütete weiter bis in die frühen Morgenstunden als es nichts mehr gab was brennen konnte. Ruiniert stand Walter Moor der Bauer und Gastwirt vor der noch glühenden Asche, die einmal die Söhreschenke gewesen war.

Und jammerte vor sich hin, alles für die Katz, sagte er und ging.

Nie wieder sprach er von der Söhreschenke und ging nie wieder an diesen verwunschenen Ort. Die Jahre und Jahrzehnte vergangen im Söhrewald und mehr und mehr geriet die Söhreschenke in Vergessenheit, die Natur eroberte sich jeden Tag den Platz etwas mehr zurück, Laub viel auf die Mauerreste und wurde zu Erde.

Langsam verschwand alles und geriet in Vergessenheit.

 

11.

Doch wenn man zur Geisterstunde an der richtigen Stelle ist, kann man die alten Wirtsleute noch streiten hören. Doch die vergrabenen Schätze haben ihr Versteck noch nicht frei gegeben. Der alte Knecht Franz war nicht dumm und so hinterließ er genügend Zeichen die den Weg wiesen, denn er wollte sie ja später alle wieder finden.

Wer heute langsam und ruhig durch den Söhrewald wandert, und sich alles genau ansieht, kann vielleicht die Hinweise sehen und die Schätze des Söhrewirtes finden.

 

 

 

Ende


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